Klartext: “Eine derart starke Bürgerbeteiligung hat es selten gegeben”

10. November 2020
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Nach der Entscheidung des Zeuthener Gemeinderates für den Schulstandort südlich der Münchner Straße regt sich bei Bürgern Widerstand. Hauptgrund: Die mit dem Bauprojekt verbundende Waldabholzung. Eine Initiative bildete sich, sie hat den Naturschutzbund Deutschland (NABU) und ein Anwalt in die Angelegenheit eingeschalten.

Karl Uwe Fuchs, Chef der Zeuthener FDP und Vizepräsident des Kreistages befürwortet den Standort. Der Schulzendorfer sprach mit ihm.

Sie haben sich für den Standort im Bayrischen Viertel ausgesprochen. Warum haben Sie ihn vor allen anderen vorgezogen?

Karl Uwe Fuchs: Ursprünglich wollten wir als Fraktion für den Standort in der Schillerstraße stimmen. Hätten wir das getan, wäre das auch der Grundschulstandort geworden, weil die Entscheidung derart knapp war, dass es die Entscheidung von Münchener Straße hin zur Schillerstraße geändert hätte. Doch in der vorangegangenen Diskussion haben die Grünen vor der Entscheidung dargestellt, dass das Gebiet Schillerstraße in einer sogenannten „Wasserschutzzone IIIb“ liegt.

Eine Bebauung mit einer Schule wäre hier zwar zulässig, aber das war für uns aus ökologischen Gründen schon ein wichtiges Argument gegen diesen Standort.

Fuchs

Die Verwaltung hat nach dem Hinweis der Grünen neue Standorte geprüft und festgestellt, dass eine weitere Fläche in der Nähe der Münchener Straße im Eigentum der Gemeinde steht. Anders als in der Schillerstraße, wo ein eher hochwertiger Mischwald existiert, ist in der Münchener Straße ein nicht so wertiger Kiefernwald betroffen. Diese Fläche befindet sich nicht in einer Wasserschutzzone. So kam der Standort überhaupt erst in die politische Diskussion. Wir haben uns dann für diesen Standort entscheiden, weil wir auf beiden Seiten der Bahnlinie eine Grundschule vorhalten möchten. Es geht hier ausschließlich um die Sicherheit der Kinder.

Was spricht für Sie gegen den Eichwalder Bauhof als Standort?

Karl Uwe Fuchs: Die Teilfläche des Eichwalder Bauhofes ist in der benötigen Größe nicht verfügbar. Zudem hätte auch für die dann bebaute Teilfläche ein Ausgleich für den Bauhof geschaffen werden müssen, der für uns nicht ersichtlich war.

Außerdem ist dieser Standort für uns viel zu dezentral gelegen. Einige Gemeindevertreter anderer Fraktionen fanden es auch nicht gut, dass eine Schule dann zwischen Friedhof und Müllkippe errichtet wird. Der Zeuthener Winkel ist für uns frühzeitig ausgeschieden. Der Standort hätte dazu geführt, dass wir auf einer Bahnseite zwei Grundschulen haben. Es kommt hinzu, dass wir damit auch in ein Gebiet Verkehr gezogen hätten, das hierfür gar nicht vorgesehen und ausgebaut ist.

Hochgradig problematisch ist aber an diesem Standort, dass durch die verfügbare Fläche im Zeuthener Winkel eine Straße führt. Mittig durch das Schulgelände wäre also eine Straße verlaufen. Das halte ich schon aus Sicherheitsgründen für bedenklich. Zudem wissen wir nicht, welche Bedürfnisse wir in 20 Jahren haben. Daran müssen wir jedoch bereits heute schon denken. Der Standort hinter der Kita in der Heinrich-Heine-Straße hatte das Problem, dass die Gemeinde nicht Eigentümerin dieser Fläche ist.

Bürger machen sich wegen der vielen Bäume, die südlich der Münchner Straße gerodet werden müssten, Sorgen. Wegen dem Eingriff in die Natur. Sind diese Sorgen berechtigt?

Karl Uwe Fuchs: Lassen Sie mich vorweg sagen, dass ich das Gefühl habe, dass einige der Wortführer ihre Liebe zum Wald erst in den letzten Wochen und Monaten entdeckt haben. Genaugenommen in dem Zeitpunkt, als sie gemerkt haben, dass vor ihrer Haustür eine Schule errichtet wird. Ich habe den Eindruck, dass es dabei vordergründig nicht um den Wald geht. Er wird vielmehr als Vorwand genutzt, weil man eigentlich keinen Kinderlärm durch eine Grundschule haben möchte. Das gilt natürlich nicht für alle Betroffenen, aber doch für einige. Kinderlärm gehört aber im Leben dazu und ist unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. Meine Fraktion hat übrigens die Besonderheit, dass alle Fraktionsmitglieder in der Nähe der Grundschule am Wald wohnen. Ich kann eine solche Einstellung daher nicht nachvollziehen.

Hier sollen Bäume für eine Schule gefällt werden.

Hier sollen Bäume für eine Schule gefällt werden.

Den wirklich um den Wald besorgten Einwohnern kann ich sagen, dass natürlich auch wir eine Waldumwandlung unschön finden. Aber ich kann dort beruhigen und bitte folgendes zu bedenken: Es muss Zeuthen als Gesamtes betrachtet werden. Das Gebiet der Gemeinde Zeuthen besteht zu 40 Prozent aus Wald. Insgesamt ist es rund 4,6 Millionen Quadratmeter. Bei der betroffenen Fläche handelt es sich also um 0,3 % der Waldfläche der Gemeinde Zeuthen.

Das aber auch nur dann, wenn nicht auf dem Gemeindegebiet neu aufgeforstet wird. Das ist aber unser aller Ziel. Deshalb muss man als Kommunalpolitiker in einer solchen Situation abwägen.

Für uns hatte die Sicherheit der Kinder in Gestalt von kurzen Schulwegen ein höheres Gewicht als die flächenmäßig gering betroffene Waldfläche. Vor allem, weil wir diesen wie gesagt kompensieren werden. Das findet natürlich nicht jeder gut. Dafür habe ich auch Verständnis. Wichtig ist aber für uns, dass wir zeitnah an das Ziel gelangen: Die überlasteten Kapazitäten der Grundschule am Wald deutlich zu entlasten.

Es sind Stimmen laut geworden, dass Bürger nicht ausreichend in die Standortentscheidung einbezogen wurden. Teilen Sie die Ansicht?

Karl Uwe Fuchs: Ein klares Nein. Eine derart starke Bürger Beteiligung, wie in dieser Sache, hat es selten gegeben. Zunächst wurde die Standortfrage mehrfach in der Gemeindevertretung sowie in allen Fachausschüssen der Gemeinde beraten. Nirgends sind betroffene Anwohner vorstellig geworden oder haben uns als Fraktion Bedenken vorgetragen.

Neben den Gemeindegremien wurden auch die Beiräte der Gemeindevertretung und die Kitaausschüsse beteiligt. Die Gremien der Gemeinde und die Kitaausschüsse haben sich im Übrigen alle mehrheitlich für den Standort Münchener Straße ausgesprochen.

Darüber hinaus hat die Gemeinde zur besseren Bürgerbeteiligung am 29. April 2020 eine Sonderausgabe der Zeitung am Zeuthener See an alle Zeuthener Haushalte verteilt. Darin ging es ausschließlich um die Standortfrage. Die Bürger konnten hier sogar per beigefügter Karte Hinweise an die Gemeinde geben.

Ferner haben die Fraktionen in mehreren Ausgaben der Zeitung am Zeuthener See über die in Frage kommenden Standorte berichtet. Auch in der MAZ sowie im Internet wurde darüber lebhaft diskutiert.

Es ist für mich schlicht nicht vorstellbar, dass kein interessierter Bürger von dieser Entscheidung etwas mitbekommen haben will. Das Verfahren streckte sich weit über ein Jahr und war ein Dauerthema. Daher kann ich es nicht nachvollziehen, wenn sich einige betroffene Einwohner erst jetzt, nach den gefassten Beschlüssen, melden.

Wir brauchen nach einem solch langen Verfahren Entscheidungen, die Bestand haben. Wir drehen uns ansonsten zu Lasten der Kinder im Kreis. Das geht in keinem Fall. In einer Demokratie gehört auch dazu, Entscheidungen zu akzeptieren.

16 Responses to Klartext: “Eine derart starke Bürgerbeteiligung hat es selten gegeben”

  1. Axel Mieritz
    24. November 2020 at 10:32

    Sehr geehrter Bienenliebhaber,

    sie sprechen mir aus der Seele!

    Leider empfinde ich es als Mitglied des Baum- und Naturschutzbeirates von Zeuthen auch als sehr bedenklich, wie mit unserer Natur im Ort umgegangen wird.

    Auch ich bin der Meinung, dass einige Gemeindevertreter es mit unserer Natur und Umwelt nicht so ernst nehmen, wie es aus naturschutzfachlicher Sicht nötig wäre :°-(

  2. Bienenliebhaber
    14. November 2020 at 22:43

    Sehr geehrter Herr Fuchs,

    es ist erstaunlich, mit welcher Blauäugigkeit Sie an das Thema Wiederaufforstung herangehen. Und mit welcher Unwissenheit und Selbstherrlichkeit Sie diesen Wald südlich der Münchener Str. als nicht wertigen Kiefernwald bezeichnen. Südlich der Münchener Str. würden viele 50-60 Jahre alte Stiel- und Traubeneichen, Ahorne etc. vernichtet werden – Sie waren augenscheinlich noch nie in diesem Waldstück. Was für ein Schaden für die Tier- und Pflanzenwelt – was für eine Anmaßung und Dummheit der Menschen.
    Selbst wenn Sie es mit der Wiederaufforstung ehrlich meinen sollten (da für Sie der Wald ja augenscheinlich nur ein Spiel mit Prozenten ist), muss Ihnen doch klar sein, dass es einer ganzen Generation bedarf, bevor ein in großen Teilen 60-70 Jahre alter Mischwald mit einem Laubbaumanteil von rd. 20-25%, wieder nachgewachsen ist.
    Eine Wiederaufforstung ist -wie Sie sehr wohl wissen- mit sehr hohem Kosten- und Pflegeaufwand verbunden. Auf vegetationslosen Flächen wächst nicht mal so einfach ein neuer Wald heran, ohne den Schutz und das Zusammenspiel mit einem vorhandenen Bewuchs. Augenscheinlich haben Sie in Heimatkunde nicht wirklich aufgepasst.
    Schauen Sie sich die Ersatzpflanzungen im Zeuthener Winkel an! Schätzungsweise 50% sind zum Scheitern verurteilt und abgängig … wieder verlorene Jahre für unser Klima, für die Luft, die Sie täglich atmen. Was für ein Erbe hinterlassen Sie der Nachkommenschaft? Gut ausgebildet, gewandelt auf sicheren Schulwegen, aber im Klimachaos endend. Was für eine Kurzsichtigkeit!
    Dass Sie den Bewohnern rund um die Zeuthener Heide unterstellen, diesen Wald „erst jetzt entdeckt zu haben“ ist eine Anmaßung die ihresgleichen sucht. Sie sollten sich schämen, als Gemeindevertreter so anmaßend und abschätzig über ihre Mitbürger zu sprechen!

  3. Jonas Reif
    13. November 2020 at 12:03

    Sehr geehrter Herr Krahn,

    sich verändernde Rahmenbedingungen machen es manchmal notwendig, Entscheidungen zu überdenken und wenn notwendig auch zu korrigieren.

    Die Entscheidung für eine zweite Grundschule fiel ohne jegliche Betrachtung der Kosten, damals gab es aber zumindest noch Förderprogramme für Schulbauten vom Land. Heute wissen wir, weche Kosten eine kommunale Schule verursacht. Wir wissen auch, dass dies unsere eigenen Mittel weit übersteigt (es ist mir nicht bekannt, dass sich die FDP für deutliche Steigerungen der Steuern einsetzt).

    Die wirtschaftliche Lage hat sich massiv verändert/verschlechtert. Eine realistische Betrachtung der Situation gebietet es gerade zu, alle Alternativen noch einmal auf den Tisch zu holen. Entscheidend ist, dass die Schulsituation zeitnah und nicht erst nach 10 Jahren verbessert wird.

    Auch in anderen Punkten hat die Gemeindevertretung klare Beschlüsse gefasst (z.B. Tunnel am Forstweg). Dennoch hat die Gemeinde in der jüngsten Tunnelstudie auch andere Standorte untersuchen lassen.

  4. Andreas Krahn
    13. November 2020 at 01:13

    @Prof. Jonas Reif
    Die Gemeindevertretung hat entschieden, die bestehende Grundschule am Wald nicht um weitere Züge zu erweitern.
    Die Gemeindevertretung hat entschieden, dass ein Schulstandort östlich der Bahn geschaffen werden soll.
    Die Gemeindevertretung hat sich für den Schulstandort Münchner Straße entschieden.
    Es mag sein, dass Sie den Argumenten nicht folgen wollen.
    Aber bitte – demokratische Entscheidungen sind zu respektieren und nicht ständig in Frage zu stellen, bis das gewünschte Ergebnis erreicht ist.

  5. Lärmgegner
    12. November 2020 at 07:09

    @ Prof . Jonas Reif Sie widersprechen sich. Auch wenn kein roter Faden durch Ihre Aussagen sich ziehen, finde ich es gut :

    Dass Sie sich bemühen, Licht in den Wald zu bringen und Sie anmahnen den: ” Diskussionsprozess um die Grundschule (Standort, Betreiberform) in Gänze noch weitergeführt”

    Anzumerken ist auch, dass Beschlüsse wieder verändert werden können.

    Aber hören Sie endlich auf, von Demokratie zu sprechen. Keine Partei schwert sich einen Dreck darum, die Interessen der Bürger durchzusetzen- geschweige anzusprechen. Für die Futtertröge der Macht, sind Interessen von Einzelleute mehr entscheidend, als gesellschaftliche Notwendigkeiten. Auch in Zeuthen.

    Es kann nicht sein, das Gesundheit und Lebensjahre- Verhandlungsmasse der Politik – auch der Grünen / Bündnis 90 – sind. Und später der Satz von Ihrer Partei immer wieder fällt – Wir konnten uns gegenüber der SPD. der CDU nicht durchsetzen.

    Ob BER oder Wald – es ist keine politische Kultur mehr ausgeprägt, so dass man Gemeindevertreter schätzen kann. Die Bürger sind satt, sie vertreten die Auffassung – die machen ja doch was sie wollen . Und wenn sich jemand bemüht, wird es als dumm abgstemmelt.

    Trotzdem muss man Ihnen danken, sich zu bemühen und auch in die Diskussion einzugreifen. In Schulzendorf und im Kreis haben wir lautlose GV / Vertreter, die wir vor Fluglärm überhaupt nicht mehr hören.

  6. Andreas Schmidt
    11. November 2020 at 18:31

    Endlich spricht es mal jemand offen aus…….das habe ich mir die gesamte Zeit schon gedacht. Die Argumente sprechen doch total eindeutig für die Münchener Straße…….

  7. Axel Mieritz
    11. November 2020 at 18:26

    Sehr geehrter Herr Fuchs, falls sie mit Gutachten die vom Büro Waldkonepte errstellte Bestandsinventur vom 1.2.2019 meinen, so wird dort von 99,09 ha Holzboden gesprochen. In unserem Waldleitbild haben wir nur die flächen berücksichtigt, die größer als 2ha sind. Aber sie kennen doch das Waldleitbild.
    Aber auch mit 116,03ha, was dann auch den Nichtholzboden beinhaltet, liegen ihre Zahlen deutlich davon entfernt!!!

    Wenn sie meinen Kommentar richtig gelesen hätten, habe ich lediglich die Fläche von Zeuthen aus Wikipedia übernommen und nicht die entscheidende Fläche des Zeuthener Waldes!

    Und vielleicht machen sie sich einmal die Mühe und schauen sich die Waldflächen in einem Luftbild ihrer Wahl (aber bitte ein aktuelles) an. Da sind wir von 40% weit entfernt!

  8. Zicke
    11. November 2020 at 18:21

    Und noch einmal :
    Mark Twain hat es gesagt: “Es ist leichter die Menschen zu täuschen, als sie zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind.”

  9. Jonas Reif
    11. November 2020 at 17:46

    Es gab eine demokratische Entscheidung in der Gemeindevertretung, die zugunsten der Münchner Straße ausfiel – wenn auch sehr knapp. Zudem ist die Darstellung von Herrn Fuchs richtig, dass sich der Prozess der Standortwahl über einen längeren Zeitraum zog, mehrere öffentliche Ausschüsse tagten und dazu sogar eine Sonderveröffentlichung von “Am Zeuthener See” verteilt wurde.

    Dennoch erscheint mir die Aussage, dass es eine derart starke Bürgerbeteiligung selten gegeben hat, unpassend. Man muss bedenken, dass der Standort Münchner Straße anfänglich gar nicht zur Diskussion stand und eine geplante Einwohnerversammlung, wo das Projekt vorgestellt werden sollte, aufgrund von Corona abgesagt werden musste.
    Man erinnere sich: Herr Fuchs hatte sich z.B. beim Grünstreifen zwischen der Ost- und Westpromenade für solch eine umfängliche Einwohnerbeteiligung stark gemacht – vor allem auch unter Einbeziehung der Betroffenen.

    Der gesamte Prozess der Standortfindung verlief nicht ausreichend transparent. Für den Schulneubau wurden Schülerzahlen angenommen, die weit über den (großzügig) kalkulierten eigenen Bedarf hinausgehen.

    Zudem wurde bei der Ermittlung der notwendigen Flächengröße so getan, als ob man eingestöckig bauen würden und Pausenflächen für Hort und Schulkinder jeweils getrennt anlegen müsste.

    Während die 4-5zügige Grundschule am Wald (um die 600 Schüler) mit 11.500m² auskommt, wurden für die neue Grundschule mit der Hälfe der Kinder 15.000m² als notwendig erachtet.

    Dies hat die Suche nach einer geeigneten Fläche von Anfang an stark begrenzt. Vermutlich ist sogar eine Fläche von 7.-8.000m² ausreichend, wenn mehrstöckig gebaut wird (wie es z.B. in Schulzendorf derzeit geschieht).

    Somit ergeben sich auch im Zeuthener Winkel noch ganz andere Optionen, als bislang diskutiert (also neben der Bauhoffläche und an der Südspitze der derzeitigen Bebauung).

    Anders als von Gemeindevertretern gefordert, wurde auch nicht über die Bewertungskriterien und -gewichtungen diskutiert, sondern einfach eine fertige Bewertung auf den Tisch gelegt.

    Diese enthält teils absurde Kriterien. So wurde zum Beispiel 20% der Wertungspunkte für die Grundstücksgröße vergeben (um so größer, um so besser, selbst wenn es ein vielfaches der benötigten Fläche war).

    Trotz besseren Wissens wurden zumdem Grundstücke – konkret das Bauhofsgrundstück – als Wasserschutzgebiet und Altlastenverdachtsfläche bewertet.

    Es ist richtig, dass die Fraktion Grüne auf die Problematik des Wasserschutzgebietes beim Grundstück Schillerstraße hingewiesen hat. Was Herr Fuchs unerwähnt lässt, ist, dass die Fraktion Grüne zudem eine fachliche Einschätzung zum ökologischen Wert der beiden Grundstücke Schillerstraße und Münchner Straße vorgenommen und allen Gemeindevertretern zukommen lassen hat.

    Im Ergebnis ist die Schillerstraße als weniger wertig einzuschätzen – der straßennahe Bereich ist von der Waldqualität deutlich schlechter als im Bereich der Münchner Straße (dieser ist bereits ein intakter Laubmischwald – hier vertauscht Herr Fuchs offensichtlich etwas).

    Es ist schade, dass Herr Fuchs auch nicht dem angebotenen Vor-Ort-Termin teilgenommen hat. Dort hätte er sich augenscheinlich von der jeweilgen Waldqualität überzeugen können.

    Auch ist zu bedauern, dass weder auf den Baum- und Naturschutzbeirat noch die Mehrheit der Einwendungen gehört wurde, die sich nach Sonderausgabe von “Am Zeuthener See” klar gegen einen Waldstandort ausgesprochen haben.

    Auch das Argument, dass man beiderseits der Bahn eine Grundschule braucht, halte ich für nicht entscheidend. Die heutige Grundschule am Wald wurde Anfang der 1990er Jahre genau in die Mitte des Ortes gebaut, um damit die Grundschulen in Miersdorf und Zeuthen zu ersetzen. Wenn jetzt, wie diskutiert wird, in der Münchner Straße eine Evangelische Schule entsteht, dann heißt das auch, dass Schüler aus dem weit entfernten Falkenhorst hierhin kommen können (oder gebracht werden), genauso wie Schüler aus dem Brandenburger Viertel weiterhin die Grundschule am Wald besuchen können. Somit wird der tägliche Schülerverkehr ggf. noch zunehmen. Eine zweite kommunale Grundschule ist derzeit für die Gemeinde einfach nicht finanzierbar – nur diese würde zu Schulbezirken führen und im Ergebnis weniger Verkehr bedeuten.

    Angesichts klammer Kassen und einem ohnehin geplanten Mehrzweckgebäude an der Grundschule am Wald stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, hier zuätzliche Klassenräume zu schaffen. Der derzeit in Aufstellung befindliche Bebauungsplan würde dies hergeben und relativ zeitnah eine Verbesserung der Situation ermöglichen.

    Im Zeuthener Winkel könnten auf deutlich weniger Fläche als den 15.000m² zusätzliche Angebote freier Träger entstehen, die zu einer weiteren Entlastung der Grundschule am Wald führen. Eine von einem Investor angedachte östliche Straßen-Tangente im Zeuthener Winkel würde Einwohner entlasten und zugleich die notwendige Anbindung aus Nord und Süd an solche Schulangebote herstellen. Zudem könnte eine Fußgängerbahnunterführungen oder eine Brücke einen sehr kurzen Schulweg zum Bayrisches Viertel schaffen.

    Trotz der Entscheidung und den (sehr spät) vorgebrachten Einwänden der Bürger würde ich es begrüßen, wenn der Diskussionsprozess um die Grundschule (Standort, Betreiberform) in Gänze noch weitergeführt wird. Ein breiter Konsens in der Einwohnerschaft ist noch immer die beste Legitimation für Entscheidungen.

  10. Peter Fischer(Zeuthen)
    11. November 2020 at 16:13

    Die Argumente von Herrn Fuchs sind stichhaltig. Ich schließe mich ihm an, Die “Bürgerinitiative” besteht meiner Meinung nach aus Menschen, die vor ihrer Tür keine Schule haben wollen.

  11. Zeuthener
    11. November 2020 at 14:29

    Es ist doch wohl vollkommen egal um wieviel Wald es sich flächenmäßig in Zeuthen handelt, es ist traurig, das in Zeiten des Klimawandels überhaupt darüber diskutiert wird wieviel Waldfläche für so ein Projekt gerodet werden muß, es geht hier um viel mehr, um unsere Gesundheit und die unserer Nachkommen. Bildung ja, aber nicht auf Kosten der Gesundheit. Es gibt genug andere Flächen. Jeder der dieses Gebiet kennt, weiß das alleine im Bereich der Münchener Str. ( und die ist nur ca. 120m lang) alleine 16 Eichen stehen! Von wegen reiner Kiefernwald! Wo bleibt bitte hier die Verantwortung für Klima , Umwelt und Gesundheit wenn alles zu gepflastert wird.

  12. Zeuthener
    11. November 2020 at 13:07

    Ich kann das Gesagte nur unterstützen. Herr Fuchs trifft den Nagel auf den Kopf. Danke!

  13. Karl Uwe Fuchs
    11. November 2020 at 08:38

    Lieber Herr Mieritz,
    meine Zahlen stammen in der Tat nicht aus Wikipedia, sondern aus einem Gutachten, welches die Gemeinde Zeuthen in Auftrag gegeben hat. Sie können die von mir verwendeten Zahlen in der durch die Gemeindevertretung beschlossenen Gefahren- und Risikoanalyse nachlesen. Für mich sind Zahlen von objektiven Gutachtern die Grundlage meiner Betrachtung. Insoweit ist es doch eine erfreuliche Nachricht, dass Zeuthen über mehr Waldflächen verfügt, als Sie als Baum- und Naturschutzbeirat bisher ausgingen.

  14. Axel Mieritz
    10. November 2020 at 22:16

    Sehr geehrter Herr Fuchs, vielleicht sollten sie sich einmal genauer mit Zeuthen beschäftigen.
    Zeuthen hat laut Wikipedia ein Fläche von 12,68 Km2 (1268ha), woher haben sie die Größe von 460ha Wald?
    In unserem Waldleitbild von Zeuthen haben wir für Waldflächen, die zu Zeuthen gehören 70ha Wald ermittelt!
    Alleine schon ein Blick in das Luftbild von Zeuthen zeigt deutlich, dass 40% absolut unrealistisch sind.
    Unter diesem Aspekt werden hier 3,6% Wald vernichtet (2,5ha von 70ha, also der 10-fache Wert !!!

    Das vorgesehene Waldstück liegt zentral in Zeuthen und hat eine wichtige Funktion der Klimaregulierung, das ist vielen Menschen (auch Gemeindevertretern) (noch) nicht wirklich klar.

    Axel Mieritz
    Baum- und Naturschutzbeirat der Gemeinde Zeuthen

  15. Lärmgegner
    10. November 2020 at 18:30

    NAchtrag : Diese Herren sollen das Wort Demokratie für sich behalten. Sie selbst sind die, die sich an die Spielregeln nicht halten und selber nicht wissen, was erlebte und gelebte Demokratie ist. Deutschland ein Wintermärchen vin H:H – es hat sich nichts geändert.

  16. Lärmgegner
    10. November 2020 at 18:26

    Herr Fuchs kümmert nichts. Ich hasse diese Scheinheiligkeit, so tun, also ob und in Wirklichkeit nur auf Profilierungssuche.

    Da er ja für den BER ist, hat er auch übersehen, dass dieser Standort in der Einflußschneise des BER ist. Läßert nur, er ist kein Volksverträter ! und seine Ausstrahlung im Kreistag ist auch glänzend für uns alle !

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