Thomas Drescher – Schummelei bei der Doktorarbeit?

6. Dezember 2020
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Wieder gibt es Plagiatsvorwürfe, wieder gegen einen Prominenten: Es ist der frühere Staatssekretär im Brandenburger Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) und Landrat Loges (SPD) heißer Kandidat für den Posten des Dezernenten für Soziales, Jugend, Gesundheit und Kultur in Dahme-Spreewald, Thomas Drescher.

Plagiat

Der Kommission zur Überprüfung von Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens (KWF) an der Humboldt-Universität zu Berlin liegt seit einigen Tagen ein Antrag auf Überprüfung Dreschers wissenschaftlichen Arbeit zum Thema „Standortstrukturen der Chemischen Industrie in den Neuen Bundesländern“  (Drescher, Thomas: Tectum Verlag Marburg 2003) auf dem Tisch.

In seiner Arbeit versicherte Drescher an Eides Statt: „Die aus fremden Quellen direkt oder indirekt übernommenen Inhalte sind als solche kenntlich gemacht.“

Ein Plagiatsjäger zweifelt an der Versicherung, er hat Ungereimtheiten in der Arbeit entdeckt. „ Leider entsprechen sowohl die zugesicherte Kenntlichmachung als auch die Wissenschaftlichkeit insgesamt nicht den an der Humboldt-Universität tradierten Standards.“, so der Experte.

Aus dem Tectum-Verlag hieß es inzwischen: „Sollten sich im Rahmen des beantragten Überprüfungsverfahrens die Vorwürfe hinsichtlich der bei uns publizierten Arbeit von Herrn Drescher erhärten, so werden wir verlagsseitig selbstverständlich dem Ausgang des Verfahrens angemessene Maßnahmen ergreifen.“

6 Responses to Thomas Drescher – Schummelei bei der Doktorarbeit?

  1. Dr. Dieter Füting
    7. Dezember 2020 at 10:42

    Bücher haben ihre Schicksale.
    Die lateinische Übersetzung dieses berühmten Satzes lautet: Habent sua fata libelli. Umberto Eco interpretiert den Satz in seinem Roman Der Name der Rose im wörtlichem Sinn: Das Buch teilt das Schicksal seiner Besitzer.
    Die Doktorarbeit des Herrn Drescher, so die Analogie, hat seine Schicksale. Herr Drescher wird dieses Schicksal teilen müssen.

  2. ROTE Zorna
    7. Dezember 2020 at 07:24

    @Dr. Füting sowie @Stephan

    Thomas Drescher ist nicht lächerlich.
    Aber er lächelt oft und gern ist einfach ein Netter, der sich kümmert.

    In der Zeitung und im Internet schilderte er mal seine Motive,

    GUTES tun zu wollen !!!!!!

    😉

    Ich persönlich finde ihn sehr sympathisch, praxisnah und überzeugend.

    Zitat:

    Titel sind mir ziemlich egal. Ich bin hier, um eine inhaltlich gute Arbeit vor allem im Interesse der … Jugend zu leisten

    “Wird es bei Ihrem Markenzeichen, dem Pferdeschwanz, bleiben?” (MAZ)

    Drescher: Für mich ist das nur eine Äußerlichkeit – kein Markenzeichen. Meine Haare lasse ich natürlich auch als Staatssekretär nicht abschneiden.

  3. Stephan
    6. Dezember 2020 at 20:40

    Drescher mag von einigen Kollegen als gutaussehend und ausgesprochen charmant empfunden worden sein, nur erklärt das nicht, weshalb er vor lauter Freundlichkeit seinen Stuhl räumen musste.
    # ROTE Zorna: …großer freundlicher Typ, offenes Hemd, lange Haare mit nettem Schwänzchen sind keine Voraussetzungen, um das Ressort Soziales, Jugend, Gesundheit und Kultur zu leiten. Das sind Big Brother Qualitäten. Den Schaden, den dieser Mensch in der Bildung als Schulleiter und Staatssekretär zu verantworten hat, ist nicht wieder gut zu machen. Ein kulturloser Mensch wurde in den Posten des Staatssekretärs gelobt, nachdem er nicht nur augenscheinlich als Schulleiter der Gesamtschule den mit Auszeichnung hoch gelobten Musikbereich „zerdroschen“ hat. Seinem Namen hat dieser Mensch jedenfalls alle Ehre gemacht. „Dresche(r)!“…. koste es, was es wolle.
    Unsere Zukunft wird nur gelingen, wenn unsere Kinder in die Lage versetzt werden, Probleme zu lösen… mit Kreativität und nötiger Vorstellungskraft. Das gesellschaftlich anerkannte Max-Planck-Institut für Bildungsforschung bestätigt in Studien die Transfereffekte musikalischer Förderung auf Problemlösen, Kreativität und Vorstellungskraft (https://www.mpib-berlin.mpg.de/forschung/entwicklungspsychologie/forschungsbereiche/projekte/plastizitaet-bei-erwachsenen/musik-gehirn). Ein Schulleiter einer musikbetonten Schule sollte sich darüber bewusst sein. Oder? An Herrn Drescher ist wohl eine kulturvolle Bildung vorbeigegangen.

  4. Dr. Dieter Füting
    6. Dezember 2020 at 19:41

    ROTE Zorna, ich gebe einen klugen Satz von Honore de Balzac zu bedenken:
    Die gefährlichste Klippe ist die Lächerlichkeit.

  5. Uwe Steffen Peschel (Miersdorf)
    6. Dezember 2020 at 18:55

    “Stephan Rixen ist Sprecher des von der
    Deutschen Forschungsgemeinschaft
    eingesetzten Gremiums

    ‘Ombudsman für die Wissenschaft’.

    Er lehrt Verfassungsrecht an der Universität Bayreuth.

    [und gab ZEIT Campus ONLINE ein Interview]

    Nicht jeder kleine Fehler ist schon wissenschaftliches Fehlverhalten.
    Er verstößt ‘nur’ gegen die Standards guter wissenschaftlicher Praxis.
    Insofern braucht niemand Sorge zu haben,
    wenn er vielleicht in einem Zitat einen Namen irrtümlich falsch schreibt oder mal eine Seite irrtümlich falsch zitiert,
    dann ist nicht gleich der Doktorgrad in Gefahr.
    Solche Dinge können durchaus einmal passieren.

    Aber Plagiate, vorsätzliche oder grob fahrlässige
    Übernahmen fremder Texte oder Ideen,
    die passieren nicht nur einfach mal so.

    Rixen, Stephan: in “DOKTORARBEITEN.PLAGIATE PASSIEREN NICHT NUR EINFACH“, https://www.zeit.de/campus/2019-02/doktoarbeiten-plagiate-wissenschaft-dgf-plagiatspruefung, abgerufen am 06.12.2020.

  6. ROTE Zorna
    6. Dezember 2020 at 18:14

    @Redaktion

    Ob nun Dr. Drescher oder “nur” Thomas Drescher
    … mir wäre des egal, denn auf die Gesamtwirkung
    einer Persönlichkeit in verantwortlicher Funktion
    kommt es doch an oder?

    Viele Kolleg*innen an der Paula (und nicht nur dort)
    empfanden IHN dort (und empfinden ihn auch heute noch)
    als ausgesprochen charmant, offen und gut aussehend
    und auch unkonventionell:

    Großer und freundlicher Typ, offenes Hemd,
    lange Haare mit nettem Schwänzchen.

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