Zwei Messstationen sollen jetzt zeigen, was Schulzendorf und Waltersdorf wirklich einatmen.
Schulzendorf/Waltersdorf. Jetzt wird es ernst und vor allem messbar! Am vergangenen Freitag sind in der Gemeinde zwei Stationen zur Erfassung ultrafeiner Partikel (UFP) aufgestellt worden. Eine steht an der Schulzendorfer Rettungswache, die zweite auf dem Gelände der Ortschronisten. Damit könnte ein politischer Dauerstreit endlich eine belastbare Datengrundlage bekommen.
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Ins Rollen gebracht hatte die Messungen die Fraktion Gemeinsam für Schulzendorf. Sie hatte im Gemeinderat beantragt, die UFP-Belastung am künftigen Schulstandort an der Miersdorfer Straße wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Unterstützung kam von AfD, Bürgerbündnis, CDU und FDP. Bürgermeister Markus Witteck (CDU) fädelte schließlich einen Deal mit der Charité ein. Die Berliner Wissenschaftler stellen die beiden Messgeräte zur Verfügung. Eines der Geräte soll später auch an der Containerschule in Waltersdorf zum Einsatz kommen.
Und genau dort wird es spannend. Denn sowohl der geplante Schulstandort in Schulzendorf als auch die Containerschule in Waltersdorf liegen nach den bisherigen Erkenntnissen in einem Bereich, die durch UFP-Nebelfahnen startender Flugzeuge in Richtung Osten erreicht werden können.
„Keine Gesundheitsgefährdung“, wirklich?
Politisch wird dennoch seit geraumer Zeit beruhigt. Christian Könning (SPD) aus dem Bürgermeisterstab in Schönefeld erklärte: „In der Flughafenregion kommt es an keinem Ort zu Vorzeigewerten bei der Luftqualität. Es kommt aber auch nicht zu einer Gesundheitsgefährdung unserer Kinder an den vorgesehenen Standorten Waltersdorf und Schulzendorf.“
Eine bemerkenswert selbstbewusste Aussage, denn die entscheidende Frage lautet: Woher kommt diese Gewissheit? Genau das sollen die Messungen jetzt klären.
Am 5. August wurden nur einige hundert Meter von den beiden Schulstandorten entfernt zeitweise UFP-Konzentrationen von bis zu 78.606 Partikeln pro Kubikzentimeter registriert. Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet bei UFP zwischen niedrigen und hohen Konzentrationen. Als „hoch“ gelten nach ihrer Good-Practice-Empfehlung mehr als 10.000 Partikel/cm³ im 24-Stunden-Mittel beziehungsweise mehr als 20.000 Partikel/cm³ im Einstundenmittel.
78.606 Partikel/cm³ wären damit fast viermal so hoch wie der WHO-Wert für eine hohe Einstundenkonzentration.
Allerdings ist Vorsicht bei der Interpretation geboten: Die WHO hat für UFP keinen verbindlichen Grenzwert festgelegt. Sie betont ausdrücklich, dass die wissenschaftliche Datenlage derzeit nicht ausreicht, um einen quantitativen Luftqualitätsgrenzwert abzuleiten. Die genannten Werte sind deshalb eine Orientierung und kein gesetzlicher Grenzwert.
Die Durchschnittsfalle der Charité
Noch eine andere Frage sorgt für Stirnrunzeln: die von der Charité präsentierten Modelldaten. Bei einer öffentlichen Veranstaltung wurden Berechnungen zur UFP-Belastung vorgestellt. Die vorgestellten Zahlen wirken beruhigend. Das Problem: Ein Jahresmittelwert kann extreme Belastungsspitzen unsichtbar machen.
Herrschen am Schulstandort über längere Zeit relativ niedrige UFP-Konzentrationen, treten dazwischen immer wieder massive Spitzen auf, etwa dann, wenn zahlreiche Flugzeuge starten, der Wind unregelmäßig bläst und die Abgasfahnen den Standort erreichen, wird am Ende alles zusammengerechnet und durch die Anzahl der Messstunden geteilt. Das Ergebnis: eine einzige Durchschnittszahl, die dann zunächst gar nicht spektakulär klinkt.
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Doch genau hier lauert eine statistische Falle: Ein Jahresmittelwert kann extreme Belastungsspitzen unsichtbar machen. An einem Schulstandort herrschen über längere Zeit relativ niedrige Konzentrationen. Dazwischen treten immer wieder massive Spitzen auf. Am Ende wird alles zusammengerechnet und durch die Anzahl der Messstunden geteilt.
Doch für Eltern dürfte eine andere Frage entscheidender sein: Was passiert an den Tagen und Stunden, an denen die Konzentration tatsächlich durch die Decke geht?
Genau deshalb empfiehlt die WHO bei UFP ausdrücklich Echtzeitmessungen und die Betrachtung von Partikelanzahlkonzentrationen. Sie fordert zudem, zwischen niedrigen und hohen Konzentrationen zu unterscheiden.
Jetzt muss die Wahrheit ans Licht
Und damit bekommen die beiden neuen Messstationen eine enorme Bedeutung. Denn sie können aus einem politischen Streit eine überprüfbare wissenschaftliche Frage machen: Wie hoch ist die tatsächliche UFP-Belastung an den Orten, an denen künftig Kinder lernen sollen?
Die Antwort darauf kann weder eine politische Beruhigungsformel noch eine Computergrafik liefern. Sie muss aus den Messdaten kommen.
Und genau deshalb dürfte in Schulzendorf und Waltersdorf in den kommenden Wochen besonders genau auf ein Mini Gerät geschaut werden, das eigentlich ziemlich unspektakulär aussieht. Denn was dieses Gerät misst, könnte für die Zukunft zweier Schulstandorte von großer Bedeutung sein.
Jetzt wird nicht mehr nur geredet. Jetzt wird gemessen.


Das Problem mit „den Dingern“ ist doch, dass die Debatte in eine Richtung geformt werden könnte, die uns als vorschlagender Fraktion nicht gefallen wird, denn die Messung ist so wie sie ist, nur ein Kompromiss. Ein guter Kompromiss, aber…
Aber: Kommt dabei heraus, dass das alles eine mittelmäßige Katastrophe ist mit dem Ultrafeinstaub, dann wurde uns ja schon angedroht, werden die Flugzeuge eben – um die Schule zu entlasten – noch mehr übers Dorf geschickt. Man kann nur hoffen, dass die Margaret Thatcher von Schulzendorf nicht so viel Macht hat, um sowas ernsthaft umzusetzen, sondern wie so oft, nur viel heiße Luft produziert wurde.
Kommt dabei aber eine Entwarnung heraus, muss man sagen, dass die Messung fragwürdig ist, denn laut Mücke, der diesbezüglich Kontakt zum TÜV Rheinland (oder so) hatte, muss die Messung sehr lange stattfinden, um wirklich valide zu sein. War’s ein Jahr? Und ist deshalb entsprechend teuer.
Diese Nummer hier ist deshalb ein guter Kompromiss, weil es nicht sehr teuer ist und erstmal besser als nichts, denn unser Vorschlag ist ja am Ende dem Rotstift beim Haushalt zum Opfer gefallen. Zu Recht mit dieser Option hier im Gepäck.
Schauen wir also, was dabei herauskommt. Aber ich ahne schon, es wird mir persönlich nicht gefallen, was dann draus gemacht wird.