Im Kreuzverhör: FRANK KERBER über Wildau, die Bauwert AG und das Nordufer (Teil 1)

5. Juli 2022
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Wildau. Thema Nummer eins  in Wildau ist derzeit die Entwicklung des Dahme Nordufers. Bis Frank Kerber einem Komplott zum Opfer fiel, hat der gelernte Bankkaufmann und Betriebswirt die städtische Wildauer Wohnungsbaugesellschaft (WiWO) zu einem weit über die Stadtgrenzen hinaus angesehenen Unternehmen entwickelt. Kerber hat seine Handschrift bei etlichen Bauprojekten in Wildau hinterlassen.  Kein anderer kennt die Geschichte des Vorhaben aus dem Effeff, wie er. Heute ist Kerber Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Ludwigsfelde mbH „Märkische Heimat“.

Der Schulzendorfer sprach mit ihm:

Wann wurde die Idee geboren, das Areal am Nordufer der Dahme zu entwickeln?

Frank Kerber: Bereits die Bürgermeister Gerd Richter und Uwe Malich haben sich immer wieder stark engagiert, das Nordufer bewohnbar und für die Öffentlichkeit erlebbar zu machen. Es war damals ein großes Glück, dass es uns nach mehrjährigen Verhandlungen gelungen war, das mittlere Stück mit rund 30.000 Quadratmetern von der Bundesgesellschaft GESA, der Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten, für 5 Euro pro Quadratmeter zu erwerben. Damit konnten etwa 50 Prozent der Wasserfront des Nordufers für die Stadt gesichert werden.

Bereits 2002 wurde das Kraftverkehrsgelände durch die WiWO für etwas über 50.000 € erworben. Später haben die Stadtverordneten und die Stadt Wildau auch das städtische Grundstück mit rund 40.000 m² bei der WiWO unentgeltlich eingebracht. Dieses Teilstück hatte keinen Wasserzugang. Allein diese Tatsachen zeigen, dass den Grundstücken selbst kein wirklicher innerer Wert beigemessen worden war.

Frank Kerber - Keiner kennt sich im städtischen Wohnungsbau besser aus, als er. (Foto: mwBild)

Frank Kerber – Keiner kennt sich im städtischen Wohnungsbau besser aus, als er. (Foto: mwBild)

Die WiWO ist im Norduferprojekt mit der Bauwert AG involviert. Warum hat sie das Vorhaben nicht allein in Angriff genommen?

Frank Kerber: Die WiWO wollte anfänglich tatsächlich das Nordufer selbst entwickeln bzw. damit starten. Dabei hat es sich aber früh gezeigt, dass die WiWO aufgrund der Größe des Areals und der Altlastensituation fachlich, personell und finanziell vollkommen überfordert gewesen wäre. Die WiWO ist eine kleine Wohnungsgesellschaft. Eine Entwicklung eines solchen Grundstückes kann sehr schnell zum Ruin führen. Man braucht einen langen Atem, wie man sieht. Die aktuelle politische und weltwirtschaftliche Lage zeigt, welche unerwarteten Verwerfungen im Zeitverlauf entstehen können. Die immensen Vorlaufkosten können nicht mit kommunalen Schulden finanziert werden, ohne negative Auswirkungen für das Kerngeschäft in Kauf zu nehmen.

In der Öffentlichkeit herrscht die Meinung, dass unter Investoren oftmals Spekulanten sind. Sind solche Ansichten von der Hand zu weisen?

Frank Kerber: Die Gefahr, an Investoren zu gelangen, die überwiegend ihr eigenes Interesse im Auge haben, ist sehr groß. Genau das war der Grund, warum die WiWO sich über viele Jahre bemüht hat, das gesamte Nordufer in kommunales Eigentum zu überführen. Häufig neigen Kaufinteressenten dazu, sich Grundstücke billig zu sichern und mit einer Baurechtsoption schnell weiter zu veräußern. So verhielt es sich beispielsweise mit dem Grundstück in der Friedrich-Engels-Straße 57. Auf dem Gesamtareal sollten damals ca. 185 Wohnungen entstehen. Das hat Ende 2019/Anfang 2020 die heutigen Kritiker von weiterem Wohnungsbau offenbar nicht gestört. Damals konnte es nicht schnell genug gehen, obwohl die Pläne für das Nordufer zu diesem Zeitpunkt schon mehrere Jahre vorangetrieben worden waren.

Der Chef der Bauwert AG, Dr. Jürgen Leibfried, beantwortet Wildauern Fragen zur Bebauung. (Foto: mwBild)

Der Chef der Bauwert AG, Dr. Jürgen Leibfried,steht Wildauern Rede und Antwort. (Foto: mwBild)

Auf die Bauwert AG trifft das nicht zu?

Frank Kerber: Die Bauwert AG hat sich in Wildau und in den Berliner Stadtbezirken einen sehr guten Ruf erarbeitet. Sie hat nachgewiesen, dass sie kein Spekulant und Grundstückshändler ist, sondern auch schwierige innerstädtische Grundstücke in eigener Regie qualitativ hochwertig und in enger Partnerschaft mit kommunalen Wohnungsunternehmen, Städten und Stadtbezirken entwickelt.  Dass die Stimmung Anfang 2020 kippte, hat meiner Meinung nach andere Ursachen.

Wie ist Wildau auf die Aktiengesellschaft gestoßen?

Frank Kerber: Die Bauwert AG hatte damals das Grundstück am Rosenanger erworben, nachdem auch dieses weit über zehn Jahre von Investoren verschmäht und in Wildau zunehmend zu einem Ärgernis wurde, obwohl es dauerhaft von einer westdeutschen Bank zum Verkauf angeboten worden war.

Als sich für den Rosenanger eine positive Entwicklung abzeichnete, haben wir den Kontakt zu Dr. Leibfried gesucht. Damals standen Investoren nicht Schlange. Im Gegenteil. Wir haben uns zusammen mit dem Aufsichtsrat und dem Gesellschafter sehr um Bauwert bemüht. Dr. Leibfried hatte sein Interesse am Dahme Nordufer bekundet, wollte aber zuvor die Risiken aus der Altlastensanierung und die Möglichkeiten einer Bebauung prüfen, verständlich.

Dann wurde eine Option auf einen Kaufvertrag geschlossen, was war der Hintergrund?

Frank Kerber: Es war die Bauwert AG selbst, die auf den Abschluss eines Kaufvertrages damals verzichtet hat und stattdessen zunächst einen Optionsvertrag abschließen wollte. Zunächst sollte das Baurecht auf den Weg gebracht und die Altlasten minutiös untersucht werden. Stadt und WiWO haben sich damals im Vertrag verpflichtet, diesen Prozess aktiv zu unterstützen. So war es auch von 2015 bis Anfang 2020.

In 2019 hat die Bauwert AG dann gegenüber der WiWO schriftlich mitgeteilt, dass sie die Option in Anspruch nimmt. Zuvor war der Bebauungsplan bereits aufgestellt worden, so dass alle Zeichen auf „Grün“ standen.

Viele kamen zur Eröffnung der Bürger Info-Box zum Dahme Ufer Projekt. Nur einer war nicht gesehen: WiWO-Chef SCHULZE. (Foto: mwBild)

Viele Prominente kamen letzten Samstag zur Eröffnung der Bürger Info-Box zum Dahme Ufer Projekt. Nur einen hat Der Schulzendorfer nicht gesehen: WiWO-Chef SCHULZE. (Foto: mwBild)

Später geriet das Projekt im Stadtrat ins Stocken, nicht gerade nützlich für das Vorhaben, oder?

Frank Kerber: Zunächst gibt es bestehende Verträge. Ich bin zwar kein Jurist. Es ist aber zweifelsfrei und nachweislich klar, was beide Seiten seit 2015 tatsächlich wollten und was in vielen Abstimmungen und Sitzungen Konsens war. Durch die Eskapaden in den letzten zwei Jahren ist aus meiner Sicht ein immenser Vertrauensschaden für die Stadt Wildau und die WiWO entstanden. Die Bürgerschaft ist tief gespalten. Enorme Ressourcen auf beiden Seiten werden verschwendet, die besser ins Projekt und in die Infrastruktur gesteckt worden wären. Ich finde es sehr gut, dass Dr. Leibfried sich bis heute trotzdem um eine einvernehmliche Lösung bemüht. Dennoch kommt mir die aktuelle Situation sehr bizarr vor.

Im August wird ein neuer Bürgermeister gewählt. Welchen Rat geben sie ihm in Sachen Dahme Ufer auf den Weg?

Frank Kerber: Ein neuer Bürgermeister sollte die bisherige Projektarbeit und die vertragliche Situation objektiv aufarbeiten und sich ein ehrliches Bild machen. Seit mehreren Jahren werden die Dinge im Stadtrat und in der Öffentlichkeit falsch und sinnentstellt dargestellt. Wichtige Informationen und Absprachen werden bewusst der Öffentlichkeit vorenthalten, um ein möglichst negatives Gesamtbild zu erzeugen.

Auch hier galt die von der bisherigen Bürgermeisterin und ihren Unterstützern betriebene „Geheimhaltungspolitik“, bis die Bauwert AG die Dokumente öffentlich gestellt hat. So kam endlich etwas Licht ins Dunkel.

Im Teil 2 lesen Sie, was Kerber zu den Altlasten und den Sorgen der Wildauer sagt.

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