EXCLUSIV – Gespräch: Bürgermeister Ennullat im Interview (Teil 1)

16. Juni 2020
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Seit Monaten tobt in Königs Wusterhausen ein heftiger Streit im Stadtparlament. Auslöser war die Aufnahme eines Kostenzuschusses für den Bau eines Kunstrasenplatzes in den Haushalt, der von der SPD beantragt wurde. Das Projekt wird maßgeblich vom Landschaftsarchitekt Wolf Ahner bestimmt, dem enge Verflechtungen zur SPD nachgesagt werden. Inzwischen werfen die Sozialdemokraten Bürgermeister Swen Ennullat Amtsmissbrauch, die Märkische Allgemeine Zeitung in einem Kommentar Nähe zur AfD vor. CDU – Mann Christian Möbus, der als Anwalt in der Kanzlei seiner Lebenspartnerin und Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Laura Lazarus (CDU) tätig ist, stellt gar die Eignung Ennullats als Stadtoberhaupt in Frage.

Der Schulzendorfer wollte wissen, wie Swen Ennullat mit der schwierigen Situation umgeht, welche Auswege er sieht und fragte ihn.

Swen Ennulat, Bürgermeister von Königs Wusterhausen (Foto: mwBild)

Swen Ennulat, Bürgermeister von Königs Wusterhausen (Foto: mwBild)

Derzeit bläst Ihnen ein eisiger Wind aus Lübben und dem Stadtparlament ins Gesicht. Wie gut fühlt man sich dabei?

Swen Ennullat: Nach meiner Wahl wurde mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, dass ich nicht viel Entgegenkommen zu erwarten habe. Der in der Stichwahl unterlegene Kandidat Georg Hanke und mittlerweile Vorsitzende des Kreistages wies darauf hin, dass ich sowieso keine Mehrheit in der SVV hätte und landkreisseitig fiel beispielsweise das Zitat: “Die nächsten acht Jahre wird der Landkreis die schützende Hand von Königs Wusterhausen nehmen.” Mich kann also nicht mehr viel überraschen. Meine Verwaltung und ich stellen immer die sachbezogene Kommunikation und Arbeit in den Vordergrund. Auf Provokationen gehen wir grundsätzlich nicht ein. Allerdings lasse ich meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht durch den Landrat in die Nähe von Reichsbürger rücken, weil ihm der Inhalt eines amtlichen Schreibens nicht gefällt. Hier wurde von Herrn Loge eine Grenze überschritten. Erstaunlich ist, dass seine öffentliche verbale Entgleisung aber die Mitglieder des Kreistages überhaupt nicht interessiert.

Die CDU fragte unlängst öffentlich, ob Swen Ennullat noch der richtige Bürgermeister ist. Sitzen Sie nach wie vor auf dem richtigen Stuhl?

Swen Ennullat: Die CDU hätte gern mit dem ehemaligen Beigeordneten Jörn Perlick selbst den Bürgermeister gestellt und hat, als dies misslang, in der Stichwahl für Georg Hanke Werbung gemacht. Ich erinnere mich noch sehr gut an ein Foto vor dem Rathaus mit den Fraktionschefs von SPD; LINKE und CDU, dem Beigeordneten Herrn Perlick sowie den Altbürgermeistern Herrn Franzke und Herrn Ludwig. Sie stehen um Georg Hanke und recken ihre Daumen nach oben. Das war ein deutliches Statement über den Termin der Wahl hinaus, aber auch die beste Werbung für mich als unabhängigen Kandidaten. Und ja, ich mag meinen Stuhl und die Unabhängigkeit, die ich mir bewahrt habe. Gerade in Verantwortung für das mir übertragene Amt.

Ennulat ist ein Querdenker und deshalb bei Bürgern beliebt. (Foto: mwBild)

Der Streit mit dem Stadtparlament ist ausgeufert. Im Wochentakt gab und gibt es Auseinandersetzungen zu immer wieder neuen Themen. Gab es Momente, in denen Sie ans Aufhören dachten?

Swen Ennullat: Es gibt zu einigen Themen erhebliche Dispute innerhalb der Stadtverordnetenversammlung. Das ist richtig. Aber wir haben auch eine sehr heterogene SVV. Seit der Kommunalwahl des letzten Jahres besteht das Gremium aus 37 Mitgliedern, organisiert in acht verschiedenen Fraktionen sowie zwei Stadtverordneten, die ihre Fraktionen mittlerweile verlassen haben, und mir als Bürgermeister. Und nein, ich denke nicht ans Aufhören. Ich mache meinen Job sehr gerne. Er besteht ja nicht nur aus den Scharmützeln mit einigen Stadtverordneten. Es sind eigentlich auch immer die gleichen Protagonisten, die sich bspw. in den sozialen Medien unfreundlich zu Wort melden.

Ich leite in erster Linie die Verwaltung unserer Stadt, bin Arbeitgeber für knapp 450 Menschen, repräsentiere Königs Wusterhausen auf verschiedenen politischen Ebenen und stehe z.B. als Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft und der Hafengesellschaft Lutra in Verantwortung. Vor zwei Wochen wurde ich zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Tourismusverbandes gewählt und ab nächster Woche vertrete ich die kommunale Ebene im Beirat des Jobcenters. Um nur einige Beispiele zu nennen. Jede Tätigkeit ist interessant und ich lerne jeden Tag etwas Neues dazu. Warum sollte ich wegen ein paar Querelen also den Job nicht mehr machen wollen?

Woher nehmen Sie Kraft und Motivation sich ständig mit Gegensätzlichkeiten und Anfeindungen herumzuschlagen?

Swen Ennullat: Ach, wissen Sie, niemand hat gesagt, dass das Leben einfach ist. Jeder Job hat seine Herausforderungen. Ich habe schon einiges erlebt und mir ein dickeres Fell zulegen müssen. Natürlich ist es nicht einfach, Beleidigungen oder Verleumdungen über mich zu hören oder zu lesen. Letzteres betone ich, weil es mich schon überrascht, wie leichtfertig Printmedien der Region arbeiten oder was alles an Seemannsgarn abgedruckt wird. Kritische Berichterstattung ist in Ordnung. Aber etwas mehr Sorgfalt bei der Recherche würde einigen guttun. Aber mit diesen Umständen kann ich umgehen. Mit dem Verbreiten von Unwahrheiten machen sich nur die Herausgeber oder Autoren klein, nicht ich. Königs Wusterhausen ist für meine Familie und mich einer der schönsten Orte, die wir kennen. Wir wollen nirgends anders leben. Für mich war und ist es eine große Ehre, hier Bürgermeister zu sein und unsere Stadt öffentlich zu vertreten und mitwirken zu dürfen, sie zu gestalten.

Die Kritik von Stadtverordneten an Ihnen ist im Kern auch eine an den Rathausmitarbeitern. Was macht Sie so sicher, dass Sie und die Verwaltung in ihren Positionen richtig liegen?

Swen Ennullat: Ich habe nie behauptet, dass wir unfehlbar sind. Ich habe aber das Glück, auf sehr kompetente und erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen zu können. Keiner oder keine von ihnen ist ein Greenhorn, also neu im Job. Mit 44 Jahren bin ich sogar noch immer der Jüngste im Team der Rathausspitze. Aber selbst ich hatte in den letzten 25 Jahren die Möglichkeit, entsprechende Studienabschlüsse und Berufserfahrungen im Bereich der öffentlichen Verwaltung dreier Bundesländer zu erlangen. Das hilft mir jetzt.

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Was bedeuten für Sie und ihre Rathausmitarbeiter in dieser verfahrenen Situation redlich denken und handeln?

Swen Ennullat: Wir orientieren uns am Grundsatz der Gesetzmäßigkeit der Verwaltung, den uns der Artikel 20 III unseres Grundgesetzes vorgibt. Wir dürfen nicht gegen Gesetze verstoßen und handeln nur auf Grundlage eines Gesetzes. Gerade bei der Verwaltung von Steuermitteln. Eine andere Richtschnur benötigen wir nicht. Außerdem bin ich Beamter und habe einen Diensteid abgelegt. Zum Wohl der gesamten Stadt. Ich bin nicht zur Durchsetzung von Einzelinteressen und Klientelpolitik da.

Was muss nach Ansicht von Kapitän Swen Ennullat geschehen, damit der Ozeanliner “Königs Wusterhausen” wieder in ruhiges Fahrwasser kommt?

Swen Ennullat: Ich bin überzeugt, dass die meteorologischen und nautischen Bedingungen für Königs Wusterhausen – navigierend zwischen BER und TESLA – aktuell sehr gut stehen. Jetzt darf nur nicht die Ladung verrutschen und den Passagieren wird etwas Disziplin abverlangt. Und die Passagiere müssen mit der Crew an einem Strang ziehen. Dabei sollten Hinweise der Crew berücksichtigt werden.

Werden Kapitän und Crew dazu Kurskorrekturen vornehmen und wenn ja, welche?

Swen Ennullat: Der Kurs ist vorgegeben und steht nicht zur Disposition. Aufgabe der Crew ist es eher, an die an Bord geltenden Rahmenbedingungen gegebenenfalls zu erinnern. Dieser Aufgabe kommen wir weiterhin nach; nicht nur, wenn die Passagiere in regelmäßigen Abständen – beispielsweise bei Kommunalwahlen – wechseln.

Lesen Sie am Donnerstag Teil 2 des Interviews.

8 Responses to EXCLUSIV – Gespräch: Bürgermeister Ennullat im Interview (Teil 1)

  1. 18. Juni 2020 at 16:02

    [Stadt Königs Wusterhausen:
    Stadtverordnetenversammlung – Beschlussvorlage Nr. 10-17-031]

    “Der Bürgermeister [Herr Dr. Lutz Franzke]
    wird beauftragt, zu veranlassen, dass 900 TEuro im HHP 2017
    für die Errichtung eines Kunstrasenplatzes
    auf dem Gelände des FSV Eintracht 1910 Königs Wusterhausen in Zeesen bereitzustellen sind.”

    [Anlage des Entwurfes – KostenSCHÄTZUNG zum Vorentwurf – Ahner/Brehm]



    Architekten- und Ingenieurleistungen 105.000,00 EUR
    Gesamtkosten 860.673, 45 EUR

    [Aenderungsantrag_SPD_vom_19_11_2019_Anlage_3_Kosten_Grossspielfeld.pdf]


    Architekten- und Ingenieurleistungen 125.461,22 EUR
    Gesamtkosten 1.180.491,42 EUR

    [MAZ vom 20.05.2019]


    Kämmerer Axel Böhm … hält den … Kunstrasen-Beschluss
    … für rechtswidrig.

    In einer vorherigen Version des Textes hieß es,
    der Kämmerer habe 900.000 Euro für den Sportplatz aus dem Haushalt gestrichen.

    DIES IST NICHT RICHTIG und wurde aus dem Text entfernt.

  2. Notte
    17. Juni 2020 at 11:22

    Lieber User Notte, Ihren Beitrag haben wir nicht veröffentlicht. Grund: Er verstößt gegen unsere Nutzungsbestimmungen. Wir hoffen auf Ihr Verständnis.
    Sabrina Rühle
    Redaktion

  3. Dr.Dieter Füting
    17. Juni 2020 at 10:28

    Lieber “Altanschließer”,

    wo ist der Unterschied zwischen SPD und CDU? Das ist eine geschossene Gesellschaft in KW und anderswo, der sich die Linke und WirfürKW andienen und anschließen.
    Landrat Loge sucht jeden Kompromiss, der seine Stellung sichert. Dadurch wird er zum wichtigsten Hindernis in einer offenen Politik im Landkreis. Das war schon immer so. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern und an Bemerkungen zu Loge, als er sich mit jedermann kompromissbereit zeigte, der seine Wahl als Landrat unterstützen würde. Es ist sehr schade, dass wir keine wirkliche Persönlichkeit als Landrat ausgesucht haben. Wir haben es zugelassen, dass Absprachen in den Parteien unser Schicksal so negativ beeinflusst haben. Jetzt haben wir das politische Nachsehen.

  4. Dr.Dieter Füting
    17. Juni 2020 at 10:03

    Lieber Lutz Haber,

    Sie haben Recht, ich will es nicht wirklich wahrhaben, dass die demokratischen Verhältnisse sehr, sehr kritikwürdig sind und aus dem Ruder laufen. Ich habe immer noch Hoffnung. Und ich hoffe auch auf Menschen wie Sie, die sich mit Verstand, Witz und Offenheit gegen die sich im Besitz der Wahrheit befindlichen “Parteistrategen” und neuen Kleinbürger wenden. Übrigens, eine wichtige Erfahrung der Wendezeit ist nach wie vor: Kleinbürger kennen keine Gnade. Und wir sollten auch nicht auf Gnade hoffen wollen. Wir wollen auch nicht Recht haben, wie sie immer sagen. Nein, wir wollen Recht behalten! Dafür setzen wir uns mit demokratischen Methoden ein.
    Danke, Lutz Haber.

  5. Lutz Haber
    17. Juni 2020 at 09:27

    @ Dr. Dieter Füting haben sie es immer noch nicht verstanden, dass wir in einer Parteidiktatur leben und die Bürger sich einen Dreck um die
    Sorgen der anderen Menschen kümmern ! Unter dem Zauberwort Mehrheiten wird jeder Ansatz von Vernunft für die Gemeinschaft untergraben.

  6. Altanschließer
    17. Juni 2020 at 08:44

    Danke Swen Ennullat für die super Worte. Es ist unglaublich, was sich einige “Politiker” in der Stadt erlauben. @Dr. Füting: Schlimmer als den SPD Landrat finde ich das Verhalten der CDU in KW. Und die Kreis CDU guckt weg. Wirklich eine tolle Partei :-( :-( :-(

  7. Dr. Dieter Füting
    17. Juni 2020 at 07:08

    Wessen Rathaus ist das Rathaus,
    wessen Stadt ist die Stadt?
    Entscheidend für die politischen Probleme in unserer Stadt sind der
    fehlende konstruktive Meinungsaustausch und der Wille zur Lösung der
    Probleme.
    Das Hindernis hierfür und gleichzeitig das Hindernis für eine
    selbstbestimmte Entwicklung unserer Stadt ist in vielen Dingen der
    Landrat Loge selbst.
    Dem Landrat Loge fehlt, wie auch einigen Stadtverordneten, ein tiefes
    Verständnis für gerechtes, demokratisches und loyales Empfinden
    gegenüber dem Bürger.
    Die „Bewegung gegen Ennullat“ zeigt, wie eine Stadtgemeinschaft in
    kürzester Zeit kulturell, politisch und moralisch böse gespalten werden
    kann.
    Das alles hat nichts mehr mit der politischen Neigung oder politischen
    Überzeugung bzw. Nähe zu der einen oder anderen Partei zu tun.
    Es sind vielmehr die menschlichen, die charakterlichen und
    intellektuellen Schwächen einiger Stadtverordneter, die ganz
    offensichtlich zu Unrecht gewählt wurden.
    Rechthaberei, Desinteresse des gesamten politischen Bürgerwillens und
    die feste Überzeugung, dass man sich über Grundsätzliches mit dem
    ungeliebten Bürgermeister nicht einigen darf, sind die mehr oder weniger
    versteckt wirkenden Kaspar – Hauser – Effekte.
    Das bedeutet: Dem sich Widersetzenden helfen nur dogmatische Zwänge
    auf dem Weg zu einer Selbstfindung. Für Kaspar Hauser war es am Ende
    die Einsamkeit.
    Oder – wir erinnern uns – wie es der Geschäftsführer im MAZ –
    Regionalverlag, Ekkehard Freytag, ausdrückte:
    Durch das Vorzeigen der Instrumente.
    Unglaublich! Was für eine misslungene Wortwahl!
    Herr Freytag meint damit, dass von der Inquisition das Zeigen oder auch
    Anlegen der Folterinstrumente als Vorstufe der peinlichen Befragung
    benutzt wurde.
    Sollte man vielleicht wenigstens den spanischen Stiefel wieder
    einführen? Ist ja nur ein Vorschlag von mir, Herr Freytag. Sie wissen ja:
    Ohne Phantasie keine Güte, keine Weisheit, sagt Marie von Ebner –
    Eschenbach.
    So wie der Landrat Loge und der MAZ – Geschäftsführer Freytag
    möchten wir unsere Stadt aber nicht sehen und nicht haben.
    „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen
    unsichtbar.“, sagt Antoine de Saint Exepury.
    Wessen Stadt ist die Stadt Herr Loge?
    Wessen Stadt ist die Stadt Herr Freytag?
    Es ist unsere Stadt. Wir sind die Stadtgemeinschaft. Wir lösen unsere
    Probleme allein.
    Es bleibt das Fazit:
    Ohne ein tiefes Grundverständnis für Gerechtigkeit, keine Demokratie!
    Ohne Redlichkeit im Denken und im Handeln, kein Verständnis für sich
    selbst und für andere!
    Der Landrat Loge ( SPD ) soll in Lübben bleiben!
    Stadtverordnete, die nicht das Gemeinwohl im Auge haben und deshalb
    nicht geeignet sind, braucht unsere Stadtgemeinschaft nicht!

  8. Jörg
    17. Juni 2020 at 06:30

    https://www.youtube.com/watch?time_continue=7&v=lIiUR2gV0xk&feature=emb_title

    Als Bürgermeister hat man auch seine Mitarbeiter zu kontrollieren. Meine Erfahrung ist jedenfalls eine andere, ob die Mitarbeiter so bürgerfreundlich sind, wie eine Bürgermeister das will,

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