Bitter: „Die Klinik hat meinen Hund verschludert!“

23. Juli 2021
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Königs Wusterhausen. Voller Hoffnung begab sich unlängst Uliane Koch (Name geändert – die Red.) mit ihrem Riesenschnauzer morgens in die Obhut des „Veteria FachtierarztZentrums“ in Königs Wusterhausen, weil ihr Haustierarzt nicht weiterhelfen konnte. Ihr Hund befand sich in bedrohlicher Situation, fraß seit 24 Stunden nichts, übergab sich pausenlos, war wackelig auf den Beinen und apathisch.

Kurz nach 10:30 Uhr stand nach einer Strahlenbildaufnahme fest: Im Darm des Hundes befand sich ein etwa 10 cm langes Objekt. Der Ileus – Verdacht lag auf der Hand, zu gut Deutsch: Darmverschluss. Dass der nicht zwangsläufig zum Tod eines Hundes führen muss, bestätigt eine Berliner Tierärztin: „ Das hängt auch davon ab, wie schnell die Ursache gefunden und behoben wird.“

Im „Veteria Fachtierarzt-Zentrum“ ließ man sich mit dem Beheben Zeit. Es musste zunächst noch eine Mittagsvisite durchgeführt werden. Erst gegen 15 Uhr, also nach mehr als 4 Stunden, teilte man Koch mit, die dringend nötige Operation könne im „Fachtierarzt-Zentrum“ gar nicht ausgeführt werden. Der Grund war ein ganz trivialer: Es gab keinen Nachtdienst und somit konnte das arme Tier nachts nicht überwacht werden.

Veteria Tierklinik
Bildmontage: mwBild

Warum dem „Fachtierarzt-Zentrum“ das erst nach so langer Zeit klar wurde, dazu wollte sich Klinikchef Dr. Enno Bartolomaeus auf Anfrage nicht äußern. „Wir bitten um Verständnis, dass wir vertrauliche Details zu tiermedizinischen Behandlungen immer nur zwischen dem Tierbesitzer und Tierarzt besprechen.“, so der Veterinärmediziner.

Von Transparenz hält der Klinikchef offenbar nicht viel. „ Ich durfte bei keiner Untersuchung meines Hundes anwesend sein. Ich weiß gar nicht, was mit ihm gemacht wurde. Ich habe auch kein Tierarzt getroffen, der sich mit mir über den Zustand von meinem Hund unterhalten hat.“, so Koch.

Nach dem OP-Korb fuhr Koch mit ihrem Hund  in eine Berliner Tierklinik im Norden der Stadt. Dort wurde er unmittelbar nach Eintreffen gegen 19 Uhr operiert. Eine Stunde später verstarb er auf dem OP-Tisch.

Gut möglich, dass der Hund auch den Eingriff in Königs Wusterhausen nicht überstanden hätte. Dass das „Fachtierarzt-Zentrum“ erst nach stundenlangem Warten offenbarte, es sehe sich außerstande die Operation wegen des fehlenden Nachtdiensts durchzuführen, wirft Fragen nach seiner Qualität auf. 

10 Responses to Bitter: „Die Klinik hat meinen Hund verschludert!“

  1. Ach was
    25. Juli 2021 at 10:09

    Ein Hund ist ein Privatpatient und wird besser behandelt, als manch Kassenpatient in einer ” Einrichtung” für Menschen. Er kann sogar in Würde sterben !

    Wie unbehandelte Menschen in diesem Einrichtungen kaputt gehen, weil ihnen selbst erste Hilfe versagt wird – interessiert kein Hund in Schulzendorf- ebenso, wie die Katzen unter dem Dreck und Fluglärm leiden müssen.

    Herrchen hat aber Marktwirtschaft : Der Nächste bitte !

  2. Linda Simon
    24. Juli 2021 at 14:54

    Der Tierschutzverein Königs Wusterhausen http://www.tierschutzverein-kw.de steht Tierbesitzern auch in Rechtsfragen zur Seite.
    Liebe Grüße aus Niederlehme

  3. Petra
    Petra
    24. Juli 2021 at 12:03

    Sie schimpft sich Tagesklinik, nimmt man es genau ist es Irreführung. Denn bei einer Tagesklinik schlafen die Betroffenen zu Hause, kommen am nächsten Morgen wieder. Wie soll das bei einem Tier funktionieren? Ehrlich wäre es sich Tierpraxis zu nennen. Mit tiermedizinischer Sorgfalt hat der Fall wenig zu tun. Armer Hund.

  4. Grisu
    Grisu
    24. Juli 2021 at 07:43

    Beim Menschen würde die Staatsanwaltschaft wegen unterlassener Hilfeleistung ermitteln. Ein Tier ist aber nur eine Sache. Die lange Zeit bis den “Fachärzten” eingefallen ist, dass sie nicht operieren können, spricht nicht gerade für die Klinik.

  5. Olli
    24. Juli 2021 at 06:12

    Ich war mit meinem Hund einmal da. Nie wieder. In Bestensee fühle ich mich besser aufgehoben.

  6. Sebastian Engel
    23. Juli 2021 at 23:25

    Dass ein Tier eine OP nicht überlebt, passiert eben. Inakzeptabel ist aber, wenn der Hundebesitzer stundenlang im Glauben gelassen wird, seinem Tier wird geholfen und nach Stunden heißt es dann April, April. Warum hat man nicht nach dem Röntgen gesagt, dass man nicht operieren kann.

  7. Elke
    23. Juli 2021 at 21:07

    Ich verstehe dass Problem nicht???? Es ist wie im normalen Krankenhaus für Menschen!!!! Die einen haben Glück die anderen nicht!!! Willkommen in der Realität!!l

  8. Heutemalohne
    23. Juli 2021 at 20:59

    Also ich habe seit mehreren Jahren nur gute Erfahrungen mit der Klinik gemacht. Es stand bei uns bereits mehrmals auf der Kippe.
    Dass man derzeit nicht mit zur Behandlung rein darf, ist Corona geschuldet. Ich habe auch noch nie erlebt, dass die Patienten nicht aufgeklärt wurden, sowohl über die derzeit herrschenden Corona-Bedingungen, als auch über Therapien, Diagnostik oder Preise.
    Und warum die Tierhalter dann ebenfalls nochmal 4 h bis nach Berlin brauchen, erschließt sich mir auch nicht.
    Und warum hat der Haustierarzt nicht weitergeholfen? Er hätte zumindest ja Informationen zu Kliniken mit echtem Notdienst geben können, denn Veteria macht das, soweit ich weiß, schon eine Weile nicht mehr.
    Leider sehr einseitig berichtet.

  9. Herbert
    23. Juli 2021 at 18:01

    Unter der Leitung des früheren Direktors Dr. Reczko wäre das nie passiert. Die Schwestern kommen mir vor, als glauben sie, dass sie sich auf einem Modelaufsteg befinden. Ich gehe jedenfalls auch nicht mehr hin.
    Gruß aus Zeesen!

  10. Klaus Singer, Wildau
    23. Juli 2021 at 16:45

    Ich kann der Besitzerin nur raten, sich an die Tierärztekammer zu wenden. Es ist übel, was da geschehen ist.

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