Wegen Regenbogenflagge – Jenoch unter Beschuss!

19. Mai 2026
Von

Eichwalde. Gestern hisste Bürgermeister Jörg Jenoch höchst persönlich vor dem Rathaus die Regenbogenfahne. Sie gilt weltweit als Zeichen der Verbundenheit mit der LGBTQIA-Szene. Damit sind Menschen mit verschiedensten Orientierungen von Sexualität und Geschlecht gemeint: Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender.

Rathaus Eichwalde: Etwa 30 Anhänger sind bei der Hissung der Regenbogenfahne dabei. Die AfD und ihre Unterstützer hielten dagegen..

Etwa 60 Anhänger der bunten Bewegung kamen. Aber auch Mitglieder und Unterstützer der AfD aus Schulzendorf, Königs Wusterhausen, Zeuthen und Wildau kamen und protestierten gegen die farbige Symbolik, hingen Deutschland Fähnchen entlang der Straße auf und schwenkten Nationalfahnen.

Jürgen Heuchling, AfD-Fraktionschef im Eichwalder Gemeinderat übte scharfe Kritik an Jenoch: „Ein Bürgermeister ist kraft seines Amtes zur Neutralität verpflichtet. “Es ist nicht hinnehmbar, dass er im öffentlichen Raum und vor dem Rathaus die Symbolik einer Minderheit anderen gegenüber aufzwingt.“ Jenoch war dazu für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Unter den Kritikern war auch der frühere AfD-Bundestagsabgeordnete Norbert Kleinwächter. Der redete Klartext: Die deutsche Fahne, die wir hochhalten, steht für Recht, Einigkeit und Freiheit. Aber diese bunte Fahne ist ein Angriff auf die Werte, für die unsere Bundesrepublik steht. Wir brauchen keine andere Fahne. Die deutsche Fahne umfasst alle, ob hetero- oder homosexuell, ob Mann oder Frau, diese Fahne verbindet uns.“

120

Ex-Bundestagsabgeordneter Norbert Kleinwächter.

11 Responses to Wegen Regenbogenflagge – Jenoch unter Beschuss!

  1. Andreas Haselow
    23. Mai 2026 at 08:48

    Schwarz-Rot-Gold ist bunt genug – Alles andere ist frei nach Ignazio Silone der Faschismus, der sich bigott als Antifaschismus ziert …

  2. Thomas
    22. Mai 2026 at 16:37

    @Peter Schulze:

    Ich gehe nur auf Ihre Aussagen und Forderungen ein. Wenn Sie anders verstanden werden wollen, sollten Sie dies entsprechend formulieren. Und ja, mein Vergleich hinkt, aber eher in umgekehrter Richtung. Die Deutschlandflagge ist als Staatssymbol geschützt, eine verunglimpfende Nutzung ließe sich gegebenenfalls rechtlich verfolgen. Das würde zumindest etwas abschrecken, macht aber niemand. (Frage nebenbei: Was sollte die brennende Deutschlandflagge auf dem AfD Bus?) Für die Regenbogenflagge existiert diese Möglichkeit nicht. Die queere Community ist auch keine Organisation, aus der man einzelne Personen wegen Fehlverhalten ausschließen könnte.

    “…genau genommen trägt die Bundesflagge den Regenbogen in sich…”

    Das passt weder aus Sicht der Farbenlehre, noch aus Sicht der jeweiligen Farbbedeutungen der beiden Flaggen. Und von den Farben selbst abgesehen: Wie kann die Deutschlandflagge, das Symbol eines einzelnen, eigenständigen und allgemein anerkannten Staates, für eine weltweit existierende und benachteiligte, oft sogar unterdrückte bis lebensbedrohte Gruppe von Menschen stehen?

    Auch die Bundesrepublik hat mit ihrer von den Nazis übernommenen Gesetzgebung, die Verfolgung und Diskriminierung dieser Menschen über Jahrzehnte fortgeführt (BRD bis 1994, DDR bis 1988). Die Werte, für die die Deutschlandflagge steht, galten dabei für queere Menschen nicht. Und obwohl vieles besser geworden ist, gibt es auch heute in Teilen weiterhin eine gesetzliche Ungleichbehandlung und ein großer Teil aktueller Angriffe auf queere Menschen erfolgt durch Menschen, die glauben, damit der deutschen Flagge zu dienen. Wer da erwartet, dass queere Deutsche, an Tagen an denen es um queere Sichtbarkeit geht, die deutsche statt der Regenbogenflagge schwenken, erwartet auch dass Opfer von Vergewaltigungen den Nachnamen des Täters annehmen.

    Nicht falsch verstehen, ich lebe hier gerne und bin gerne deutscher Staatsbürger. Es gibt viel Gutes, für das man gerne stolz die deutsche Flagge schwenken oder vorm Rathaus aufhängen kann. Zur Erinnerung an die queere Geschichte und den weiterhin weltweit vorhandenen Bedrohungen queerer Menschen, ist die Regenbogenflagge aber das einzige Symbol, das zu deren Repräsentation und ihren Wünschen nach Gleichbehandlung sowie gleichen Rechten geeignet ist.

  3. 22. Mai 2026 at 10:00

    Thomas lässt den Strohmann tanzen. Wenns nicht passt wird man extra falsch gelesen oder unmöglich gemacht. Nehmen wir das also gern auseinander:

    Ich habe weder alle Queeren unter Generalverdacht gestellt noch behauptet, die Flagge selbst sei per se etwas Schlechtes. Im Gegenteil, habe ich ja ausdrücklich geschrieben, dass ich ihren ursprünglichen Charakter als Symbol für grundlegende Menschenrechte sogar als wesentlichen Teil meines Wertekompasses betrachte.
    Mein Punkt war ein anderer: Symbole verändern ihre öffentliche Wirkung durch die Art, wie sie gesellschaftlich und politisch verwendet werden. Und genau deshalb reagieren heute auch viele Menschen kritisch auf diese Symbolik. Das mag man falsch finden, aber man kann nicht einfach so tun, als gäbe es diese Wahrnehmung nicht. Und diese Ursachen wieso ich meine, dass das so ist, habe ich aufgezeigt.

    Der Vergleich mit der Deutschlandflagge hinkt dabei aus meiner Sicht insofern, dass die Bundesflagge das Symbol unseres demokratischen Staates und seines verfassungsmäßigen Rahmens ist und auch bleibt, egal wer sie missbraucht. Die Pride-Flagge dagegen steht nicht nur für Grundrechte, sondern heute auch für konkrete gesellschafts- und kulturpolitische Positionen, die eben nicht mehr allgemeiner Konsens sind.

    Deshalb sehe ich einen Unterschied, gerade wenn es um staatliche Gebäude und Neutralität geht.

    Und natürlich muss sich nicht jeder Queere für Ausreißer rechtfertigen. Aber klar – Gesellschaftliche Bewegungen müssen sich gefallen lassen, danach beurteilt zu werden, welche Erscheinungen sie sichtbar tolerieren, relativieren oder verharmlosen. Das gilt übrigens für jede politische oder gesellschaftliche Bewegung.
    Deshalb muss mich derweil ja auch rechtfertigen, wenn ich vor unserem Rathaus die Deutschlandflagge aufhängen möchte. Das ist mir befremdlich, denn genau genommen trägt die Bundesflagge den Regenbogen in sich. Wenn man das nicht so empfindet, ist man selbst vielleicht weiter entfernt von den Grundwerten unserer Republik, als man es selbst gern anderen unterstellt!

  4. Thomas
    21. Mai 2026 at 18:52

    @Peter Schulze:

    Sie fordern in Ihrem verlinkten Kommentar, dass sich queere Menschen zunächst von “problematischen Personen”, “Witzfiguren” und Straftätern distanzieren und klare Grenzen ziehen, damit man die Regenbogenflagge wieder “mit Stolz aufhängen” und für “ihre Symbolik einstehen kann”. Damit stellen Sie alle queeren Menschen und ihre Unterstützer unter Kollektivhaftung. Wer sich dem Fehlverhalten einzelner nicht deutlich genug entgegenstellt, ist automatisch Mittäter, und die beim Fehlverhalten sichtbaren Symbolen werden automatisch zu einem Werbesymbol für diese Taten. Dieser Sichtweise stehen das Grundgesetz und die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland entgegen.

    Aber mal angenommen, wir folgen Ihrer Sichtweise und setzen diese Forderung so um. Gilt das dann ausschließlich für die Regenbogenflagge oder auch für alle anderen? Was ist dann mit der deutschen Flagge? Auch diese wird ja immer wieder durch problematische Personen und Straftäter verwendet. Dass sich unsere 83,5 Millionen Einwohner allesamt von jedem einzelnen Täter distanzieren und jeder die begangenen Taten öffentlich sichtbar verurteilt, ist wohl kaum zu erwarten. Könnten wir unsere Nationalflagge unter diesen Bedingungen also jemals wieder vorzeigen? Wenn Sie konsequent und gleichbewertend vorgehen, sicher nicht.

    Aber eine Flagge ist nur eine Flagge. Sie kann sich nicht dagegen wehren, durch welche Personen und in welchem Kontext sie verwendet wird. Ihre Bedeutung und die Werte für die sie steht, sind jedoch durch ihre eigene Geschichte fest definiert. Einzelne Fälle der Fehlnutzung sollten das nicht in Zweifel stellen.

    @Redaktion:

    Interessant ist, dass man sich innerhalb weniger Zeilen nicht einigen kann, ob bei “der bunten Bewegung” 30 oder 60 Personen anwesend waren. Entgegen der Bildbeschriftung ist dieses auch nicht bei der Flaggenhissung entstanden, sondern etwa 30 Minuten vorher. Zum eigentlichen Termin waren bei der “Minderheit” über 100 Personen anwesend, während bei den AFD Anhängern gerade mal 20-25 Personen zusammen kamen, was man gar nicht erwähnt. Soviel zu Faktentreue und neutraler Berichterstattung.

  5. Ernst
    20. Mai 2026 at 21:59

    An diejenigen, die das hissen einer Flagge, welche für Toleranz und Selbstbestimmung steht, als eine Verletzung des Neutralitätsgebots empfinden (das ist schon ein Widerspruch in sich): Wer wurde mit dieser Aktion diskriminiert und warum?

  6. Zweifler
    Zweifler
    20. Mai 2026 at 17:01

    diese Regenbogen-Typen sind krank. Krank vor Geltungssucht. Diktatur der Minderheiten.

  7. Andreas Haselow
    20. Mai 2026 at 11:09

    Mit dem Anstand verhält es sich ähnlich dem Antifaschismus, der Demokratie oder der Guten Taten – Wer’s nicht (vor)lebt, schreibt es sich plakativ zu!

  8. Mike
    20. Mai 2026 at 08:03

    Auch zu erwähnen, dass Schulzendorf, Zeuthen und Wildau die Flagge ebenfalls gehisst haben. Die Bürgermeister waren anwesend und haben die Aktion unterstützt.

    Gutes und wichtiges Zeichen!

  9. Hilmar Stolpe
    19. Mai 2026 at 22:59

    Da Rechtspopulisten wieder im Aufwind sind ist es gut, sich mit jenen zu solidarisieren, die sie angreifen. Danke an Bürgermeister Jörg Jenoch!

  10. Donkikong
    19. Mai 2026 at 19:01

    Also da muss ich kein AfD Anhänger sein um diese Meinung zu unterstützen.
    Es hat definitiv keine Regenbogenflagge vor öffentlichen Gebäuden zu hängen. Weder vor Polizeigebäuden, Feuerwachen, Gemeindeämtern, geschweige denn vor dem Reichstag.
    Wie es schon erwähnt wurde, müssen sie sich neutral verhalten.
    Auch keine Parteifahnen oder sonstige Spassflaggen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Aktueller UFP-Wert

+++ Ultrafeinstaub Konzentration am BER, Maximaler Einstundenmittelwert am 11.06.2026 46.731 Partikel/cm³ (Quelle: LUIS Brandenburg). Die WHO betrachtet einen Messwert von 10.000 Partikel/cm³ als „erhöhte Konzentration“. +++

Anzeige

Anzeige

Anzeige