EXKLUSIV – Interview mit Bürgermeister Markus Witteck!

26. Mai 2026
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Schulzendorf. Vor 100 Tagen trat Markus Witteck (CDU) das Amt des Bürgermeisters an. Nach einer Faustregel des Journalismus wird einem neuen politischen Amtsinhaber zugestanden, sich in dieser Zeit einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. Dieses „Stillhalteabkommen“ zwischen Presse und Politik geht zurück auf den amerikanischen Präsidenten Roosevelt. Der Schulzendorfer sprach mit ihm:

Mit drei Worten: Wie waren Ihre ersten 100 Tage?

Markus Witteck: Interessant, arbeitsintensiv, herausfordernd.

Was möchten Sie den Schulzendorfern nach 100 Tagen sagen?

Markus Witteck: Ich möchte Ihnen sehr ungern mitteilen, dass sie noch geduldig sein müssen, bis es hier sichtbare Veränderungen gibt. Hier muss zunächst sehr intensiv an B-Plänen gearbeitet werden, welche teilweise schon sehr weit zurückreichen, jedoch für Schulzendorf enorme Belastungen nach sich ziehen würden. Vieles muss neu sortiert und geradegerückt werden, erst dann kann es weitergehen.

(Foto: CDU Schulzendorf)

(Foto: CDU Schulzendorf)

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Wie hat das Amt Ihren Alltag verändert und wie schaffen Sie den Ausgleich mit dem Privatleben?

Markus Witteck: Egal wo man ist, man ist immer ansprechbar, das ist auch gut und als Gemeindevertreter konnte man da schon Erfahrung sammeln. Da ich vorher im Schichtdienst gearbeitet habe, ist es für meine Familie nicht neu, wenn ich abends nicht zu Hause bin. Ansonsten werden die Freiräume aktiv genutzt.

Was haben Sie in der Zeit über Schulzendorf neu gelernt?

Markus Witteck: Die Menschen sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem Ort. Es gibt sehr engagierte Vereine und somit auch Bürger, die sich hier im Ort einbringen.
Ich bin auch immer wieder überrascht, wenn Menschen neu hierherziehen, wie wenig sie sich mit dem Ort beschäftigt haben. Auf einmal ist hier Fluglärm oder es wird sich eingemauert, damit niemand in den Garten schauen kann.

Was war Ihr emotionalster Moment in den ersten 100 Tagen?

Markus Witteck: Die Verabschiedung bei meinen Kollegen in meiner alten Dienststelle. (Anmerkung Redaktion: Markus Witteck war füher in leitender Position bei der Berliner Polizei tätig)

Anders als früher herrscht im Gemeinderat eine sachliche Atmosphäre, es gibt andere Auffassungen bei Sachthemen, aber keinen unfairen Diskurs. Worauf führen Sie das zurück?

Markus Witteck: Die Gemeindevertretung entscheidet, wie es hier im Ort weitergeht, was sich verändern soll…ich als Bürgermeister habe da nur eine Stimme. Um jedoch sachgerecht entscheiden zu können, werden natürlich Informationen benötigt. Mein Ansinnen ist es, diese auch alle und ungefiltert zur Verfügung zu stellen und sachlich auf Fragen aller Gemeindevertreter zu antworten, denn nur gemeinsam kommen wir voran.

Gibt es Herausforderungen, die Sie unterschätzt haben?

Markus Witteck: Ja, ganz klar. Dass man von seinem Amtsvorgänger Altlasten übernimmt, ist nichts Neues und damit habe ich auch gerechnet. Dass hier jedoch so viele Bereiche betroffen sind und auch an Schlüsselfunktionen ein kompletter Personalwechsel stattgefunden hat und somit Lücken im Wissenstransfer vorliegen, macht die Sache nicht einfacher.

Wie gehen Sie mit den knappen Haushaltsmitteln um?

Markus Witteck: Im Rahmen der Haushaltsplanungen diskutieren wir hier offen über Möglichkeiten Einsparungen vorzunehmen. Dabei rücken natürlich gerade kostenintensive Bereiche in den Vordergrund. Somit schaue ich mir auch die Personalstruktur an, die Verwaltung muss arbeitsfähig sein, jedoch sollte es keinen Überhang geben. Auch Beschlüsse die mal gefasst wurden, sollten hinterfragt werden, so wie jetzt bei dem Bau der Kita in der Brückenstraße, Herweghstraße. Aber selbst bei einer besseren Haushaltssituation gebietet es sich nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu handeln, da es ja alles Gelder sind, die die Bürger hier aufbringen.

Mücke Erbe: Dieser Schaden am Dachstuhl einer gemeindeeigenen Immobilie ist nicht über Nacht auf die Mieter eingestürzt. Witteck muss ihn nun beiseite räumen.

Mücke Erbe: Dieser Schaden am Dachstuhl einer gemeindeeigenen Immobilie ist nicht über Nacht auf die Mieter eingestürzt. Witteck muss ihn nun beiseite räumen.

Wo soll Schulzendorf in vier oder fünf Jahren stehen?

Markus Witteck: Es muss erst einmal Ruhe in den Ort kommen, das Baugebiet muss zum Abschluss gebracht werden, um zu wissen, wie weit die soziale Infrastruktur noch angepasst werden muss. Dann sollte es auch endlich möglich sein, beispielsweise die Freiligrathstraße zu begradigen oder die Kopfsteinpflasterstraßen zu glätten, damit der Verkehr aus den Wohngebieten kommt. Die von vielen gewünschte Beleuchtung muss auch angegangen werden. Bei der aktuellen Situation würde ich jedoch sagen, wenn wir hier noch handlungsfähig sind und nicht in der Haushaltssicherung stehen, wäre das auch ein Ziel.

Woran sollen Bürger messen, ob Ihre Amtszeit erfolgreich ist?

Markus Witteck: Ich bin mit einem Wahlprogramm gestartet, wo verschiedene Themenbereiche abgedeckt sind. Wenn es gelingt, diese Sachen auch in die Umsetzung zu bekommen, dann kann der Bürger selbst entscheiden, ob es erfolgreich war oder nicht.

Seit 2019 dringt regelmäßig Regenwasser in das Schulgebäude.

Lange drang regelmäßig Regenwasser in das Schulgebäude. Die Probleme am Dach der Grundschule waren Ex-Bürgermeister Mücke seit einem Jahrzehnt bekannt.

 

Lesen Sie am Donnerstag und Freitag: Was Bürger, Lokalpolitiker und Der Schulzendorfer zu Wittecks Start sagen.

14 Responses to EXKLUSIV – Interview mit Bürgermeister Markus Witteck!

  1. Jeffrey Wichlitzky
    5. Juni 2026 at 21:12

    Herr Schulze, den Satz nehme ich gern zurück — er gehört offensichtlich Ihnen.

    Und ja: Was Sie beschreiben, ist konsequent. Wer bewusst gegen reflexive Strukturen antritt, darf sich nicht von ihnen einhegen lassen — auch nicht durch Sitzungskultur und Dresscode. Das ist eine legitime Form politischer Praxis, und ich respektiere sie.

    Aber schauen wir kurz auf das, was hier gerade passiert: Zwei Schulzendorfer diskutieren öffentlich, sachlich und ohne Schaum vor dem Mund über das, was in ihrer Gemeinde schiefläuft. In der Kommentarspalte des einzigen Mediums, das Schulzendorf seit 2009 begleitet — nicht immer objektiv und farblos, dafür konsequent und offen für alle. Vertreter und Verwaltung geben gelegentlich zumindest Antwort auf Nachfragen — oder eben Interviews. Das ist nicht nichts. Aber es ist auch keine Förderung, keine strukturelle Unterstützung, kein Bekenntnis zu dem, was dieses Medium leistet. Das verdient hohe Anerkennung — und es wäre schön, wenn mehr Stimmen dazukämen. Von Gemeindevertretern, von Zugezogenen, von Alteingesessenen, von denen, die schweigen, weil sie glauben, dass es nichts bringt.

    Wo ich Ihnen nicht folge: Der Polterer, der programmatisch auf Pseudoautorität schießt, braucht irgendwann auch jemanden, der aufbaut. Destruktion als Dauerzustand erschöpft sich — und sie hinterlässt ein Vakuum, das andere füllen. Nicht immer die Richtigen.

    Was das 2G-Beispiel betrifft: kein unwichtiges Kapitel. Wer erlebt, wie Teilhabe unter dem Deckmantel von Vorschriften beschnitten wird, versteht, warum Vertrauen in Institutionen erodiert. Wer als Sachkundiger Einwohner nicht mehr in Sitzungen darf, weil er nicht geimpft ist, hat einen konkreten Grund, dem Apparat zu misstrauen. Das fängt im Kleinen an — und es endet dort, wo niemand mehr hinschaut.

    Deshalb: Hinschauen. Kommentieren. Unbequem sein. Diese Spalte ist dafür da.

  2. 5. Juni 2026 at 17:51

    Herr Wichlitzky, folgendes weise ich meinerseits von mir: “Fraktionsdisziplin, Sitzungskultur und die ungeschriebenen Regeln des Hauses”. Was meinen Sie wieso ich da auftrete wie ich es tue? Meinen Sie nicht, dass ich auch einen schicken Anzug im Schrank hätte, Anträge sauber schreiben und mich gewählt ausdrücken könnte? Aber es passt auch zu meinem Naturell da den Polterer zu geben – so wie hier. Und wieso das?

    Weil ich programmatisch auf diese reflexiven Strukturen schieße, die jedem Abgeordneten bis hin um Bundeskanzler eine Pseudo-Autorität verleiht. Auch der ist Volkvertreter und kein Vasall. Zu diesem Verständnis müssen wir mal schnellstens zurück, in einem Land das Bürger wegen Kritik an der Regierung vor den Kadi zerrt. Und auch das fängt im Kleinen an – wenn man als Sachkundiger zum Beipsiel nicht mehr in Sitzungen darf, weil im Rathaus 2G herrscht und Ungeimpfte Zutrittsverbot haben wie Hunde. Nie wieder! Hieß es mal…

    Das ist keine Ausrede – das ist eine bewusste Entscheidung. :-)

  3. Jeffrey Wichlitzky
    5. Juni 2026 at 14:18

    @Anne, noch eine Ergänzung zu Ihrer Frage.

    Um ehrlich zu sein: Mir fehlt zu weiten Teilen auch das Vertrauen, dass Fachkompetenz in der Gemeindevertretung den Unterschied macht, den sie machen sollte. Das ist kein Vorwurf an einzelne Personen — es ist eine subjektive Wahrnehmung, die sich aus den Erfahrungen der vergangenen Monate gespeist hat. Wer erlebt, wie Entscheidungen zustande kommen, welche Argumente gehört werden und welche nicht, fragt sich irgendwann, ob der richtige Ort für Wirkung wirklich der Sitzungssaal ist.

    Vielleicht irre ich mich. Ich bin offen dafür, überzeugt zu werden.

  4. Jeffrey Wichlitzky
    5. Juni 2026 at 13:35

    Herr Schulze, das ist eine klare Haltung — und genau deshalb lege ich Ihnen meine gern gegenüber.
    Ich verwechsle Ihr Bremsen nicht mit dem der vergangenen Jahrzehnte. Der Unterschied ist mir bewusst — und ich habe ihn so auch benannt. Aber Bremsen bleibt Bremsen, unabhängig von der Motivation. Und Bürgerwille ist kein statisches Konstrukt — er entsteht auch dort, wo Informationen fehlen, Alternativen nicht diskutiert werden und Entscheidungen hinter geschlossenen Türen fallen. Was als Mehrheit erscheint, ist manchmal nur das lauteste Schweigen.

    Den Vorwurf, gegen ein Mandat zu arbeiten, weise ich zurück. Ich arbeite dafür, dass Mandate auf informierten Entscheidungen beruhen. Das ist kein Widerspruch zur Demokratie — das ist ihre Voraussetzung.
    Und zur Frage von Anne, warum ich nicht selbst in der Gemeindevertretung mitwirke: ich höre sie gelegntlich und nehme sie ernst. Wer unbequeme Fragen stellt, ist in einem Gremium oft weniger wirksam als außerhalb. Ein Sachkundiger Einwohner hat kein Stimmrecht. Wer mit Stimmrecht gewählt wird, ist eingebunden in Fraktionsdisziplin, Sitzungskultur und die ungeschriebenen Regeln des Hauses. Was ich tue, kann ich genau deshalb tun, weil ich es von außen tue. Das ist keine Ausrede — das ist eine bewusste Entscheidung.

  5. Anne
    5. Juni 2026 at 10:59

    Herr Wichlitzky, bei all den Vorschlägen und (z.T.) berechtigten Kritiken, die sie anführen frage ich mich schon geraume Zeit, warum Sie noch nicht in der Gemeindevertretung mitwirken. Zielführende Mitarbeit ist immer willkommen. Vielleicht als Sachkundiger Einwohner?

  6. 5. Juni 2026 at 10:54

    Zum dem Kommentar hier: sie verwechseln mein Bremsen mit dem Bremsen der letzten Jahrzehnte. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Denn Entwicklung wird hier weiter nur mit Widerstand stattfinden. Das scheint Bürgerwille zu sein. Dass Ihnen das nicht passt, legitimiert nicht gegen dieses Mandat zu arbeiten.

  7. 5. Juni 2026 at 10:51

    Meine letzte Antwort ist eine Antwort auf ihren Kommentar bei Geheimakte Schule, Herr Wichlitzky. Da ist irgendwas verrutscht, sorry.

  8. Jeffrey Wichlitzky
    5. Juni 2026 at 08:10

    Herr Schulze, für diese Klarheit bin ich dankbar — sie macht eine ehrliche Antwort erst möglich.

    Die Rolle des Bremsers ist eine legitime politische Haltung. Wer eine Entscheidung für falsch hält, ist nicht verpflichtet, Alternativen zu liefern. Da haben Sie recht. Und dass Drohungen und Andeutungen den Widerstand erschwert haben, glaube ich Ihnen. Auch das kenne ich.

    Aber hier trennen sich unsere Wege. Eine Gemeinde, die dauerhaft auf Bremsen setzt — bei Kitabau, bei der Schule, bei der Bauleitplanung, bei der Kommunikation nach außen — sendet ein Signal. Nicht nur intern, sondern nach außen: an Investoren, an Familien, an Fachkräfte, die sich fragen, ob sie hierherziehen wollen. Eine Gemeinde, die ihre Potenziale nicht entwickelt, verliert sie. Nicht dramatisch, nicht auf einmal — sondern still, über Jahre. Die Steuereinnahmen stagnieren, die Infrastruktur bleibt unterfinanziert, die jungen Familien ziehen woanders hin, wo die Schule besser ist. Und dann sitzen wir da — mit dem Gartenzaun hochgezogen, Recht behalten, und niemand schaut mehr rein.

    Genau das ist es, was Witteck im Interview beschreibt: eine Gemeinde, die sich selbst im Weg steht. Nicht weil einzelne Akteure böswillig handeln, sondern weil das Nein zur Gewohnheit geworden ist, das Ja keine Lobby hat — und beides von Charakteren ausgenutzt wird, die sich das für persönliche Interessen nutzbar machen. Das ist die eigentliche Gefahr. Nicht der Bremser in gutem Glauben, sondern derjenige, der den Stillstand braucht, weil er ihm nützt — weil er es bequemer findet zu verwalten als zu gestalten. Und eine Verwaltung, die so geführt wird, zieht Mitarbeiter an, die sich darin einrichten — bequem, auf Kosten der Gemeinschaft.

    Wer das belegen will, muss sich keine großen Mühen machen. Die Protokolle der Gemeindevertretung aus den vergangenen zwei Legislaturperioden sind öffentlich — und wer sie sich systematisch anschaut, kann das Muster des Neins schwarz auf weiß nachlesen. Abstimmung für Abstimmung, Periode für Periode. Es steht alles da. Man muss es nur lesen wollen.

    Ich teile Ihre Skepsis gegenüber dem Prozess. Ich teile sie ausdrücklich nicht gegenüber der Notwendigkeit, Schulzendorf weiterzuentwickeln. Dokumentiertes Scheitern in einem ehrenamtlich geführten Medium ist kein Erfolg — es ist ein teurer Trost.

  9. 4. Juni 2026 at 21:50

    Und genau da irren Sie sich Herr Wichlitzky. Verweigerung ist der vernünftige Anfang. In einem Zug der Vollgas gegen die Wand fährt mache ich keinen Sitzkreis für demokratische Mehrheiten, sondern renne zur Notbremse und ziehe sie. Zugestanden: wir fahren hier jetzt an die Wand, egal wie wir handeln. Das ist trotzdem kein Grund für mich, den Aufprall unter Applaus zu erwarten. Ich ziehe die Bremse trotzdem.
    Und ich lasse mich weder von Drohungen, Andeutungen noch sonst was einschüchtern, was nun mehr als einmal den Stopp verhindert hat. Beim ersten Mal noch, lange bevor es die Schule dann gab, wurden auch massig Alternativen genannt. Und nicht geprüft. Da war auch Verweigerung der Schlüssel. Jetzt sagen Sie mir mal wieso ICH hier die Lösungen bringen soll, für eine riesen große Sauerei, die ANDERE zu verantworten haben. Für mich gibt es einfach kein Augen zu und durch. Und das wird so auch bleiben. Ich werde weiterhin alles tun um das Projekt zu stoppen. Und dafür nenne ich keine Anlternativen, die – wie Sie richtig sagen, andere (auch Leute vom Fach) jahrelang nicht geprüft haben, obwohl das m.E. so vorschriftsmäßig wäre). Ich werde als Freizeitpolitiker nicht 15 Vollzeitjobs aufarbeiten. Ich werde auch die Welt nicht allein retten. Aber es wird dokumentiert sein. Und ich sage Ihnen, wie bei anderen Themen in den letzten Jahren – ich werde Recht behalten, dass die Schule nicht die Lösung ist, die man haben wollte. Im Moment sind andere laut. Dann ist das jetzt so. Viel Spaß mit der Schule. Und den Folgen für unsere Gemeinde.

  10. Jeffrey Wichlitzky
    4. Juni 2026 at 20:54

    Herr Schulze, keine Sorge — ich bin nicht hier, um jede Zeile des Interviews zu verteidigen. Manches hat Witteck gut gesagt, manches weniger gut. So ist das.

    Aber Ihr Kommentar verdient eine Antwort, denn er sitzt — ungewollt — genau auf der Linie, die ich kritisiere, und der Sie mir gewollt oder nicht an anderer Stelle zustimmen.

    Sie verweisen als Gemeindevertreter auf Ihre private Telefonnummer und die Homepage Ihrer Fraktion. Das ist persönlich löblich. Aber es ist kein Ersatz für das, was eine Gemeinde von sich aus leisten sollte. Ja, die Gemeindevertreter sind im Bürgerinformationssystem zu finden — für denjenigen, der weiß, dass es das gibt, der weiß, wo es verlinkt ist, und der sich durch ein System navigiert, das nicht gerade für seine Benutzerfreundlichkeit bekannt ist. Nachbargemeinden haben ein anderes Verständnis davon, was Öffentlichkeit bedeutet: proaktiv statt auf Nachfrage, zugänglich statt auffindbar für Eingeweihte. Warum das in Schulzendorf so ist, lässt sich an anderer Stelle einfach klären. Der Unterschied ist jedenfalls messbar — und er ist keine Frage von Aufwand oder Budget. Er ist eine Frage von Haltung. Wieder.

    Zum Internetauftritt: Geschmack ist hier nicht die Kategorie. Eine Website, die 2026 noch so aussieht und funktioniert wie am Beginn der CMS-Ära, leere Seiten vorhält und für inhaltliche Substanz auf sachsen-vernetzt.de verweist, ist schlicht schlechtes Handwerk. Das hat nichts mit Nüchternheit zu tun. Es gibt einen klaren Unterschied zwischen notwendiger Informationsbereitstellung und ehrlicher Transparenz — Schulzendorf schafft ersteres, und das dürftig.

    Und zum Auto: Sie haben den Vergleich aufgemacht, also nehme ich ihn gerne mit. Wer in Schulzendorf heute ein Grundstück kauft, zahlt Premiumpreise — dafür gibt es dann ja auch die bunten Flyer. Und nein, kein alteingesessener Schulzendorfer hat nach Berlin gerufen, bitte kommt her. Aber die Gemeinde hat ein Feld zur Bebauung von weit mehr als 600 Eigenheimen freigegeben. Das ist keine private Einladung — das ist eine politische Entscheidung. Wer Menschen per Bauleitplanung aktiv ins Gemeindegebiet holt, darf sich nicht wundern, wenn diese Menschen ankommen und Fragen stellen. Und wer ein Premiumfahrzeug kauft, darf erwarten, dass es fährt. Wenn es stattdessen dauerhaft in der Werkstatt oder Garage steht, andere sich wundern, warum da ein großer Zaun drum gebaut wird, und niemand sagen darf, was drin ist — dann ist mangelnde Ortskenntnis keine Faulheit. Dann ist sie die logische Konsequenz eines strukturellen Problems. Wieder.

    Und wer am besten weiß, was passiert, wenn man in Schulzendorf einen Stein hebt und schaut, was darunter liegt — das müssen Sie mir nicht erklären, Herr Schulze. Sie leiten die Kommission Schadensverhütung. Ursprünglich eingesetzt zur Klärung des undichten Schuldachs, heute zuständig für die systematische Aufnahme von Schäden an Gemeindeeigentum. Das Ausmaß dessen, was da dokumentiert wird, spricht für sich.

    Vielleicht wäre es an der Zeit, den Gedanken weiterzuspinnen: Eine Kommission Öffentlichkeitsarbeit — mit dem Auftrag, die kommunale Informations- und Kommunikationsstruktur endlich auf einen Stand zu bringen, der dem Anspruch einer wachsenden Gemeinde entspricht. Die Schäden an Gebäuden werden erfasst. Die Schäden an der Bürgerkommunikation warten noch auf ihre Kommission.

  11. 4. Juni 2026 at 13:58

    Naja Herr Wichlitzky,
    wenn ich hier her ziehe, weil ich auf bunte Blätter von Investoren herein gefallen bin, weil ich nicht in der Lage oder zu faul war mich mal nach den echten Umständen zu informieren – was zum Beispiel geht indem man bei den jeweiligen für mich interessanten Institutionen mal vorspricht, kann man sich später nicht beschweren, dass man herein gelegt wurde. Der Flughafen ist was anderes, denn hier wurden die Menschen wirklich herein gelegt. Aber kein Schulzendorfer hat nach Berlin gerufen ´bitte kommt her, hier ist alles toll´ KEINER!
    Ich kaufe ja auch keinen gebrauchten (sagen wir mal) VW privat bei Kleinanzeigen und beschwere mich dann beim VW Gebrauchtwagen-händler, dass die Heckklappe manchmal gammelt, weil das bei meinem (sagen wir mal) Mazda bisher nicht so war. Und wenn man aus Berlin her zieht – ich habe da 10 Jahre gewohnt – mit Verlaub, dann zieht man trotz allem Irrsinn hier, in den Garten Eden.

    Und was ich da als Gemeindevertreter hätte wieder tun sollen, das müssen Sie mir auch mal verraten. Meine Telefonnummer ist online, wir haben als Fraktion ne Homepage und auch sonst so, finde ich persönlich die Gemeidne-Seite zwar nüchtern, aber übersichtlich. Und das ist ja dann die Seite die ich brauche, also arbeite ich mich ein.

    Ja: Teilhabe ist anstrengend!

  12. Jeffrey Wichlitzky
    3. Juni 2026 at 10:11

    Herr Witteck ist „immer wieder überrascht”, wenn Zugezogene wenig über Schulzendorf wissen. Eine nachvollziehbare Beobachtung — aber mit einer unbequemen Gegenfrage: Wo soll man sich denn informieren?

    Die Gemeinde-Website? Veraltet, lückenhaft, ohne erkennbares Konzept. Gemeinderatsprotokolle vollständig und rechtzeitig einsehbar? Nein. Wer wissen will, wer überhaupt in der Gemeindevertretung sitzt, bekommt online keinen einzigen Namen. Erst über den Weg in das Bürgerinformationssystem wird nüchtern sachlich Information verfügbar gemacht. Was Nachbargemeinden selbstverständlich bereitstellen, ist in Schulzendorf offenbar seit Jahren keine Priorität gewesen. Wer neu hierherkommt und sich informieren will, landet entweder bei einem ehrenamtlichen Medium — oder er erfährt die Realität des Ortes schlicht am eigenen Leib. Das ist kein Versagen der Bürger. Das ist das Ergebnis jahrelanger kommunikativer Leerstelle.

    Aber Witteck weiß das. Er sagt es selbst: offene B-Pläne, die „enorme Belastungen nach sich ziehen würden”. Personalwechsel an Schlüsselfunktionen, Lücken im Wissenstransfer. Altlasten, mit denen er gerechnet hat — und dann doch von deren Ausmaß überrascht wurde. Dass er dabei öffentlich von „Dingen, die neu sortiert und geradegerückt werden müssen” spricht, statt den Vorgänger demonstrativ zu schonen, ist zumindest ein Zeichen von Redlichkeit.

    Das Interview lässt einen Bürgermeister erkennen, der die Erbschaft nicht wegdiskutiert. Wer sagt, selbst bei besserer Haushaltslage gelte das Prinzip der Wirtschaftlichkeit, klingt nicht wie jemand, der sich etwas vormacht.

    Was vor ihm liegt, ist keine Verwaltungsaufgabe — es ist eine Herkulesaufgabe. Offene Bauleitplanung, marode Infrastruktur, ein strukturell defizitärer Haushalt, eine Verwaltung mit Gedächtnislücken. Und das alles in einer Gemeinde, die jahrelang nicht mal kommuniziert hat, was sie tut — geschweige denn, was sie versäumt hat.

    Bevor man sich also über mangelnde Ortskenntnis Zugezogener wundert, wäre die ehrlichere Frage: Was hat die Gemeinde getan, damit sich jemand informieren kann? Die Antwort auf diese Frage ist auch Teil des Erbes, das Witteck jetzt abträgt.

  13. Rudi
    27. Mai 2026 at 08:02

    Ich werde es allen erzählen, dass der Schulzendorfer meine Kritik an der Arbeitsweise von Markus nicht veröffentlicht hat.

  14. Rudi
    26. Mai 2026 at 17:47

    Lieber User Rudi, Kritik ist bei uns jederzeit willkommen, Verächtlichmachung und Diffamierung dagegen nicht. Daher wird Ihr Kommentar nicht veröffentlicht. Bitte resprektieren Sie künftig unsere Nutzungsbedingungen.

    Sabrina Rühle
    Redaktion

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