Klartext: Schulzendorf darf keine Spielwiese von Spekulanten werden!

3. August 2021
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Die Diskussionen um neue Wohngebiete reißen nicht ab. Bürger betrachten das Wohngebiet Ritterschlag/Ritterfleck in Sachen Ortsentwicklung, Natur und Umwelt als „Negativbeispiel“. Nun wird über neue Bebauungsgebiete nachgedacht. Ein Riesen Areal soll in der Ernst-Thälmann-Straße entstehen. Darüber sprach Der Schulzendorfer mit Reinhard Bolduan, Sprecher der Interessensgemeinschaft Altanschließer Schulzendorf (IGAS):

Herr Bolduan, die Interessengemeinschaft Altanschließer Schulzendorf spricht sich zum jetzigen Zeitpunkt gegen die Erschließung neuer Baugebiete in der Gemeinde aus. Warum?

Reinhard Bolduan: Schulzendorf von gestern war geprägt von einer offenen Bauweise, einer nachhaltigen Grünflächenplanung, einer Vielzahl von Biotopen und einem vitalen Baumbestand, der 100 Jahre und älter war. Tier- und Insektenarten waren in hoher Zahl vorhanden. Das Ökosystem war intakt, der Grundwasserkörper (GWK) stabil. Schulzendorf von heute ist geprägt von massiven Bodenversiegelungen, der Beseitigung von Sickerflächen, Neubauten auf allerengstem Raum und einer systematischen Vernichtung von Baum- und Grünflächen. Bürger werden zu Zuschauern eines Baum- und Artensterbens degradiert. So kann das nicht weitergehen.

Reinhard Bolduan, Sprecher der IGAS, kritisiert die Projektpläne nach der Ein-und Abflugschneise scharf. (Foto: mwBild)
Reinhard Bolduan, Sprecher der IGAS, kritisiert die Projektpläne nahe der Ein-und Abflugschneise scharf. (Foto: mwBild)

Nur wenige Meter von der BER-Planungszone Siedlungsbeschränkung soll in der Ernst-Thälmann-Straße ein Wohnkomplex für Senioren und Pflegebedürftige entstehen. Bürgermeister Mücke ergriff unlängst die Initiative, das Areal zu entwickeln. Wie bewerten Sie die Pläne?

Reinhard Bolduan: Wer sich mit BER-Fluglärm und der Maximalpegelhäufigkeit in der Gemeinde Schulzendorf tagsüber befasst hat, dem ist bekannt, dass der im besagten Gebiet rund 90-mal am Tag erreicht wird. Dort ein Seniorenkomplex und das Wohngebiet „Rosengarten“ zu entwickeln zeugt nicht von Daseinsfürsorge, sondern einzig von hohen Renditeabsichten. Schlimm, dass sich Bürgermeister Mücke nicht verantwortlich fühlt, wenn Menschen dorthin ziehen, wie er im Juni zugab. Auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung Joachim Kolberg von der CDU gilt als Zugpferd solcher Betonprojekte. Die Kirche, die bei dem Vorhaben mitmischen möchte, muss sich die Frage gefallen lassen, was das mit christlicher Nächstenliebe und Wahrung der Schöpfung zu tun hat. Das Areal grenzt an schützenswerte Ökosysteme und Biotope, die im Fall der Bebauung in Mitleidenschaft gezogen werden. Ich halte die Pläne für verantwortungslos.

Viele Senioren schaffen es nicht mehr, ihre Einfamilienhäuser zu bewirtschaften. Das Interesse sich zu verkleinern ist groß. Da kommt doch so ein Projekt wie gerufen, oder nicht?

Reinhard Bolduan: Natürlich hört es sich gut an und klingt sozial, wenn für die, die Deutschland aufgebaut haben, gesorgt wird. Ich komme aber bei genauer Analyse zu dem Schluss, dass das Ganze ein Alibi ist, um ein großes Areal vom Schloss im Altdorf bis zum Ortszentrum Bau fähig zu machen. Mit dem Geheimtreffen der Schulzendorfer Führungsriege Mücke, Burmeister und Kolberg, in der die Israel-Erben um Jochen Palenker ihnen die Idee eines Schlosshotels schmackhaft machten, fing es an. Später folgte die Idee der Bebauung des Wohngebietes „Rosengarten“, die eine Demonstration gegen weitere Bebauung auslöste. Für unsere Senioren gibt es doch ganz andere Alternativen.

Und welche?

Reinhard Bolduan: Warum zieht das Rathaus nicht das alte Gemeindeamt als Residenz für unsere Senioren in Betracht. Es ist bestens dafür geeignet. Schon lange reden Abgeordnete über die Schaffung einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Geschehen ist nichts. Wir brauchen keine Immobilienspekulanten, sondern Menschen mit Mut und Pioniergeist, die das umsetzen können. Wir brauchen die von Bürgermeister Mücke und Investoren anvisierten Luftschlösser nicht.

Neue Bebauung bedeutet, neue Verkehrsflächen, neue Verkehrswege. Ist Schulzendorf darauf vorbereitet?

Reinhard Bolduan: Ganz und gar nicht! Jeder Bürger spürt, dass die Infrastruktur der Entwicklung massiv hinterherlahmt Und unsere Natur und Umwelt ist es auch nicht. Mit der baulichen Beengtheit im Wohngebiet Ritterschlag/Ritterfleck mit einem Übermaß an Bodenversiegelungen und einer Reduzierung der Natur auf nahezu null, ist den Verantwortlichen jegliches Augenmaß verloren gegangen. Die Vorstellungen der CDU-Funktionäre Kolberg und Damm, eine Umfahrung des Altdorfes anzuschieben, mit einer Straße auf Stelzen mitten durch das Naturschutzgebiet, lassen schlimmste Befürchtungen aufkommen.

Wohngebiet Ritterschlag/Ritterfleck: Bürger betiteln das Wohnungsbauprojekt als "Negativbeispiel" für Entwicklung, Umwelt und Natur (Foto: mwBild)
Wohngebiet Ritterschlag/Ritterfleck: Bürger betiteln das Wohnungsbauprojekt als “Negativbeispiel” für Entwicklung, Umwelt und Natur (Foto: mwBild)

In der Debatte um ein Leitbild für Zeuthen warnte die NABU-Aktivistin Juliane Bauer vor den Folgen von Bodenversiegelungen und Überbauung. Sie appellierte nicht alle Grün- und Ackerflächen zuzubauen. Das Wohngebiet Ritterschlag bezeichnete sie in diesem Zusammenhang als „Negativbeispiel“. Teilen Sie diese Sicht?

Reinhard Bolduan: Ja. Der NABU ist für uns ein wichtiger Verbündeter, um Bürger auf solche umweltschädlichen Projekte aufmerksam zu machen. Wir werden künftig ganz eng zusammenarbeiten und der Öffentlichkeit ein nachhaltiges Daseinskonzept vorlegen. Das Wohngebiet Ritterschlag ist ein schwarzes Kapitel in der Geschichte von Schulzendorf. So etwas darf nicht Zukunft unserer Gemeinde sein. Das müssen wir verhindern.

Der Zuzug in den sogenannten „Speckgürtel“ hält an. Menschen wollen raus aus der Stadt, ins Grüne. Ist es nicht verständlich, dass der Ruf nach neuen Wohngebieten laut ist? Neue Bewohner spülen ja auch Steuern in die Gemeindeschatulle.

Reinhard Bolduan: Der Zuzug in den „Speckgürtel“ ist das Ergebnis von Immobilienspekulanten auf der Jagd nach maximaler Rendite. In Berlin explodieren die Mietpreise. Der Wille, raus aus der Stadt, ist ungebrochen und eine Art Vertreibung.  Und für ein Haus im Ritterschlag, in einfachster Bauweise blättern Menschen 400.000 Euro und mehr hin. Dabei ähneln die Häuser Scheunen und Bunkeranlagen, sie passen überhaupt nicht in die umliegende Bebauung. Wir müssen verhindern, dass sich so etwas wiederholt.

Bringen Sie es auf einen kurzen Nenner, wie sich Schulzendorf in den nächsten zwanzig Jahren entwickeln soll.

Reinhard Bolduan: Es muss alles dafür getan werden, dass Schulzendorf keine Spielwiese von Bodenspekulanten wird. Schulzendorf muss als grüne Gartenstadt erhalten bleiben. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Gemeinde selbst zerstört.

Diese Häuser tragen keinen Siedlungscharakter, klagen Bürger. (Foto: mwBild)(
Diese Häuser tragen keinen Siedlungscharakter, klagen Bürger. (Foto: mwBild)

13 Responses to Klartext: Schulzendorf darf keine Spielwiese von Spekulanten werden!

  1. Neu-Schulzendorfer
    17. August 2021 at 16:19

    Ich bin immer noch erschrocken, wie hier miteinander umgegangen wird.

    Ich könnte noch tausend Argumente bringen, daran appellieren, mal über den Tellerrand zu schauen und das Jahr 2021 zu begrüßen oder daran erinnern, dass wir Neu-Schulzendorfer Steuern zahlen, die der klammen Gemeinde zu Gute kommen, aber das bringt anscheinend nichts.

    Mir wird langsam klar, warum diese Gemeinde nur schwer vorwärts kommt: alle arbeiten gegeneinander anstatt miteinander.

  2. tunte
    14. August 2021 at 09:15

    @ Beobachter Ihre Blümensexansichten sind beachtlich. Wer einen Selbstbedienungsladen schön findet, sollte sich mal an seine Nase fassen. Sie selbst haben auf dieser Seite nur den Ichmodus. Und rufen wiedereinmal nach Hilfe, weil Ihre Einzelmeinung eben nicht mit den Tatsachen in der Gemeinde deckt.

  3. Beobachter
    13. August 2021 at 19:35

    Ist Frau Rühle im Urlaub? Unabhängig davon das der Ritterschlag keine architektonische Glanzleistung ist, warum darf ein User tunte andere User mit Schmähkritik überziehen?
    Oder ist das etwas keine?

    Soll hier tatsächlich ein Konflikt unter Alt- und Neuschulzendorfer unterstützt werden?
    Soll ein Journalist nicht neutral sein Hr. Wolff?

  4. Petra
    Petra
    13. August 2021 at 16:35

    Ich stimme tunte und Erdbewohner zu. Ich verstehe gar nicht, was Menschen bewegen kann, in so eine Betonsiedlung zu ziehen. Sie ist ein Schandfleck für die Gemeinde und die Herren Burmeister, Kolberg tragen dafür eine Mitverantwortung.

  5. Erdbewohner
    13. August 2021 at 16:09

    Sorry Neu-Schulzendorfer; es ist ein Schandfleck in meinen Augen. Es passt überhaupt nicht in die Landschaft.
    Aber für euch ehem. Berliner natürlich das ganz große Ding :(
    Vermutlich wurden sie von Herrn Kolberg schon um den Finger gewickelt…
    Nun ja

  6. tunte
    13. August 2021 at 15:26

    @ Neu-Schulzendorfer Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Auffassung, die kein alter Schulzendorfer teilt. Allein bei Starkregen werden Sie noch absaufen und die Belustigung von oben kommt wohl auch noch. Aber dass haben Sie ja so gewollt, die vergeizten Neu – Schulzendorfer .

    Ritterschlag ist eine Kulturschande für eine alte Gemeinde- aber Ihre Schmerzgrenze liegt eben wo anders. Außerdem scheinen Sie was was zu verwechseln- Frau Merkels Worte zu Fremden waren anders gemeint. Sie verbrauchen unsere Infrastruktur und merkern auch noch ! Ein Radweg zur Schule zum Beispiel und in anderen Ecken im Ort ist nicht mal Geld für Schlaglöcher und Straßenbeleuchtung da . Selbst die Straßen im Ritterschlag sind eine Zumutung – und die soll dann wieder die Gemeinde – sprich wir – ausbessrern und bezahlen.

    Die ganzen Pumpschlauschulzendorfer sind nach kurzer Zeit wieder weg, in Ragow war es nicht anders. Eine Geisersiedlung auf Abruf werden wir erleben.

  7. Neu-Schulzendorfer
    13. August 2021 at 14:35

    Ich bin echt überrascht und erschrocken,wie hier mit neuen Bewohnern Schulzendorf’s umgegangen wird. Wir sind keine Bodenspekulanten, sondern haben nur ein neues Zuhause für unsere Familien gesucht und im Ritterschlag gefunden.

    Der Ritterschlag ist kein Schandfleck, sondern es gibt z.b. viele Naturschutzauflagen aus dem Bebauungsplan und die gesetzlichen Auflagen zur Bodenversieglung werden auch erfüllt. Und wenn der Ritterschlag tatsächlich an einigen Stellen wie ein “Schandfleck” aussieht, dann nur,weil die Gemeinde Ihre eigenen Flächen nicht pflegt, aber das hat nichts mit den Bewohnern zu tun.

    Naturschutz ist wichtig,ganz klar. Aber man sollte nicht seine Augen vor anderen Problemen wie Wohnungsnot und fehlenden Schulen / Toiletten für Kinder verschliessen – hier kann auch mal gerne protestiert werden….

    Zum Schluß noch eine Bemerkung zu den schlimmen Bodenspekulanten….Es ist einfach, die Schuld auf sie zu schieben, aber die Ursachen für Wohnungsnot sind vielschichtiger und fangen schon bei unprofessionellen Verwaltungen an.

  8. Uwe Rappe
    4. August 2021 at 10:29

    @ Realist Sie sind kein Realist. Eine Qualifizierung heißt noch lange nicht Landraub. Wachstum, als gäbe es kein Morgen – geht auch nicht.

    Selbst die Feststellung, dass Frau sich das Haus nicht mehr leisten kann, ist eine westlichen – förderungs – Wegwerfvorstellung, die die wiederkommene Familientradition gar nicht leisten kann. Deshalb ist es eine Fehlentwicklung, die nicht an allen Orten wiederkehren kann.

  9. Realist
    3. August 2021 at 23:40

    In Wirklichkeit müssen wir uns dem sozialen Problem des Wohnraums nunmal stellen. Gar nicht bauen ist keine Option, sonst sind 400.000€ noch günstig gewesen.
    Eine gesunde Mischung aus Grün, Wohnungen/Häusern und Infrastruktur ist die Zukunft. Das heißt auch in Konsequenz schwindende Brachflächen, dafür strengerer Umweltschutz bestehender Naherholungsgebiete.

  10. torfin
    3. August 2021 at 23:34

    Ein Dankeschön an Herr Bolduan. Leider reicht nur nicht eine laute Stimme, um etwas Vernunft in diese Gemeinde zu bekommen.

  11. Elke
    3. August 2021 at 20:20

    Politiker interessiert es einen S…. was die Bevölkerung möchte oder wirklich benötigt!!! Es ist im großen wie im kleinen!!!! Wo der Mamon gewittert wird krichen sie zu kreutze!!!!

  12. Erdbewohner
    3. August 2021 at 18:28

    Richtig Hr. Bolduan!! Die Siedlung Ritterschlag ist kein ‘Negativbeispiel’ sondern ein “Schandfleck” :(
    Davon darf es nicht mehrere geben! Nutzt das alte Gemeindeamt, wenn es schon sinnlos herumvegetiert!!!

  13. Dongikong
    3. August 2021 at 18:12

    Da kann ich Herrn Bolduan 100prozentig zustimmen. Wir dürfen nicht zulassen, daß uns die Lotusblüte Mücke und Co unser Schulzendorf kaputt macht. Meine Befürchtung ist nur, daß die Kollegen genau das tun wollen. Die Meinung der Bürger interessiert den BM doch ein Sche….
    Er arbeitet doch generell gegen Bürgerinteressen. Gibt Mengen von Geld für totalen Müll aus und will es sich auf jede Art vom Bürger wieder holen. Es ist so peinlich. Hoffentlich unterstützen viele Bürger den Herrn Bolduan und lassen diese sinnlosen Bauwahn nicht zu.
    Ich bin dabei.

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