Wiener Reise – Was der frühere WiWO-Chef dazu sagt.

27. Oktober 2022
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Die Wiener Reise von WiWO-Chef Sven Schulze und dem Aufsichtsrat Boss Mark Scheiner wegen eines Grundstücksdeals wirft zig Fragen auf. Gerüchte und Spekulationen schießen ins Kraut. Die Stadt hält die Hintergründe der Wiener Reise ihrer WiWO Bosse streng geheim. Der Schulzendorfer sprach mit dem in Wildau  populären Ex-WiWO-Chef Frank Kerber, er war als Zeuge vor dem Wiener Schiedsgericht geladen, reiste allerdings nicht hin.

Worum ging es bei dem Streit vor dem Wiener Schiedsgericht?

Frank Kerber: Ich bin selbst als Zeuge nach Wien zu einem Schiedsgerichtsverfahren Ende April 2022 geladen worden, in dem es um eine Auseinandersetzung zwischen dem damaligen österreichischen Grundstücksinteressenten und einem österreichischen Bauträger geht.

Sie wurden als Zeuge benannt, reisten aber, anders als Schulze und Scheiner, nicht nach Wien. Warum nicht?

Frank Kerber: Da ich nach den Ausführungen der Schiedsrichterin davon ausgehen musste, dass es um die mögliche Offenbarung von Geschäftsgeheimnissen bzw. vertraulichen Informationen geht, habe ich zuvor bei der Geschäftsführung der WiWO um Erlaubnis und um Haftungsfreistellung gebeten. Weil ich keine Antwort erhalten habe, habe ich meine Anfrage auch auf den Aufsichtsrat und den Gesellschaftervertreter ausgedehnt. Überraschender Weise habe ich gar keine Reaktion erhalten.

Ohne Autorisierung und Haftungsfreistellung durch die WiWO und ihres Gesellschafters kann ich keine freiwillige Aussage vor einem privatwirtschaftlichen Schiedsgericht machen, weil ich möglichen Schaden von der WiWO und von mir abwenden wollte. Letztendlich wäre ich in meiner Funktion als ehemaliger Geschäftsführer geladen worden. Deshalb wollte ich keine Fehler machen.

Frank Kerber

Wie bewerten Sie das Schweigen der WiWO bezüglich Ihrer Anfrage?

Frank Kerber: Dass man mir gar nicht antwortet, ist höchst ungewöhnlich. Üblich und sachgerecht wäre es gewesen, wenn man mir nahegelegt hätte, nicht auszusagen. Zumindest ist das die rechtliche Einschätzung von Sachverständigen.

Geschäftsgeheimnis hin, Geschäftsgeheimnis her. Was ist daran heikel, wenn man als WiWO Verantwortlicher in Wien aussagt?

Frank Kerber: Geschäftsgeheimnisse sollen nicht ohne Grund geheim bleiben. Es geht darum, Schaden für sich selbst oder für Dritte zu vermeiden. Werden Geschäftsgeheimnisse preisgegeben, könnte der Geschädigte den Verursacher, in diesem Fall die WiWO, in Regress nehmen und Schadenersatz verlangen. Bei einem privatwirtschaftlichen Schiedsgerichtsverfahren belaufen sich die reinen Verfahrenskosten sehr schnell in einem hohen sechststelligen Bereich. Eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft sollte hier jegliches Risiko vermeiden.

Glauben Sie, dass die WiWO oder Gremienmitglieder dem Makler bereits Unterlagen oder Informationen zu seiner Unterstützung zur Verfügung gestellt haben?

Frank Kerber: Das weiß ich nicht. Fakt ist jedenfalls, dass ein Schiedsgerichtsverfahren in Gang gesetzt und Zeugen aufgerufen worden sind.

Dass man möglicherweise dem damaligen Kaufinteressenten nach nunmehr gut zwei Jahren dabei behilflich ist, Schadenersatz in Größenordnung gegenüber einem Dritten durchzusetzen, wirkt in Kenntnis der damaligen staatsanwaltlichen Ermittlungen gegen Angela Homuth gerade wegen der Machenschaften mit ihm höchst despektierlich. Hat das ein Geschmäckle?

Frank Kerber: Ich war darüber auch sehr überrascht. ich weiß nicht, welche Kontakte zwischen Angela Homuth, Mark Scheiner und dem österreichischen Makler bestehen. Welche Rolle Herr Schulze als neuer Geschäftsführer der WiWO dabei spielt, weiß ich ebenso wenig. Jedenfalls wurden er und Herr Scheiner als Zeugen nach Wien gebeten und sie sind dort auch erschienen, auch wenn eine Zeugenaussage vor einem Schiedsgericht ausdrücklich freiwillig ist.

Wer kann eigentlich Licht ins Dunkel bringen?

Frank Kerber: Normalerweise wäre es Aufgabe des Aufsichtsrates und des Gesellschaftervertreters. Die Stadtverordneten könnten und müssten sich der Sache annehmen, weil sich die Folgewirkungen auch nachteilig auf die WiWO und die Stadt auswirken könnten. Es ist eine Frage der Transparenz in einer kommunalen Gesellschaft, die Vorwürfe öffentlich aufzuklären. Eine gute Gelegenheit für den neuen Bürgermeister, die Dinge zu hinterfragen und die Stadtverordneten ins Bild zu setzen.

 

One Response to Wiener Reise – Was der frühere WiWO-Chef dazu sagt.

  1. Thomas Flieger
    28. Oktober 2022 at 03:45

    Liebes Schulzendorfer-Team,

    Danke, dass Sie das Thema erneut aufgreifen und somit einen Beitrag dazu leisten, zumindest den Versuch der Aufklärung und der Transparenz zu diesen Vorgängen zu erlangen.

    Ich wünsche mir, dass Sie genau diese Fragen, die Sie dem früheren GF der Wiwo gestellt haben, auch kurzfristig den Protagonisten bestehend aus: damaligem und heutigem Gesellschaftervertreter, dem am 28.4. amtierenden Bürgermeister, dem gesamten Aufsichtsrat der WiWo, dem aktuellen GF der Wiwo, dem Makler, der zweiten Streitpartei in Wien und der Kommunalaufsicht stellen und deren jeweilige Antworten hier veröffentlichen. Es wäre ein großartiger Beitrag um weiteres Licht in das Dunkel zu bringen.

    Ich bin auf die Antworten aller Beteiligten sehr gespannt.

    Danke

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