Zeuthener Winkel: Großprojekt mit 273 Wohnungen

6. November 2019
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Zwischen dem Flutgraben und dem Wald an der Nordschranke will ein Investor ein Mammut- Projekt, eine Wohnanlage mit 273 Wohneinheiten, stemmen.

Rund 600 Einwohner sollen in die Drei- und Viergeschosser im Zeuthener Winkel ziehen. Die Errichtung einer Kita, eines Gesundheitszentrums und kleiner Läden sind geplant.

Ein Luftbild der geplanten Wohnanlage (Präsentation KoKo Immobilien Handels- und Verwaltungs- GmbH)

Ein Luftbild der geplanten Wohnanlage (Präsentation KoKo Immobilien Handels- und Verwaltungs- GmbH)

Problem: Der Gemeinderat müsste den Flächennutzungsplan ändern. Denn das Areal ist als Grünfläche ausgewiesen. Unlängst stellte der Investor das Projekt Zeuthener Abgeordneten vor.

Aus der Debatte über das Projekt lässt sich derzeit ein Trend ausmachen: Das Vorhaben wird von Volksvertretern kritisch bis ablehnend betrachtet.

“Wir sind gegenwärtig nicht für das Projekt. Denn unsere Belastungsgrenze in Sachen Verkehrsinfrastruktur und sozialer Infrastruktur ist nicht angespannt, sie ist überschritten.”, sagte Karl Uwe Fuchs, Chef der Zeuthener FDP und Vizepräsident des Kreistages Dahme – Spreewald. Der FDP – Politiker weiter: “Wir haben im Wahlkampf gesagt, dass wir den grünen Ortscharakter von Zeuthen erhalten wollen. Das Areal ist Grünfläche. Wir müssen den Zeuthenern auch Rückzugs- und Erholungsflächen bieten. Das eben nicht alles komplett bebaut ist. Das ist ein Teil Lebensqualität.”

Bündnis 90/Die Grünen lehnt das Projekt gänzlich ab. „Aus Sicht der Grünen ist die Lebensqualität der hier schon lebenden Zeuthener das wichtigste Maß aller Entscheidungen. Wir sehen keine Qualitätsverbesserung, wenn das Gebiet bebaut und damit die letzte große Freifläche stark dezimiert wird. Auch Freiflächen haben ihren ökologischen Wert. Wir haben derzeit größte Probleme unserer bisherigen Entwicklung gerecht zu werden.“, konstatierte Grünen Chef und Vorsitzender der Gemeindevertretung Zeuthen, Jonas Reif.

Der Schulzendorfer führte zu den Plänen mit Karl Uwe Fuchs ein Kurzinterview :

Herr Fuchs, sie lehnen das Projekt ab und führen als Grund Infrastrukturprobleme an. Was konkret meinen Sie?

Fuchs: In unserer Region wird die Verkehrssituation immer enger, immer dichter. Gerade im Berufsverkehr. Wir haben Wohnprojekte zu laufen, die noch nicht vollständig bezogen sind. Dazu gehören der Ritterschlag in Schulzendorf und auch der Rosenanger in Wildau. Da wird es eine weitere Verdichtung geben. Und wir haben Gewerbegebiete die noch entwickelt werden, zum Beispiel das neben Amazon.

Was genau muss Ihrer Meinung nach geschehen?

Fuchs: Wir sind gut beraten, im Zusammenhang mit diesen Projekten Lösungen zu schaffen, bevor wir uns neuen Verkehr in die Region holen. Unsere Kitas und Schulen sind ebenfalls an ihre Belastungsgrenze gestoßen. Wir bauen jetzt eine große Kita in Miersdorf, mit ihrer Eröffnung wird sie ausgelastet sein. Wenn ich im Zeuthener Winkel ein Bauprojekt mit rund 600 Menschen realisiere, verschärfe ich die Probleme. Ich bin der festen Überzeugung: Wir müssen Wachstum sinnvoll und intelligent steuern. Das ist unsere Aufgabe als Politiker.

Karl Uwe Fuchs (Foto: mwBild)

Karl Uwe Fuchs (Foto: mwBild)

Wie wollen Sie das Wachstum steuern?

Fuchs: Wir müssen unsere Hausaufgaben machen, das heißt, wir müssen die soziale Infrastruktur und die Verkehrsinfrastruktur anpassen. Da passiert schon eine Menge, Anschlussstelle Kiekebusch, Neubau der Kita, Neubau der Grundschule, den Bau des Tunnels. Das alles muss erledigt werden und anschließend kann man über neue Projekte reden.

Aber brauchen wir nicht dringend Wohnungen?

Fuchs: Ja, natürlich, der Zuzug aus der Hauptstadt ebbt nicht ab, im Gegenteil. Man darf aber nicht verkennen, dass es sich bei dem Wohnprojekt nicht um den Bau von Sozialwohnungen handelt. Wir reden hier über den Bau von Luxuswohnungen. Den Menschen, die sich jetzt in Zeuthen schon keine Wohnung leisten können, wäre mit diesem Projekt nicht geholfen.

Keine Bebauung im Zeuthener Winkel – Das letzte Wort der FDP?

Fuchs: Ich würde eine Bebauung nicht für die gesamte Zukunft ausschließen wollen. Wir wissen nicht, wie es in zehn oder zwanzig Jahren mit dem Druck aus Berlin aussieht.

4 Responses to Zeuthener Winkel: Großprojekt mit 273 Wohnungen

  1. Erdbewohner
    6. November 2019 at 19:53

    Ja, furchtbar diese Doppelmoral :( :(
    In Zeuthen wird so ein Projekt abgelehnt, aber in S’dorf zählt nur der Profit :(

  2. Uwe Rappe
    6. November 2019 at 17:48

    Das Projekt ist nicht neu und wurde 1995 so verkauft, dass Menschen eine Allernative haben, um in ZWES zu bleiben, wenn sie mit Rückübergabeansprüchen nicht klar kommen. Auch war zu diesem Zeitpunkt der Autobahnzubringer über die Wagner Straße in Schulzendorf noch ein Thema. Diese Zeiten sind vorbei !

    Was jetzt zu sehen ist, sieht genauso bescheiden aus, wie Ritterschlag, Preussenpark, Zerndorf , Pätz usw. Es geht nicht um Wohnen, es gehr um Kohle für die Bauträger- und Banken, um nichts anderes. Es ist einfach nur ein schlechter Vorschlag und diese Entwicklung in der Ausflugschneise des BER – zwischen alter Kläranlage – Müllkippe und Grölitzer Bahn gehörte dem Spargel – und da haben Häuser nicht wie der Spargel aus dem Boden zu spriesen.

  3. BingeLaden
    BingeLaden
    6. November 2019 at 17:12

    Lieber Herr Reif, ich finde Ihre Position und die von Herrn Fuchs sehr vernünftig. Sie entspricht den Interessen der Bürger. Aber Ihre Kollegen in Schulzendorf wollen die Gemeinde zusammen mit der CDU zu betonieren. Vor den Haustüren der Grünen (Stölzel/Körner)lehnen Ihre Kollegen Wohnungsbau ab. Zu Recht! 3 kilometer weiter soll das Wohngebiet Rosengarten entstehen. Trotz fehlender Infrastruktur sind Stölzel/Körner dort plötzlich dafür. Was ist das für eine Doppelmoral Ihrer Parteikollegen?

  4. Jonas Reif
    6. November 2019 at 15:50

    Ich möchte das Kurzinterview ergänzen. Karl Uwe Fuchs und ich sind uns hinsichtlich der ablehnende Haltung zum konkret geplanten Projekt und zur entwickelnden Infrastruktur einig. Ich bin aber ziemlich sicher, dass wir an dieser Stelle auch in 10 oder 20 Jahren keine Bebauung brauchen. Das heißt nicht, dass wir Grünen uns grundsätzlich einer Entwicklung entgegenstellen. Es gibt auch noch genug Entwicklungspotential, einschließlich dem Bau von Wohnungen, die nicht der Kategorie “gehoben” oder “Luxus” entsprechen.
    Die Entwicklung muss aber mit viel Augenmaß geschehen und sich an den Bedürfnissen der Zeuthener Bürger orientieren. Und nicht an den von Berlin oder anderen.

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