Schulzendorf/Waltersdorf. Darauf haben viele Eltern lange gewartet: Endlich kommt die Wahrheit ans Licht! In den Sommerferien wird am Standort der künftigen Grundschule an der Miersdorfer Straße, dem „Leuchtturmprojekt“ in Schulzendorf und an der Interims-Containerschule in Waltersdorf eine Messstation aufgestellt. Sie soll aufspüren, was bislang unsichtbar blieb: Ultrafeine Partikel (UFP), die beim Verbrennen von Kerosin in Flugzeugtriebwerken entstehen.

Dr. Miriam Wiese-Posselt folgte der Einladung von Bürgermeister Witteck und klärte über UFP auf (Foto:mwBild)
Die Nachricht verkündeten Bürgermeister Markus Witteck (CDU) und die Berliner Charité-Wissenschaftlerin Dr. Miriam Wiese-Posselt gestern Abend am Rande einer Informationsveranstaltung. Das Messgerät wird abwechselnd an beiden Schulstandorten eingesetzt.
Ultrafeine Partikel sind winzig, tausendfach kleiner als ein Sandkorn. Gerade das macht sie so gefährlich. Sie können tief in die Lunge eindringen und sogar über die Blutbahn den gesamten Körper erreichen.
Brisant: Sowohl die geplante Grundschule in Schulzendorf als auch die Container-Schule in Waltersdorf liegen, je nach Windrichtung, direkt in der Abgasfahne von Flugzeugen des BER.
Charité-Studie schlägt Alarm
Dr. Miriam Wiese-Posselt leitet die Berlin Brandenburg Air Study (BEAR), in der untersucht wird, welche Folgen Luftschadstoffe für Kinder haben.
Die Wissenschaftlerin machte deutlich: Im Umfeld des BER sind erhöhte Konzentrationen ultrafeiner Partikel nachweisbar. Zwar nimmt der Anteil mit wachsender Entfernung vom Flughafen ab, doch selbst in Schulzendorf, Eichwalde, Bohnsdorf und Altglienicke stammen zwischen 15 und 30 Prozent der ultrafeinen Partikel aus dem Flugverkehr.
Rund 1.000 Kinder wurden für die Studie medizinisch untersucht, auch Schüler aus Schulzendorf. Die ersten Ergebnisse lassen aufhorchen: Es gibt deutliche Hinweise darauf, dass ultrafeine Partikel die Lungenfunktion von Kindern beeinträchtigen können.
Zahlen mit Fragezeichen
Für Stirnrunzeln sorgt eine Statistik, die die Belastung an den künftigen Schulstandorten darstellen soll. Danach lag der Jahresmittelwert 2023 in Waltersdorf bei 4.622 UFP-Partikeln pro Kubikzentimeter, in Schulzendorf bei 2.752.
Das Problem: Diese Werte wurden gar nicht gemessen. Sie stammen aus einer Modellrechnung. Computer berechnen dabei anhand verschiedener Daten, wie hoch die Belastung sein könnte. Solche Modelle gelten zwar als wichtiges wissenschaftliches Werkzeug, sie ersetzen jedoch keine Messungen vor Ort.
Denn ultrafeine Partikel schwanken zum Teil massiv. Je nach Windrichtung und Flugverkehr können die Werte innerhalb kurzer Zeit stark ansteigen. Ein Jahresmittelwert verschleiert solche Belastungsspitzen. Wochen mit extrem hohen Konzentrationen gehen gemeinsam mit Monaten niedriger Belastung in eine einzige Durchschnittszahl ein. Was auf dem Papier harmlos aussieht, kann in der Realität ganz anders sein.
Jetzt zählt nur noch die Wirklichkeit
Genau deshalb richten sich jetzt alle Augen auf die Messstation. Sie soll erstmals zeigen, wie hoch die Belastung an den beiden Schulstandorten tatsächlich ist und nicht nur, wie sie nach einem Computermodell sein könnte.
Die Messungen in den Sommerferien könnten deshalb zum Wendepunkt in der öffentlichen Debatte um die Luftqualität rund um den BER werden.
Messen ist gut. Aber wer „endlich die Wahrheit ans Licht” bringt und dann Modellwerte präsentiert, verwechselt Hoffnung mit Befund.
Die Jahresmittelwerte für Waltersdorf (4.622 UFP/cm³) und Schulzendorf (2.752 UFP/cm³) stammen nicht aus Messungen — sie sind Modellrechnungen. Tiefflieger fragt zu Recht: Wie kann der Jahresmittelwert bei 4.622 liegen, wenn Tagesmittelwerte in Schönefeld 40.000 erreichen? Die Antwort ist Statistik: Jahresmittelwerte werden über alle 8.760 Stunden gebildet — nachts, an Wochenenden, bei Westwind. Aber die Frage zeigt, was passiert, wenn Modellwerte ohne Erklärung in die Öffentlichkeit gegeben werden: Sie erzeugen Misstrauen, auch dort, wo die Wissenschaft solide ist.
Eine mobile Station, die abwechselnd zwischen zwei Standorten wechselt und in den Sommerferien misst, liefert keine repräsentativen Vergleichswerte. Mit welcher Ernsthaftigkeit wurden eigentlich Lärm und Verkehrsbelastung am Interimsstandort untersucht? Lärmbelastung durch Abflugschneisen ist besser dokumentiert als UFP-Wirkungen — wird aber nicht annähernd mit gleicher Dringlichkeit verhandelt.
Der Kreistag hat am 1. Juli einstimmig entschieden. Eine Studie, die „noch läuft”, ist kommunikativ wertvoller als eine abgeschlossene: Sie hält den Schwebezustand am Leben und erlaubt es, einen gefällten Beschluss als voreilig darzustellen.
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Sabrina Rühle
Redaktion
Haselow: Auf welche Quellen würden Sie denn vertrauen?
Wer soll denn diese Statistik glauben? Ich jedenfalls nicht. Der maximale Tagesmittelwert im gesamten Jahr 2025 betrug in Schönefeld rd. 40.000. Wie soll es möglich sein, dass der Jahresmittelwert der Computerrechnung in WD 4.000 und in Schultendor 2.000 beträgt?
Gibt es Informationen dazu, mit welchem Gerät gemessen wird?
Wie oft findet der Wechsel zwischen den Standorten statt?
Wird nur im Zeitraum der Sommerferien gemessen? Dann würde die Belastung durch Elterntaxis nicht erfasst.
Wird auch die Windrichtung berücksichtigt?
Was bei der Corona-Inszenierung das Testen war, ist hier jetzt das Messen – Die Berliner Charité taugt zumindestens seitdem nicht mehr als vertrauensstiftende Referenz – Ich bin überzeugt, es wird wieder hohe Werte geben – Die Zahlen steigen wieder …
Sehr gute Maßnahme. Nach der Messung hat man Fakten.