EXCLUSIV – Gespräch: Bürgermeister Ennullat im Interview (Teil 2/Ende)

18. Juni 2020
Von

Seit Monaten tobt in Königs Wusterhausen ein heftiger Streit im Stadtparlament. Auslöser war die Aufnahme eines Kostenzuschusses für den Bau eines Kunstrasenplatzes in den Haushalt, der von der SPD beantragt wurde. Das Projekt wird maßgeblich vom Landschaftsarchitekt Wolf Ahner bestimmt, dem enge Verflechtungen zur SPD nachgesagt werden. Inzwischen werfen die Sozialdemokraten Bürgermeister Swen Ennullat Amtsmissbrauch, die Märkische Allgemeine Zeitung in einem Kommentar Nähe zur AfD vor. CDU – Mann Christian Möbus, der als Anwalt in der Kanzlei seiner Lebenspartnerin und Vorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung Laura Lazarus (CDU) tätig ist, stellt gar die Eignung Ennullats als Stadtoberhaupt in Frage.

Am Dienstag stellte sich Bürgermeister Ennullat den ersten Fragen, heute ist er zu weiteren im Kreuzverhör:

Nahezu 75 Prozent der Bürger, die 2017 an die Wahlurne gingen, schenkten Ihnen das Vertrauen. Ihr SPD – Gegenkandidat Hanke erlitt damals eine Bruchlandung. Glauben Sie bislang für die Bürger der Stadt Probleme gelöst zu haben?

Swen Ennullat: Einige Dinge, wie die dringend notwendige Neufassung der Kitasatzung zur finanziellen Entlastung der Eltern, konnten trotz Widerständen sehr schnell umgesetzt werden. Auch die Verbeamtung unserer hauptamtlichen Feuerwehrkräfte oder das Förderprogramm für die Innenstadt waren wichtige Themen. Die Verwaltung durchläuft außerdem als eine von nur zwei Kommunen in Brandenburg ein Auditverfahren des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Bürgermeister Swen Ennullat will für alle 40,000 Kwler da sein. (Foto:mwBild)

Wir stellen der Öffentlichkeit des Weiteren nicht nur viel mehr Informationen als früher zur Verfügung, während Corona haben wir gezeigt, dass wir mit großer Professionalität Krisen bewältigen können. Als einzige Behörde der Region blieben wir ununterbrochen geöffnet. Haben unsere Öffnungszeiten sogar auf den Samstag hin ausgeweitet. Aus meiner Sicht zeichnet ein solches Agieren einen modernen Dienstleister aus. Das alles konnten wir mit engagiertem Personal auf den Weg bringen. Dafür mein persönlicher Dank!

Welche Projekte stehen denn noch auf Ihrer To – Do – Liste?

Swen Ennullat: Stichwort Digitalisierung und papierloses Rathaus, Stärkung der heimischen Wirtschaft und Neuansiedlungen, wie im ersten Bauabschnitt des Technologieparks. Die Interessen von Altanschließern wurden im MAWV, dem wir angehören, auch noch nicht so berücksichtigt, wie ich es mir vorgenommen habe.

Königs Wusterhausen hat lange Zeit Geld für Bauvorhaben nicht ausgegeben bekommen. Es gab einen Investitionsstau. Hat sich das geändert?

Swen Ennullat: Es macht mich sehr stolz, wie professionell und engagiert die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung diesen abarbeiten. Wir setzen mittlerweile ein Vielfaches im Vergleich zu den Vorjahren um. Das bestätigt mich, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Davon werden alle Einwohnerinnen und Einwohner profitieren. So haben beispielsweise neue Feuerwehrgerätehäuser auch positive Auswirkungen für einen noch professionelleren Brandschutz und die Arbeitsbedingungen unserer ehrenamtlich tätigen Kameradinnen und Kameraden. Um einmal ein Beispiel zu nennen, das nicht mit dem Neubau von Kitas, Schulen, Straßen oder Brücken zu tun hat.

Wo liegt denn die Latte für die Stadt am höchsten?

Swen Ennullat: Unsere größte Herausforderung wird sein, unser Wachstum in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verträglich zu gestalten. Wir dürfen nicht unsere Identität verlieren. Als Stadt und in den Ortsteilen. Nicht alles, was theoretisch oder ansiedlungstechnisch möglich ist, passt vielleicht zu uns. Unsere Lebensqualität müssen wir zum Wohle aller erhalten. Ansonsten würde ich mich sehr freuen, wenn uns das Zusammenwachsen der Ortsteile noch besser gelingt.

Baugebiet Kwh

Eine Lebensweisheit lautet: Sind Illusionen einmal verflogen, kommen sie nie wieder. Hatten Sie 2017 Illusionen, die weg sind und nie wiederkommen?

Swen Ennullat: Ich hätte tatsächlich gedacht, dass mir nach Amtsantritt von einigen langjährigen Lokalpolitikern mehr Respekt entgegengebracht wird. Da hatte ich leider zu hohe Erwartungen.

Was macht der Bürgermeister von Königs Wusterhausen nach 20 Uhr, wenn er sich nicht gerade mit Problemen herumschlägt? Gibt es noch ein Familienleben und wie sieht das aus?

Swen Ennullat: 20:00 Uhr Zuhause zu sein oder einen freien Kopf für die Familie zu haben, schaffe ich kaum. Bürgermeister einer Stadt mit 40.000 Einwohnern zu sein, ist ein 24 Stunden Job. Aber es gibt Gott sei Dank noch ein intaktes Familienleben, das Kraft spendet. Mit ebenfalls politisch aktiver und musikalischer Ehefrau sowie drei schulpflichtigen Kindern, die die Welt noch mit ganz anderen Augen sehen. Komplettiert wird dies von zwei eigensinnigen Katzen, einem Hund im Altenteil und einigen Hühner. Gern gesehen sind auch die Großeltern, Geschwister und Freunde. Dazu Grundstück mit Nutzgarten. Spargel, Kartoffeln, Mais oder Tomaten werden selbst angebaut.

Bei uns Zuhause wird es also nie langweilig und es gibt immer etwas zu tun, was ablenkt. Genau diese Normalität brauche ich. Es sollte für jeden Politiker ein solches Leben neben der Politik geben. Mit all den kleinen und größeren Alltagsproblemen und -sorgen, die jeder andere auch hat. Nur so behält man die Bodenhaftung und den Kontakt zu den Menschen, deren Interessen man vertreten soll.

6 Responses to EXCLUSIV – Gespräch: Bürgermeister Ennullat im Interview (Teil 2/Ende)

  1. 23. Juni 2020 at 20:03

    „Was nützt dem Bürgermeister sein Amt, wenn ihm die Mehrheiten fehlen!”

    [Georg Hanke (SPD): 2017]

    Update: 2020:

    WEM nützt Bürgermeister (in) sein(em) Amt
    oder im “BERUFSVERBOT”

    „Die Frage Cui bono? /kwi? ?bo:no:/ (lateinisch für „Wem zum Vorteil?“) – gelegentlich auch ungenau Qui bono? zitiert – ist ein geflügeltes Wort, mit dem die Frage nach dem Nutznießer bestimmter Ereignisse oder Handlungen, beispielsweise von Verbrechen oder auch politischen Entscheidungen, gestellt wird. …“

    [https://de.wikipedia.org/wiki/Cui_bono]

    … übrigens:

    § 55 BbgKVerf


    Der Hauptverwaltungsbeamte hat Beschlüsse der Gemeindevertretung zu beanstanden, wenn er der Auffassung ist, dass sie rechtswidrig sind. …
    Die Beanstandung hat aufschiebende Wirkung
    …“

    [https://bravors.brandenburg.de/gesetze/bbgkverf#55]

    „Die starke Stellung des Bürgermeisters drückt sich auch darin aus, dass er dem Gemeinderat (Gemeindeparlament) vorsitzt.
    … Weiterhin muss der Bürgermeister gesetzwidrigen Beschlüssen des Gemeinderats widersprechen. …“

    [https://de.wikipedia.org/wiki/Bürgermeister_(Baden-Württemberg)#Bürgermeister_als_Vorsitzender_des_Gemeinderates_(§_43_GemO)]

  2. Dr.Dieter Füting
    19. Juni 2020 at 08:04

    DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM …RATHAUS

    Oh! wie will ich triumphieren!
    Wenn sie euch zum Richtplatz führen
    Und die Hälse schnüren zu;
    Hüpfen will ich, lachen, springen
    Und ein Freudenliedchen singen
    Denn nun hab ich vor euch ruh.

    Nein, das Mozart Singspiel “Die Entführung aus dem Serail” hat kein Bezug zu den Vorgängen in KW.
    Diese Vorgänge führen auch nicht zu Interpretationen im Sinne des Lessingschen Nathan.
    Sie führen nur zu zwei Schlussfolgerungen:

    1. Zitat aus Steingarts Morning Briefing vom 17. 6. 2020:
    “Der Beruf des Politikers ist anders. Es besteht der Drang und auch die Notwendigkeit zum Rechthabenmüssen. Nur wer seine Auffassung von der Wirklichkeit durchsetzen kann, in der Partei und auch in der Öffentlichkeit, gilt als Leitwolf. Meinung wird zu Macht verdichtet.”

    2. Anzeige gegen Unbekannt
    Anzeige gegen Feigheit, Anpassung und demütigem Schweigen.
    Anzeige gegen Mittelmässigkeit, fehlendem Mut und Dekadenz.

  3. Petra
    Petra
    18. Juni 2020 at 15:58

    Das Interview hat mir sehr gut gefallen. Vorallem die Antworten des Bürgermeisters. Für mich hat dieser Mann Format. Mir ist völlig klar, warum er den SPD Leuten und den Wendehälsen der CDU ein Dorn im Auge ist.

  4. Notte
    18. Juni 2020 at 12:44

    In wieweit mein gelöschter Kommentar nicht den Regeln des Schulzendorfers nicht entsprochen hat, will ich nicht beurteilen, es war lediglich die Entscheidung des VG Cottbus. Das Ergebnis ist jedoch eindeutig. @ Jörg was die Verwaltung betrifft, Regierungen ( Bürgermeister) kommen und gehen, die Verwaltung bleibt. Die überwintern einfach. Was der Bürgermeister versprochen und bisher erreicht hat, kann jeder für sich selbst entscheiden. Mir persönlich fällt jeden Arbeitstag das WallWC ins Auge, dass sei Januar 2019 auf eine Instandsetzung wartet. Für die einen eine Nebensache, für andere, die ein dringendes Bedürfnis nach dem aussteigen aus der S Bahn haben , oder behindert sind, eine ziemlich wichtige Angelegenheit.

  5. 18. Juni 2020 at 06:59

    Ist DAS, was seit Jahren in jwd läuft
    nicht bereits aktenkundig,
    im Sinne der §§ 238, 240, 241 oder 241a
    sowie der §§ 331,333 sowie der §§ *.*
    Strafgesetzbuch?

    ODER

    ist es nur hart-aber-faires Agieren,

    #KEINMobbing,

    halt politisch und engagiert
    und legitim und geradezu vorbildlich
    und edel und hilfreich und gut
    und uneigennützig im klassischen Sinne
    und in wessen “politischen Sinne … ”
    und wem nützt es
    und überhaupt ??????!!!!

    Wir finden in dieser aktuellen öffentlichen Diskussion viele Merkmale
    von Stuffing, beginnend mit Facetten systematischer struktureller Gewalt,
    … ,
    bis hin zur Opfer – Täter – Umkehr,
    kombiniert mit maßloser Hetze und Propaganda mit dem Ziel,
    ein Zermürben und Aufgeben des Bürgermeisters zu erreichen
    auf die Gefahr hin dass das “normale politische Geschäft”
    nahtlos in ein P*****m übergeht dieser Tage.

    Ich frage mich schon einige Zeit:

    Wo kommt das her?
    Ist das erlaubt?
    Wo wird das enden?

    Herr Stephan Loge – bitte gehen Sie auf Swen Ennulat zu.
    Herr Swen Ennulat – bitte geben Sie nicht auf.

    Lieber Swen Ennulat –
    bitte schenken Sie Vertrauen und delegieren Sie Verantwortlichkeiten,
    machen Sie Kompromisse und seien Sie mutig, innovativ sowie visionär,
    denn Sie haben nicht unerschöpflich Vertrauensvorschuss.

    Die Mehrheit der Bürger*innen glauben an Sie und stehen auf Ihrer Seite.

  6. Jörg
    18. Juni 2020 at 06:34

    Zum Beitrag fallen mir nur zwei Dinge ein :

    1. https://www.schulzendorfer.de/hallo-welt/ – paßt das von KW alles dazu ?

    2 ) Eine Verwaltung, die unter Ludwig und Franzke gedient hat, wird automatisch besser ?

    Wenn es solche Wunder geben sollte, dann fragt man sich – siehe 1

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