Im Gespräch: Enno von Essen – “Ich bin der jüngste Kandidat.”

5. August 2022
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Der Ausgang der Bürgermeister Wahl in Wildau am 28. August wird in der Region mit großer Aufmerksamkeit und Spannung verfolgt. Der Schulzendorfer wird über die Wahlschlacht berichten. Heute im Kandidaten Gespräch: Enno von Essen.

Wie sind Sie zur Bürgermeisterkandidatur gekommen?

Enno von Essen: Mir ist aufgefallen, wie viel man in unserer Stadt verbessern müsste. In den letzten Jahren ist einfach vieles nicht umgesetzt worden. Das müssen wir nachholen. Über Energiekonzepte bis hin zur Jugendbeteiligung, Konzepte für den bezahlbaren Wohnraum – all das sind die Themen unserer Zeit. Ich wünsche mir, das Anpacken zu können, um unseren Wildauerinnen und Wildauern eine bessere Zukunft zu bieten.

Sie wurden von der SPD nominiert, sind Sie auch ihr Mitglied?

Enno von Essen: Nein. Ich bin zwar von der SPD nominiert, aber kein Parteimitglied. Deshalb bin ich in meinen Entscheidungen auch nicht gebunden, das ist von Vorteil. Meine Überparteilichkeit garantiert einen offenen Umgang mit den Meinungen aller Bürgerinnen und Bürger.

Enno von Essen

Wenn Sie überparteilich sind, warum sind Sie nicht als Einzelkandidat angetreten?

Enno von Essen: Dann hätte man mir die Nähe zur SPD ebenso vorgehalten. Unter der Abwägung war es dann in meinen Augen ehrlicher, sich mit der SPD im Rücken der Wahl zu stellen.

Sagen Sie etwas über ihren beruflichen Werdegang

Enno von Essen: Ich habe nach meiner Schule eine kaufmännische Ausbildung in der IT-Sparte gemacht. Später eine weitere zum Versicherungsfachmann. Nach 10 Jahren Tätigkeit bei einem großen Kölner Unternehmen hatte ich mir schon mehr zufällig mein Unternehmen aufgebaut und bin Vollzeit in den Handel gewechselt. Als Unternehmer – so bezeichne ich mich auch heute noch – habe ich mehrere Handelsmarken in Deutschland auf- und ausgebaut.

Ende 2016 habe ich mein Unternehmen in einen Bestandshalter für Immobilien gewandelt. Wir haben heute einige Häuser und Wohnungen in Berlin und Wismar.

Mein größtes Thema ist aktuell die Frage, wie wir in Zukunft bezahlbaren Wohnraum schaffen und erhalten können. Auch wenn ich hier die Antwort auf diese Frage schuldig bleibe – sie ist verblüffend einfach.

Und wie lautet sie?

Enno von Essen: Wohnraum selbst bauen, kommunale Grundstücke in eigener Hand behalten und die Vergabe genau steuern – so kommen wir mit geringeren Mieten als bei Investorenprojekten hin und können uns aussuchen, wer die Wohnungen bekommt. Zum Beispiel Wildauer, Fachkräfte. Wir können sogar nach Einkommen unterscheiden und die günstigen Wohnungen an Familien mit weniger Einkommen vergeben.

Ist es nicht paradox, wenn ein Immobilienbesitzer von bezahlbaren Mieten spricht?

Enno von Essen: Nein. Es gibt einige schwarze Schafe in der Branche, aber ich beteilige mich daran nicht. Viele andere Eigentümer gehen ebenso verantwortungsvoll mit den Wohnungen und Mietern um. Ich will, dass jeder seinen Wohnraum bezahlen kann und sich keine Sorgen machen muss, irgendwann verdrängt zu werden.

Stimmt es, dass sie lange Zeit auf Mallorca gelebt haben?

Enno von Essen: Lange Zeit ist so dehnbar. Ich habe, nachdem ich mein mittelständisches Unternehmen vom Markt genommen hatte, viel Zeit auf Mallorca verbracht. Ich brauchte eine Auszeit und hatte erst einmal genug von den 12-Stunden-Tagen, die ich vorher gearbeitet habe. Betrachten Sie es als nachgeholten Urlaub.

Was zog einen von der Insel zurück nach Deutschland, die Politik?

Enno von Essen: Auch im Paradies ist es irgendwann langweilig. Ich brauchte nach der Auszeit wieder eine Herausforderung. Einfach eine neue Aufgabe. Deshalb habe ich 2019 eine Ausbildung zum Immobilienfachwirt begonnen und mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie man als Kommune den Bürgerinnen und Bürgern dauerhaft günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen kann. Interessant dabei ist, dass solch ein Konzept in Wildau funktionieren kann.

Beschreiben Sie es in wenigen Worten.

Enno von Essen: In Wildau funktioniert dieses Konzept, weil wir hier eine große, städteeigene Wohnungsbaugesellschaft haben, die fast den gesamten Markt kontrolliert. Im Moment müssen wir uns vom enormen Druck des Berliner Mietmarktes abschotten, bis der Druck dort nachlässt.

Über welche politischen Erfahrungen verfügen Sie?

Enno von Essen: Ich beschäftige mich mit Politik schon seit etwa 2005. Damals auf Bezirksebene in Berlin, habe ich viel darüber lernen können, wie politische Systeme funktionieren. Ein Bürgermeister ist ein Verwaltungsbeamter, kein Politiker – die politische Erfahrung ist sicher nützlich, jedoch keine Grundvoraussetzung.

Welches sind die größten Baustellen in Wildau und wie wollen Sie sie angehen?

Enno von Essen: Wir sollten nicht einzelne Baustellen bearbeiten, sondern uns erst einmal um ein Gesamtkonzept kümmern. Die Frage „Wie leben wir in Wildau in 10 oder 20 Jahren?“ muss diskutiert und beantwortet werden. Daraus lässt sich dann eine strategische Planung unserer Zukunft ableiten.

Die dringenden Baustellen, die in diesem Zusammenhang bearbeitet bzw. vollendet werden müssen, sind aber: – die Erweiterung unserer Grundschule, – die Nutzung des Meyerbeck als Begegnungsstätte, – das aktuelle Energieproblem unserer Bürger, – die fehlende Jugendbeteiligung, – der Stichkanal.

Dahme Nordufer

Wie sehen Sie das Wohnbau Projekt Dahme Nordufer?

Enno von Essen: Das Projekt kann nicht gebaut werden. Es ist unseriös, einen Bau am Dahmeufer als „alternativlos“ zu forcieren. Aus vielerlei Gründen. Wir werden in der Wildauer Grundschule 750 Kinder beschulen können. Die Kapazität lässt sich zwar minimal erweitern, aber nicht auf die beim Bau des Dahme Ufers in der aktuellen Planung notwendigen 920 Plätze.

Eine zweite Grundschule kommt im Moment ebenfalls nicht in Betracht. Ohne Schulplätze keine Bebauung, das liegt auf der Hand. Darüber hinaus sollten wir keinerlei kommunale Flächen an private Investoren abtreten. Ich halte das für einen großen Fehler.

Wildauer sorgen sich um das politische und soziale Klima in der Stadt. Sie sind müde vom ewigen Zoff im Stadtrat. Teilen Sie diese Sorgen?

Enno von Essen: Allerdings. Die Politik in Wildau macht eine gute Arbeit. Trotzdem gibt es immer wieder Streitigkeiten, die persönlich motiviert sind. Das möchte ich ändern. Zu einer guten Stadtpolitik gehört immer auch ein gemeinsames Miteinander.

Wenn Sie gewählt werden, müssen Sie die Gräben zwischen den Fraktionen im Stadtrat schließen. Wie wollen Sie das schaffen?

Enno von Essen: So groß wie sie gerne dargestellt werden, sind die Gräben meist nicht. Wenn wir uns alle gemeinsam an einen Tisch setzen und den Blick auf eine gemeinsame Zukunft richten, ist der größte Teil geschafft. Vielleicht sollten wir die Vergangenheit ruhen, anstatt alles immer wieder aufzuwärmen.

Warum sollen Wildauer Sie wählen?

Enno von Essen: Wildau braucht keinen König oder Präsidenten. Ich bin jemand aus der Mitte der Wildauer, einfach ein Nachbar. Trotz meiner 43 Jahre bin ich mit Abstand der jüngste Kandidat. Meine Verbindung in die junge Elterngeneration bis hin zu den Kindern ist damit genauso ausgewogen, wie in die ältere Generation. Wer in Wildau frischen Wind möchte, der wählt Enno für Wildau.

7 Responses to Im Gespräch: Enno von Essen – “Ich bin der jüngste Kandidat.”

  1. Zeuthener
    6. August 2022 at 13:55

    Herr von Essen, Sie setzen mit Ihrer Position zum Dahmeufer den Krawallkurs von Frau Homuth und die Spaltung der Stadt fort. Warum akzeptieren Sie nicht das Votum der Mehrheit von Wildauern in einer repräsentativen Umfrage? Ah ja, Sie sind ja dann Beamter (sofern Sie Bürgermeister werden sollten). Warum halten Sie am SPD Kurs fest? Sie sagen doch, dass Sie überparteilich sind. Das sind Sie in der Frage nicht. Sie vertreten glasklar Parteipolitik.

  2. Petra
    Petra
    6. August 2022 at 10:18

    Hört sich nach Mücke 2.0 an. Gute Nacht Wildau.

  3. Herr Enno
    6. August 2022 at 09:07

    Christian W: der Beruf lautet offiziell „Versicherungsfachmann (BWV)“. Schicken Sie mir eine E-Mail, dann stelle ich gerne die entsprechenden Zeugnisse zur Verfügung. Will mir ja nichts nachsagen lassen müssen.
    Der Immobilienfachwirt ist neu (2019-2022), aber auch hier gibt es ein Abschlusszeugnis.

    Dietmar B: man baut den Wohnraum, den man braucht. Behutsam. Der braucht natürlich auch Infrastruktur, nur eben deutlich langsamer. Die Stadt hat Zeit zum entwickeln und man kann günstigeren Wohnraum zur Verfügung stellen, da man eigenen Grund und Boden bebaut – anstatt ihn zu verkaufen.

  4. Fibranz
    6. August 2022 at 08:33

    Wenn das stimmen würde, warum wird dann überhaupt Wahlkampf gemacht und nicht die Stelle einfach ausgeschrieben.
    Aber hier zeigt sich deutlich das Demokratieverständnid der Sozialdemokratie.

  5. Ulrich Häußler
    6. August 2022 at 06:36

    Kann denn jetzt hier jeder Bürgermeister werden??? Das Alter spielt für mich eine völlig untergeordnete Rolle (siehe Biden). Ich wünsche mir einen erfahrenen BM. Von Essen ist das in meinen Augen nicht. Ich frage mich außerdem, was in die SPD gefahren ist, einen Immobilienunternehmer zum Kandidaten zu machen.

  6. Christian W.
    5. August 2022 at 23:26

    In einem Interview im Jahre 2019 erzählt Enno von Essen, dass er eine Ausbildung zum Datenverarbeitungskaufmann gemacht hat. Sagte man damals schon IT-Branche ?

    Dann arbeitete er nach eigenen Angaben in einem Callcenter und später bei einer Versicherung. Von einer Ausbildung zum Versicherungsfachmann hat er damals nichts erzählt. Diesen Ausbildungsberuf gibt es auch nicht. Es gibt allerdings eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann.

    Herr von Essen führt weiter aus, dass er 2019 eine Ausbildung zum Immobilien-Fachwirt (bei welchem Bildungsträger?) begonnen hat. Diese Ausbildung dauert je nach Anbieter berufsbegleitend nebenberuflich zwei Jahre. Hat er sie auch abgeschlossen? Wenn ja, hätte er das sicherlich anders formuliert. So klingt es wie bei vielen Politikern, die zwar vieles „studiert“ haben, aber seltsamerweise nie einen Abschluss gemacht haben.

  7. Dietmar B.
    5. August 2022 at 19:28

    So richtig verstehe ich das nicht. Von Essen erzählt uns seit Monaten bis zum heutigen Tag, dass Wildau weiteren Wohnungsbau nicht verträgt, weil die Infrastruktur dafür nicht ausreicht. In dem Interview geht es aber tatsächlich fast nur um Wohnungsbau. Er möchte bauen, bauen, bauen. Allerdings möchte er keine Mitspieler, die nur ihre persönlichen Interessen verfolgen, sondern er möchte selbst bauen. Künftig als Gesellschaftervertreter der WiIldauer Wohnungsgesellschaft. Er weiß auch, wie. Denn selber bauen ist billiger und führt automatisch zu niedrigeren Mieten. Warum hatte bloß in Deutschland bisher noch kein Anderer diese fantastische Idee? Wie das in der Praxis dann passieren soll, das wird man nach der Wahl erfahren. Fördergelder zu erwähnen, ist immer praktisch und klingt gut. Warum Mieter von kommunalen Wohnungen keine Infrastruktur benötigen, erklärt er auch nicht.

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