Schulzendorf. Was machen ultrafeine Partikel (UFP) aus Flugzeugabgasen mit unseren Kindern? Dieser Frage geht die Wissenschaftlerin Dr. Miriam Wiese-Posselt nach und darüber spricht sie am kommenden Montag in Schulzendorf.
Im Mittelpunkt steht die BEAR-Studie, die untersucht, wie Luftschadstoffe, insbesondere der gefährliche Ultrafeinstaub, die körperliche und geistige Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinflussen. Die Forschenden nehmen unter anderem die Lungen- und Herz-Kreislauf-Gesundheit, Konzentration, Gedächtnis, weitere kognitive Fähigkeiten sowie die allgemeine Lebensqualität unter die Lupe.
Das Thema ist für Schulzendorf von besonderer Bedeutung. Die geplante gemeinsame Grundschule der Gemeinden Schulzendorf und Schönefeld, das sogenannte „Leuchtturmprojekt“ der Region, liegt in der Abgasfahne westwärts startender Flugzeuge vom BER. An der südlichen Startbahn werden regelmäßig hohe Konzentrationen von UFP-Partikeln gemessen.
Welche Erkenntnisse liefert die Studie? Welche Risiken sehen die Forschenden? Und was bedeuten die Ergebnisse für Familien in der Region? Antworten auf diese Fragen gibt Dr. Miriam Wiese-Posselt bei einem öffentlichen Informationsabend.
Die Veranstaltung beginnt am Montag um 18 Uhr im Speiseraum der Grundschule in der Illgenstraße. Der Eintritt ist frei.

Die Zahl rechts oben — der aktuelle UFP-Wert, ohne jedwede Erklärung, als Dauerausstellung — ist mehr Alarmismus denn tatsächliche Aussage. Was bedeutet sie? Im Vergleich wozu? Bei welchem Wetter, welchem Wind? Wo gemessen? Wer das nicht erklärt, informiert nicht — er beunruhigt.
Und doch Peter Schulze trifft es genau: Das Problem ist nicht fehlende Erkenntnis — es ist fehlender Mut zur Konsequenz. Was ich in Schulzendorf beobachte, sehe ich überall im Land: Verantwortung wird nur von wenigen übernommen, sie wird formalisiert. Jede Entscheidung wartet auf ein Gutachten, jedes Gutachten auf eine Zuständigkeitsklärung, jede Zuständigkeitsklärung auf den nächsten Ausschuss. Am Ende hat niemand entschieden — und die Gemeinschaft haftet. Im Zweifel findet man eine Antwort in den entstandenen Aktenbergen oder selten als Randnotiz.
Dabei bräuchte es oft nicht viel. Nur den Mut, unkonventionell zu denken und entsprechend zu handeln. Eine Messstation am Schulstandort zu fordern, ohne dass ein Grenzwert existiert, ist kein Regelverstoß — es ist Vorsorge. Dass ausgerechnet das als Argument gegen eine Entscheidung gilt, sagt alles über den Zustand unserer politischen Kultur.
Zum Vorwurf der Vermischung: Der Einwand ist dem Format geschuldet. Wer in einer Kommentarspalte mehrere Gedanken unterbringt, riskiert, dass Zusammenhänge wie Widersprüche wirken. Meine Frage war schlicht: Warum wird das eine mit wissenschaftlichem Nachdruck verhandelt und das andere nicht? Das ist keine Vermischung — das ist Verhältnismäßigkeit. Beim Personal- und Krankenstand widerspreche ich: Ja, die formale Zuständigkeit liegt woanders. Aber eine Gemeindevertretung, die konsequent prüft, nachhakt, benennt, Druck erzeugt und Probleme nicht stillschweigend akzeptiert, gestaltet. Zuständigkeit ist kein Freifahrtschein zur Untätigkeit. Sie ist die Mindestanforderung, nicht die Obergrenze.
Die Feigheit hat System — weil sie funktioniert und Mitmacher belohnt werden. Wer nichts entscheidet, kann nichts falsch machen. Wer den Kopf in den Wind hält, trägt das Risiko allein.
Die Studie tut genau das, was sie soll. Wozu sie politisch herangezogen wird, oder über anderes, möchte ich lieber nicht öffentlich spekulieren. Wer mich hier öfter liest wird wissen was ich sagen will. Allein da oben rechts, kann man fast täglich die exorbitante Zahl lesen. Aber ich habe ehrlich gesagt aber auch keine Lust mich mit dem Studiendesign einer Untersuchung zu befassen, aus der, wie man sämtliche Gemeindevertreter beim Statement GEGEN unseren Versuch eine Messstation am Schulstandort zu erkämpfen, ja eh kein politischer Wille gebildet werden kann, weil es ja keine Grenzwerte gibt. Solange wir mit solchen Argumenten aus dem Kindergarten Politik machen, vergeht mir die Lust auf alles!
Was ich darüber hinaus nicht nachvollziehen kann, ist die Vermischung unterschiedlicher Ebenen. Als Gemeindevertreter habe ich die Aufgabe, bei neuen Projekten verantwortungsvoll abzuwägen und Risiken möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Das könnte eine politische Entscheidung werden, wenn man nicht mit dem Kopf im Sand steckt.
Probleme in bestehenden Schulen wie Krankenstand, Unterrichtsausfall oder Personalmangel, sind zweifellos messbar und wichtig. Dafür gibt es aber andere Zuständigkeiten und andere Wege, sich einzusetzen. Ich tue das beispielsweise als Elternvertreter. Das eine gegen das andere auszuspielen, hilft keinem Kind. Helfen würde es, wenn nicht jeder in die Haftungsabwehr gehen würde. Wir sind schon so richtig Kleinamerika in den Köpfen. Es widert mich nur noch an! Diese Feigheit. Und dann wirft man Leuten die den Kopf in den Wind halten nicht genug Mut vor, sich auf neue Projekte einzulassen. Satanische Umkehr par excellence. Alle mit dem Klammerbeutel gepudert. Sorry, aber ich kann das nicht mehr anders sehen und sagen! Nun kommt endlich die weiterführende Schule. Juhu. Na dann ist das ja alles egal. Aber ich sags mal so: Schau mer ma. Wer die Sitzungen der letzten Jahre verfolgt hat, kann diese triumphalen Neuigkeiten erstmal nur belächeln.
Die BEAR-Studie tut, was sie tun soll: Sie versucht, den isolierten Einfluss flughafenspezifischer Ultrafeinstaubpartikel auf Entwicklung und Gesundheit von Kindern zu messen. Das ist wissenschaftlich aufwendig, weil UFP überall vorkommen – in jeder Küche, an jeder Straße, in jedem Kamin. Um den flughafenspezifischen Anteil herauszurechnen, braucht man Modellierung, Kontrollgruppen und Abstraktion. Was dabei entsteht, sieht weniger nach Feldmessung aus als nach Mathematik. Das ist kein Makel – das ist der Preis methodischer Sauberkeit bei einem schwer isolierbaren Untersuchungsgegenstand.
Was allerdings auffällt: Genau die Faktoren, die diese Studie bewusst ausklammert – Fluglärm, Straßenverkehr, soziale Einflüsse, Betreuungskontinuität – wären deutlich einfacher zu erheben. Krankheitstage, Stundenausfälle, Testergebnisse, Personalfluktuation, Betreuungsräume: Das sind Zahlen, die Schulen und Träger bereits haben oder ohne großen Aufwand erheben könnten. Kausale Zusammenhänge zwischen diesen Faktoren und kindlicher Entwicklung sind in der Forschung gut belegt – kein Modell, keine Abstraktion nötig.
Dass ausgerechnet diese Daten nicht erhoben, nicht diskutiert und nicht eingefordert werden, ist keine wissenschaftliche Entscheidung. Es ist eine politische.
Ich kann die positiven Kommentare nicht nachvollziehen –
Man könnte bei der Veranstaltung zur Kenntnis nehmen –
1 – Der Landkreis LDS wird seine finanziellen Mittel für Untersuchungen im Umfeld BER infolge der Haushaltsanlage 2027 nicht wie bisher weiterführen .
2… Herr Wittek sorgte für den Eindruck – sich mehr über die Arbeitsbedingungen von Arbeitern am BER zu beunruhigen, als um Bürgern in Schulzendorf. Er beklagte die Arbeitsbedingungen auf den Vorflächen.
3 .. Die Studie vermittelt meiner Meinung nach den Eindruck- dass eine sehr dünne und nicht zusammenhängende Datenlage vorhanden ist und die Messungen willkürlich, nicht flächendeckend und auch nicht über ein ganze Jahr geführt worden. Die Messgeräte sind störanfällig, so dass die Frage erlaubt ist – welche Daten wurden zur Auswertung überhaupt zugelassen.
4. Wie beim Verkehrslärm wird auch für die Feinstaubbelastungen nur eine Mittelwertsdarstellung durchgeführt. Kausale Bewertungen in der Summenbewertung mit anderen Belastungen – haben wir nicht erkannt.
4. Die Aussage, dass keine Belastungen aus Überflügen für die Ortslage vorhanden ist, ist nicht haltbar und belegbar. Es gibt sehr wohl Wohnanlagen in Schulzendorf und Waltersdorf, die in einer Höhe von unter 300 m überflogen werden. Die These, dass nur eine Belastung von den Betriebsflächen des BER für die Belastung der Anwohner zu untersuchen ist, ist zu einfach.
5. Wie von Frau Doberstein festgestellt wurde, hat die Aussage der Studie keine Bewertung der Gesamtsituation für einen Zeitraum der nächsten Jahre. Eine Prognose ist nicht dargestellt.
6. Die Untersuchung über den Gesundheit der Kinder erfolgt direkt- also nicht vorbeugend.
7. Eine Feststellung , dass der BER in einem dicht besiedelten Gebiet liegt, dass mit anderen Flughäfen nicht vergleichbar ist- haben wir nicht zur Kenntnis genommen.
8. Die Aussage, dass andere Feinstaubquellen vorhanden sind, war immer wieder zu hören. Wußte gar nicht, dass Kamine auch im Sommer betrieben werden und Verkehrsbelastungen in Wohngebieten so hoch sind.
9. Die Forderung, im Flugbenzin , den Schwefelgehalt zu reduzieren zur Verringerung des Feinstaubgehaltes zu reduzieren, sind löblich, verkennt jedoch die Aussage, dass die Zusammensetzung von Flugbenzin geheim gehalten wird.
10. Herr Wittek hat zwar informiert, dass er sich für einen Messstandort für Feinstaub auf einem Grundstück sich eingesetzt und Erfolg hatte. Aber der zwingende Hinweis, dass es auf Grund der politischen Kultur im Landkreis und in Schulzendorf keine Messstation des Landesumweltamtes gibt, fehlte. Östlich steht sie übrigens in Glasow und bei uns in Wildau. Die Forderung, dass eine Feinstaubmeßstation vom Landesumweltamt geschaffen wird, war auch nicht zu hören.
Fazit : In der Beurteilung bei der heutigen Zeugnisausgabe würde stehen. Man hat sich bemüht. Jedoch ein Interesse an Aufklärung ist zu wenig erkennbar. Der Eindruck der Produktion von Feigenblättern hat die Überhand.
Sie haben recht – und das verdient eine klare Antwort: Statistische Nicht-Signifikanz beweist keine Abwesenheit eines Effekts. Das ist ein valider methodischer Einwand.
Denn während wir über Partikelkonzentrationen in der Abgasfahne diskutieren, gibt es in Schulzendorf Gesundheitsrisiken für Kinder, die sich nicht in Kohortenstudien verstecken, sondern täglich messbar sind: Stundenausfälle, Krankheitstage von Lehrkräften und Kindern, Wissenslücken durch fehlende Unterrichtskontinuität, Mitarbeiterfluktuation im Hort. All das ließe sich erheben. All das wird nicht erhoben – und wenn es angesprochen wird, endet die Debatte, ohne sie bisher geführt zu haben, mit dem Verweis auf fehlende Finanzierbarkeit.
Das ist strukturell derselbe Mechanismus, den Sie beim Vorsorgeprinzip beschreiben: Wirtschaftliche Interessen, die soziale Verantwortung verdrängen. Bei Asbest und Contergan waren es Industrieinteressen. Hier ist es Haushaltsdisziplin. Der Effekt für die betroffenen Kinder ist ein anderer – aber die Logik, mit der Verantwortung wegdefiniert wird, ist dieselbe.
Vorsorge, die erst beginnt, wenn eine Studie Schlagzeilen macht, ist keine Vorsorge. Sie ist Reaktion mit wissenschaftlichem Anstrich.
Die wirklich unbequeme Frage lautet daher: Warum fällt es uns leichter, über eine potenzielle Belastung an einem noch nicht gebauten Schulgebäude zu debattieren, als über die nachweisbare Belastung in den Einrichtungen, die heute in Betrieb sind?
Eine Studie, die keinen statistisch signifikanten Effekt findet, beweist nicht, dass es keinen Effekt gibt. Sie zeigt lediglich, dass mit den vorliegenden Daten kein ausreichender Nachweis gelungen ist. Das ist ein grundlegender Unterschied. Wenn wir schon von Wissenschaft sprechen, sollten wir deshalb auch immer die Grenzen der jeweiligen Methode mitdenken. Aber das nur am Rande. Mit der BEAR-Studie selbst hat bislang ohnehin niemand ernsthaft argumentiert, denn sie war ja zum Zeitpunkt der Diskussion noch gar nicht abgeschlossen.
Was mir in diesem Zusammenhang außerdem einfällt, ist die PFAS-Debatte. Auch dort wird häufig mit dem Verweis auf die Wissenschaft argumentiert. ‘Es gibt keine Grenzwertüberschreitung.’ Dabei wird leicht übersehen, dass Grenzwerte nicht allein wissenschaftlich festgelegt werden, sondern auch politische und regulatorische Entscheidungen darstellen, die gerade bei PFAS zb. auf europäischer Ebene viel enger ausgelegt sind als national umgesetzt – wieso auch immer. Wissenschaft liefert die Risikobewertung, der Grenzwert ist das Ergebnis einer Abwägung.
Die Geschichte zeigt außerdem, dass wissenschaftliche Erkenntnisse sich weiterentwickeln. Asbest wurde jahrzehntelang verwendet, bevor seine Gefährlichkeit anerkannt wurde. Contergan galt zunächst als sicheres Medikament. PFAS und Mikroplaste sind weitere Beispiele dafür, dass Risiken oft erst nach langer Zeit umfassend verstanden werden. Deshalb sollte man sich nicht allein auf den aktuellen Stand einzelner Studien zurückziehen, sondern auch das Vorsorgeprinzip ernst nehmen, insbesondere dort, wo Kinder betroffen sind. Panzerschokolade liegt heute auch auf keinem Nachttisch mehr. Ich habe das als Kind noch erlebt.
Der Informationsabend mit Dr. Miriam Wiese-Posselt war lehrreich – nicht nur wegen der Erkenntnisse der BEAR-Studie, sondern auch wegen dem, was in der politischen Rezeption dieser Erkenntnisse regelmäßig verloren geht.
Die Wissenschaftlerin präsentierte den aktuellen Forschungsstand, ergänzt durch Daten des Bundesumweltamts und eine nachvollziehbare Herleitung der Messmethodik. Das Publikum – darunter immerhin die Hälfte der Gemeindevertretung – bekam, was es selten bekommt: unbearbeitete Wissenschaft.
Doch genau diese Wissenschaft lässt weniger Raum für politische Eindeutigkeit, als die Debatte in Schulzendorf suggeriert. Die UFP-Belastung am geplanten Schulstandort liegt gemäß den Messdaten etwa 15 Prozent über vergleichbaren innerstädtischen Berliner Werten – ohne Flughafennähe. Das ist messbar, aber nicht dramatisch. Die beobachteten Unterschiede beim Messen der Atemwege belasteter Kinder sind vorhanden, statistisch jedoch nicht signifikant. Und entscheidend: Nachgewiesene Krankheitsbilder, die kausal auf die Standortbelastung zurückgeführt werden könnten, liefert die Studie nicht.
Wer die BEAR-Studie als Argument gegen den Schulstandort ins Feld führt, müsste dieselbe Konsequenz für jede Berliner Innenstadtschule fordern.
Was in der Veranstaltung – wie in der gesamten Debatte – nur am Rande zur Sprache kam: die Lärmbelastung. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Fluglärm und kognitiver Entwicklung, Stresshormonausschüttung und Schlafqualität bei Kindern wissenschaftlich gut belegt und in seinen Wirkungspfaden direkter als bei Feinstaubpartikeln. Eine seriöse Risikobetrachtung müsste beide Faktoren kumulativ bewerten.
Und während die Gemeinde über Partikelzahlen diskutiert, bleibt eine handfeste und tatsächlich messbare Gesundheitsfrage ungestellt: Welche Auswirkungen hat der chronisch hohe Krankenstand des Lehrpersonals der Malven-Grundschule auf die Kinder, die täglich dort zur Schule gehen? Dasselbe gilt für die strukturellen Lücken bei der Kita- und Hortbesetzung. Beides ist kein unsichtbares Phänomen in der Abgasfahne – beides ist täglich erlebte Realität für Schulzendorfer Familien.
Die Studie verdient es, ernst genommen zu werden. Eben deshalb sollte sie nicht als politisches Instrument für Positionen herhalten, die sie wissenschaftlich nicht trägt.
Ein Pflichttermin für alle Standortbefürworter und betroffenen Eltern.