Im Kreuzverhör: Anika Darmer zum zweiten Schulstandort

7. November 2020
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In einer Sondersitzung des Zeuthener Umweltausschusses zur Standortentscheidung einer zweiten Grundschule hat sich eine Mehrheit für die Waldfläche südlich der Münchner Straße ausgesprochen. Daneben standen die Waldfläche westlich der Schillerstraße sowie der Zeuthener Winkel als mögliche Standorte zur Debatte. Jetzt regt sich bei Bürgern Widerstand gegen die Entscheidung.

Der Schulzendorf sprach mit der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Anika Darmer, über die Standortentscheidung.

Ihre Fraktion hat als zweiten Zeuthener Schulstandort das Gelände des Eichwalder Bauhofes favorisiert. Warum gerade den und nicht den Standort Bayrisches Viertel bzw. Schillerstraße auf der anderen Seite der Bahntrasse?

Anika Darmer: Das Gelände des Eichwalder Bauhofes war einer von zwei untersuchten Standorten, die sich nicht in kommunalen Waldgebieten befinden. Unser Votum für diesen Standort war also vor allem ein Votum für den Zeuthener Wald. In Zeiten von Dürresommern und Klimakrise ist es für uns unverständlich, dass eine Mehrheit der Gemeindevertretung sich für einen Standort in Waldflächen eingesetzt hat.

Die Fraktionschefin der Grünen moniert unzureichende Bürgerbeteiligung in der Standortfrage. (Foto: mwBild/Bliefert)

Die Fraktionschefin der Grünen moniert unzureichende Bürgerbeteiligung in der Standortfrage. (Foto: mwBild/Bliefert)

Befürworter des Standortes Bayrisches Viertel argumentieren mit dem Slogan „Kurze Beine, kurze Wege“. Teilen Sie den?

Anika Darmer: Wir verstehen dieses Argument. In dem komplexen Entscheidungsfindungsprozess mussten wir jedoch verschiedene Kriterien abwägen. Natürlich ist eine fußläufige Grundschule etwas Tolles. Wir glauben aber, dass unsere Verantwortung, den künftigen Generationen eine gesunde Umwelt zu hinterlassen, schwerer wiegt, als die Verantwortung, ihnen kurze Schulwege zu ermöglichen. Um beiden nachzukommen haben wir eine Personenunter – oder – überführung zum Zeuthener Winkel vorgeschlagen. Bei der Suche nach einem geeigneten Grundschulstandort in Zeuthen müssen wir festhalten: Es gab nicht den einen offensichtlich geeigneten Standort, sonst wäre der Einigungsprozess wohl auch nicht so kompliziert gewesen.

Eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Abholzung der Bäume im Bayrischen Viertel wendet, hat sich gebildet. Mehr als eineinhalb Jahre wurde die Öffentlichkeit zu den Standorten befragt. Nie wurde der im Bayrischen Viertel kritisiert. Kommt der Aufschrei zu spät?

Anika Darmer: Ich muss dieser Darstellung widersprechen. Eine echte Befragung aller ZeuthenerInnen fand nicht statt. Eine offene Bürgerversammlung im Frühjahr wurde coronabedingt abgesagt. Stattdessen hatten die BürgerInnen die Möglichkeit, schriftlich Stellung zu nehmen. Das haben 93 ZeuthenerInnen getan. 55 davon haben sich für einen Standort westlich der Bahn ausgesprochen, mit der Forderung ‘keine Waldrodung’! Vielleicht konnten sie sich im laufenden Prozess einfach nicht vorstellen, dass ihre Stimme von der Gemeindevertretung ignoriert würde. Wir befürworten bürgerschaftliches Engagement und finden es bewundernswert, dass sich die ZeuthenerInnen trotz der Enttäuschung noch einmal Gehör verschaffen wollen.

2 Responses to Im Kreuzverhör: Anika Darmer zum zweiten Schulstandort

  1. Ulrich Häusler
    7. November 2020 at 22:04

    Leute, haltet bitte den Ball flach. Weil einige Hektar Wald fallen, wird nicht gleich die Klimakatastrophe ausbrechen. Bitte keine Umwelthysterie. Außerdem wird es Ersatzpflanzungen geben. Ich werde das Gefühl nicht los, dass gerade diejenigen Baumschützer geworden sind, vor deren Haustür die Schule gebaut werden soll.

  2. Petra Wendland
    7. November 2020 at 16:16

    Es haben sich erstaunlich wenige Bürger (93) an der Bürgerbefragung beteiligt. Warum? Desinteresse, weil keine Schulkd. im Haus oder aufgebaute Resignation, da in Vergangenheit Bürgerinitiativen und Volksentscheiden widersetzt wurden. Und dennoch, in den vielen Gesprächen mit Bürgern der Nachbarschaft und Spaziergängern wurde sehr deutlich, dass Jeder hoffte, dass keine Waldfläche, keine Bäume weichen müssen. Zeuthen und Umgebung wurde stetig zugebaut. Dass der Zuzug von Familien auch ein Mehrbedarf an Kindergärten- und Schulplätzen bedeutet, ist logisch und sollte von vornherein eingeplant werden. Kinder benötigen auch gute Luft, Freiflächen zum Spielen und der große Rest der Bevölkerung ebenfalls. In diesem Wald spielt die Kita, ein Riesenkomplex für Senioren wurde dort errichtet. Der Wald dort ist immer voller Spaziergänger und es gibt keine Alternative in der Nähe. Muss man bald mit Pkw zum Spazieren fahren?!?
    Bitte stoppt die Abholzung! Bitte aktiviert den Widerstand

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