Lebt Nadja Boy an der Realität vorbei?

16. Juni 2026
Von

CDU-Politikerin fordert Grundstückskauf für Schulweg, doch das Land gehört längst jemand anderem.

Schulzendorf. Die Sicherheit von Schulkindern ist ein Thema, das immer zieht. Doch hat CDU-Gemeindevertreterin Nadja Boy bei ihrer jüngsten Forderung die Realität aus den Augen verloren?

Boy drängt darauf, dass die Gemeinde am berüchtigten Nadelöhr beim ehemaligen GABAU-Baumarkt im Altdorf ein Grundstück kauft, um dort einen sicheren Gehweg für die Schüler der Waltersdorfer Container-Schule anzulegen. Für die jüngsten Verkehrsteilnehmer laueren dort immense Gefahren, argumentiert die Christdemokratin.

Das Nadelöhr war bislang nach Faktenlage und Ansicht der Polizei kein Unfallschwerpunkt. (Foto: mwBild)

Das Nadelöhr war bislang nach Faktenlage und Ansicht der Polizei kein Unfallschwerpunkt. (Foto: mwBild)

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Das Problem: Das gewünschte Grundstück ist nach Angaben von Bauamtschefin Kruse bereits verkauft. Damit dürfte ein kommunaler Erwerb derzeit kaum mehr als ein Wunschtraum sein. Denn warum sollte der neue Eigentümer sein frisch erworbenes Grundstück sofort wieder veräußern?

Trotzdem pocht Boy auf ihre Forderung. Bürgermeister Witteck solle „alle rechtlichen Möglichkeiten“ prüfen, um doch noch an die Fläche zu gelangen. Wie ein solcher Erwerb angesichts der chronisch klammen Gemeindekasse finanziert werden soll, ließ die Freizeitpolitikerin allerdings offen.

Doch wie gefährlich ist die Stelle tatsächlich?

Der Schulzendorfer fragte bei der Polizeidirektion Süd in Cottbus nach. Die Antwort fällt deutlich nüchterner aus als die Warnungen der CDU-Kommunalpolitikerin. Zwar sei die Engstelle unübersichtlich, eine sogenannte Unfallhäufigkeitsstelle sei sie jedoch nicht.

„Wir hatten zwischen 2020 und 2026 insgesamt sechs Verkehrsunfälle zu verzeichnen, davon zwei mit Verletzten. Aufgrund der Zahlen war die Stelle auch bislang nicht Thema der regelmäßigen Verkehrsunfallkommission zwischen Polizei, Kommunen und Landkreis“, erklärt Pressesprecher Sascha Erler.

Mit anderen Worten: Die Faktenlage gibt derzeit keinen Hinweis auf einen besonderen Unfallschwerpunkt. Selbst die Experten von Polizei, Landkreis und Kommunen sahen bislang keinen Anlass, sich intensiver mit dem Bereich zu befassen.

Fest steht: Einen Gehweg auf einem Grundstück bauen zu wollen, das der Gemeinde gar nicht gehört und das bereits verkauft wurde, dürfte schwerer werden als Nadja Boy es ihren Kollegen glauben machen möchte.

16 Responses to Lebt Nadja Boy an der Realität vorbei?

  1. Jeffrey Wichlitzky
    23. Juni 2026 at 09:28

    Zur Frage, warum ich nicht kandidiere: Die Frage selbst ist das Problem — und sie ist so alt wie das Argumentationsmuster und die Kurzsichtigkeit, aus der sie kommt. Das Argument lautet: Wer nicht selbst kandidiert, hat den Mund zu halten. Es klingt nach Bürgernähe. Es ist das Gegenteil. Es ist der Versuch, unbequeme Stimmen durch Zuständigkeitsverweis zum Schweigen zu bringen.

    Bürgerliche Kontrolle von Kommunalpolitik ist kein Privileg des Mandatsträgers. Sie ist das Fundament, auf dem das Mandat überhaupt erst legitimiert wird. Ohne sie ist ein Gemeindevertreter niemandem Rechenschaft schuldig — außer sich selbst und seiner Fraktion. Genau das ist das Problem. Nicht die fehlende Kandidatur.

    Ich benenne, was nicht funktioniert. Öffentlich und nachlesbar. Wer das als Seitenlinie abtut, sollte sich fragen, warum ihm das so unangenehm ist.

  2. Jeffrey Wichlitzky
    22. Juni 2026 at 16:53

    Lieber User Jeffrey Wichlitzky, Ihr Kommentar wird nicht veröffentlicht. Die Verächtlichmachung der Meinung eines Dritten wird hier nicht geduldet. Bitte halten Sie sich künftig an unsere Nutzungsbedingungen.

    Sabrina Rühle
    Redaktion

  3. Jeffrey Wichlitzky
    22. Juni 2026 at 13:04

    Der Jugendbeirat ist mir bekannt — und auch sein wiederholtes Scheitern. Aber ein Jugendbeirat ist kein Jugendangebot. Er ist ein politisches Instrument, das voraussetzt, dass Jugendliche bereits politisch motiviert, informiert und eingebunden sind. Wer junge Menschen erst für den Beirat gewinnen will, ohne vorher in ihre Lebenswelt investiert zu haben, wundert sich zu Recht, warum niemand kommt.

    Die eigentliche Frage lautet: Was bietet Schulzendorf Jugendlichen konkret — jenseits der Vereinsarbeit und der Freiwilligen Feuerwehr? Wo wird aktiv um ihre Aufmerksamkeit geworben? Wo können sie sich zeitgemäß über Angebote informieren, die diese Gemeinde bereitstellt? Nicht über einen Aushang am Schwarzen Brett. Nicht über den Gemeindekurier, den niemand unter 40 liest. Zeitgemäß. Das bedeutet Ressourcen, es bedeutet Konzept, es bedeutet Wille.

    Es reicht nicht, sich halbherzig an den Angeboten der Nachbargemeinden zu beteiligen und darauf zu hoffen, dass die das schon richten werden. Wer Jugendliche für diesen Ort gewinnen will — als Bewohner, als Gestalter, als Wähler von morgen — muss ihnen einen Grund geben, hier zu bleiben. Das ist keine Forderung von der Seitenlinie. Das ist Ortsentwicklung.

    Und um das abschließend klarzustellen: Ich beklage nicht. Ich benenne — in einem öffentlichen Raum, der nachzulesen ist. Das ist keine Seitenlinie. Das ist Dokumentation.

  4. Eichberger
    22. Juni 2026 at 11:41

    @ J.Wichlitzky: Sie beklagen die Zusammensetzung der GVT und schreiben: „Und die Jugend, die hier aufwächst, hat einen eigenen Anspruch auf Mitgestaltung — einen, den wir ihr bisher strukturell kaum ermöglichen.“ Das ist schlicht Unsinn, den sie hier verbreiten! Zweimal wurde in Schulzendorf u.a. mit Unterstützung vom Bürgerbündnis ein Jugendbeirat gegründet inkl. festem Sitz in der GV. Warum beide Versuche am Ende scheiterten, dazu muss man die Jugendlichen selbst befragen. Also von fehlenden Möglichkeiten kann keine Rede sein. Herr Schulze hat es korrekt festgestellt, es liegt an den Bewohnern selbst, ob sie bereit sind, sich in die Lokalpolitik einzumischen oder nicht. Sie sind das beste Beispiel dafür. Schöne Worte von der Seitenlinie kann jeder. Warum sind Sie bei der letzten Wahl nicht als Einzelkandidat angetreten oder haben sich einer Fraktion als Kandidat oder sachkundiger Einwohner angeschlossen?

  5. Jeffrey Wichlitzky
    22. Juni 2026 at 07:12

    Herr Schulze,

    das ist die sachlichste Einschätzung, die ich bisher von Ihnen gelesen habe — und ich stimme dem Kern zu. Eine Verwaltung, die im Zweifel auf rechtliche Absicherung und Verwaltungsfrieden setzt, statt mutig bürgerorientierte Lösungen zu suchen, ist kein Schulzendorfer Sonderfall. Es ist ein Strukturproblem, das sich durch viele Kommunen zieht — und das in Schulzendorf über Jahre besonders deutlich sichtbar geworden ist. Mein Eindruck: Es hat eine Ursache, die tiefer liegt als schlechte Beschlüsse oder fehlende Anträge. Ein Hauptverwaltungsbeamter, der über Jahre interne Absprachen mit einzelnen Fraktionen pflegte, nichtöffentliche Besprechungen abseits der Protokolle führte und Transparenz als Feigenblatt nutzte, hinterlässt Spuren — im gegenseitigen Misstrauen, in den Strukturen, und in einer Gemeindevertretung, die sich bis heute schwer tut, gemeinsam für dieselben Menschen zu arbeiten. Wenn Gemeindevertretung und Verwaltung kein gemeinsames Verständnis davon haben, für wen sie arbeiten, dreht sich der Kreisel tatsächlich weiter. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis.

    Ein Unterschied bleibt. Wenn Sie von einer „sehr konkreten Vorstellung” sprechen, wie sich dieser Ort entwickeln sollte — dann ist die entscheidende Frage, wessen Ort das ist. Ein Blick in die Gemeindevertretung genügt: Die Altersstruktur, die Berufsbilder, die Lebenswirklichkeiten, die dort vertreten sind, bilden Schulzendorf nicht ab. Sie bilden einen Teil davon ab. Wer hier jung ist, wer neu zugezogen ist, wer Kinder in die Schule schickt oder schicken wird — der kommt in dieser Zusammensetzung kaum vor. Und das hat Konsequenzen dafür, welche Fragen als drängend empfunden werden und welche nicht.

    Schulzendorf wächst. Die Menschen, die hierher kommen, sind nicht weniger Schulzendorfer als die, die schon lange hier sind. Und die Jugend, die hier aufwächst, hat einen eigenen Anspruch auf Mitgestaltung — einen, den wir ihr bisher strukturell kaum ermöglichen. Eine Ortsentwicklung, die nur für einen Teil der Bevölkerung gedacht ist, ist keine Entwicklung — sie ist Verwaltung des Status quo unter anderem Namen.

    Das ist der Punkt, an dem wir uns trennen. Nicht in der Diagnose. In der Frage, wer zur Lösung gehört.

    Wenn Sie bereit sind, das offen zu diskutieren — gern. Auch außerhalb des Kommentarbereichs.

  6. 21. Juni 2026 at 23:24

    Ich würde ja meinen, genau das zu tun, Herr Wichlitzky – durch unsere bisweilen bewusst zugespitzten Beschlussvorlagen, durch Wortbeiträge und ja, auch durch den einen oder anderen Krawall. Es geht schließlich darum, ein System zu stören, das sich über Jahre in bestimmten Mustern eingerichtet hat.

    Wir verfügen allerdings auch nur über zwei Mandate und vertreten eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie sich unser Ort entwickeln sollte. Offenbar teilen manche Menschen diese Vorstellung, andere ganz offensichtlich nicht. Das ist Demokratie und völlig legitim und vor allem nicht das eigentliche Problem im Ort.

    Und genau hier komme ich zu Ihrer Analyse: Ich glaube, dass Gemeindevertretung und Verwaltung bis heute in zentralen Fragen kein gemeinsames Verständnis davon haben, für wen eigentlich gearbeitet wird. Aus meiner Sicht wird nach wie vor zu häufig auf Verwaltungsfrieden und rechtliche Absicherung hingearbeitet, statt im Zweifel mutig bürgerorientierte Lösungen zu suchen. Das ist für mich der eigentliche Blockierer, ganz ohne einzelne Namen dafür zu brauchen.

    Insofern: recht treffende Analyse, Herr Wichlitzky. Nur verorte ich die Ursachen anscheinend an anderer Stelle. Und solange sich daran nichts ändert, wird sich der Kreisel wohl weiterdrehen.

  7. Jeffrey Wichlitzky
    21. Juni 2026 at 19:40

    Herr Schulze,

    die wiederholte Einladung nehme ich gern zur Kenntnis. Und ich schließe nichts aus.

    Aber sie lenkt vom Thema ab. Meine Kritik gilt nicht Ihrer Person — sie gilt der Gemeindevertretung als Gremium, und sie gilt dem Muster, das sich durch Jahre von Protokollen zieht. Und es ist immer dasselbe Muster: Salbungsvolle Worte eines Bürgermeisters, fehlender Konsens, Stillstand. Alle nicken. Fertig. Nächste Sitzung, gleiches Spiel — über 16 Jahre Mücke hinweg. Dass jetzt ein leiser Protest aufzukeimen scheint, ist vermutlich nur dem geschuldet, dass wir einen neuen Bürgermeister haben.

    Den Bildungsgrad der Mitglieder der GV kann ich den Protokollen nicht entnehmen. Was ich entnehmen kann, ist die Bereitschaft zu lösungsorientiertem Handeln — und die Fähigkeit, Themen nicht nur zu verwalten, sondern diesen Ort tatsächlich krisenfest weiterzuentwickeln, ohne dabei die Gartenstadt zu opfern. Was ich lese, macht mich über weite Strecken hinweg fassungslos. Was in Nachbargemeinden funktioniert, gilt hier als Utopie. Was anderswo Konsens ist, wird hier zur Grundsatzdebatte. Und seien es nur 20cm für einen entsprechenden Fußweg aus der Gemeinde raus. Themen werden nicht gelöst — sie werden über Legislaturperioden geparkt, bis sie sich entweder von selbst erledigen oder jemand anderes die Rechnung bezahlt.

    Das ist kein Vorwurf an Sie persönlich. Es ist ein wiederholter Befund — und er betrifft ein Gremium, in dem einige Stühle schon sehr lange von denselben Menschen gewärmt werden. Mit demselben Ergebnis.

    Dass ein einfaches „Ja” in einer Sitzung viel Vorbereitung kostet — das glaube ich Ihnen. Ich frage mich nur, ob das Ergebnis dieser Vorbereitung dem Aufwand entspricht.

    Sie fragen, was man gegen Politikverdrossenheit tun kann. Die Antwort gebe ich Ihnen gern — und sie gilt für uns beide: Benennen Sie die Bremser, die Blockierer und Schönfärber und Nutznießer. Öffentlich und laut. Stellen Sie die richtigen Fragen im Rahmen Ihres Mandats. Hinterlassen Sie nachvollziehbar Spuren in den Protokollen. Stellen Sie die entsprechenden Anträge — und fordern Sie dann konsequent ein, was fehlt. Und machen Sie es öffentlich. Das ist kein Ratschlag von außen. Das ist die Stellenbeschreibung.

  8. 21. Juni 2026 at 17:28

    Herr Wichlitzky,
    wenn ich Ihrer Meinung nach auch wieder nur einer bin, in einer Reihe von untätigen Gemeindevertretern, dann rufe ich sie hiermit nochmal dazu auf, Ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden, und statt hier in der Kommentarzeile laut zu heulen, sich zum Beispiel in einer Fraktion zu beteiligen. Oder was auch immer Sie sehen, was wir ungebildeten Gemeindevertreter nicht sehen (trotz Glaskugel) – aber ändern Sie was; tun Sie es! Nur Sie können uns retten!

    “Es bedeutet, sich zu informieren — auch zwischen den Sitzungen, über die Themen und Prozesse, die diese Gemeinde tragen. Es bedeutet, getroffene Entscheidungen aktiv zu hinterfragen und die Verwaltung in ihrer Ausführung im Namen der Wähler zu kontrollieren.” – Genau das tun wir von Gemeinsam für Schulzendorf – ich glaube sie haben keine Ahnung wie viel Zeit drauf geht für ein einfaches ´ja´ in einer Sitzung oder einen Vorstoß wie den gegen den Schulstandort. Sie scheinen ja zu meinen uns war mal so und los gehts, Attacke gegen den Mainstream. Da irren Sie sich eben, so einfach ist das.
    Aber Weltbild gibts hier im Kommentar trotzdem zusätzlich. Bürgerservice. Damit keiner behaupten muss, er hätte die Katz im Sack gekauft. Das passiert bei Gemeinsam für Schulzendorf sicher nicht. Dafür sorge ich!

  9. Jeffrey Wichlitzky
    21. Juni 2026 at 14:34

    Die strukturelle Kritik ist nicht falsch — und ich teile sie in Teilen. Die Spannung zwischen formaler GV-Kompetenz und faktischer Entscheidungshoheit ist real. Wer Bauanträge abzeichnen darf, aber keine Zebrastreifen anordnen kann, hat ein berechtigtes Anliegen.

    Aber dann kommt der Widerspruch.

    Demokratie bedeutet nicht, dass die eigene Position sich durchsetzt. Sie bedeutet, dass Mehrheitsentscheidungen auch dann getragen werden — und weiterentwickelt werden — wenn sie gegen die eigene Überzeugung fallen. Ortsentwicklung misst sich nicht daran, ob eine Entscheidung ins eigene Weltbild passt, sondern ob sie über das Ende des eigenen Mandats hinaus tragfähig ist. Wer das verweigert, betreibt keine Kommunalpolitik — er betreibt Verwaltung des eigenen Standpunkts.

    Ein GV-Mandat ist mehr als Anwesenheit in Sitzungen und die Zurschaustellung der eigenen ideologischen Weltanschauung. Es bedeutet, sich zu informieren — auch zwischen den Sitzungen, über die Themen und Prozesse, die diese Gemeinde tragen. Es bedeutet, getroffene Entscheidungen aktiv zu hinterfragen und die Verwaltung in ihrer Ausführung im Namen der Wähler zu kontrollieren. Das ist keine Nebenpflicht, das ist der Kern des Amtes. Dass genau das in Schulzendorf über Jahre nicht stattgefunden hat — von niemandem, nicht nur von einem — ist der eigentliche Grund für den Zustand, den wir heute gemeinsam beklagen. Lautstärke im Kommentarbereich ersetzt das nicht.

    Die Schule kommt. Sie kostet Geld, sie bringt Verkehr, sie verändert den Ort. Genau deshalb wäre es die Aufgabe eines Gemeindevertreters, jetzt an ihrer Gestaltung mitzuwirken — Erschließung, Verkehrskonzept, Infrastruktur. Stattdessen lesen wir hier zum wiederholten Mal von „Dinkel-Dörte and friends”. Das ist kein Gestaltungsanspruch. Das ist Verweigerung mit rhetorischem Aufwand.

    Und zur Umgehungsstraße: Die Trasse steht seit 2017 im FNP. Bauleiter Sonntag hat sie damals als „seit Jahren vorgehalten” bezeichnet, Haushaltsmittel waren angekündigt, Schönefeld war im Gespräch. Was daraus wurde, ist bekannt. Wer heute echte Planungshoheit einfordert, hätte sie damals wie heute nutzen können — mit einem Antrag, nicht mit einem Kommentar.

    Was niemand wirklich sehen will, ist der Schatten, den diese Gemeinde mit sich trägt: Wir verwalten durch Ignorieren und Unterlassen. Die Umgehungsstraße ist ja nicht wirklich notwendig — die Schule steht schließlich nur temporär in Waltersdorf. Die Kita ist ja nicht wirklich dringend — wir haben ja nur vorübergehend zu wenig Plätze für zu viele Kinder. Straßenbeleuchtung? Nur ein temporäres Problem — die Sonne scheint ja hin und wieder. Und Bildung braucht ohnehin kein Mensch mehr — wir haben schließlich alle das Internet und die KI.

    Das Frappierendste daran: Die Namen der Mandatsträger ändern sich. Die Haltung bleibt. Wozu das führt, sieht man, wenn man durch die Nachbargemeinden fährt — nicht weit von hier. Überalterung, fehlende Infrastruktur, verwaiste Gaststätten. Keine Katastrophe, die über Nacht kam. Nur das Ergebnis von Jahrzehnten, in denen das Temporäre zur Dauerlösung wurde. Politikverdrossenheit speist sich genau aus dieser Haltung von Mandatsträgern

  10. 21. Juni 2026 at 00:54

    Wenn die Kacke am Dampfen ist, soll der Gemeindevertreter mit seiner Stimme die Versäumnisse früherer Fehl-Entscheidungen abmildern, am Besten sogar mit tragen und weiter gestalten – auch wenn er grundsätzlich dagegen ist. Der Zweck soll hier wohl die Mittel heilen. Sobald er aber etwas anstoßen oder durchsetzen möchte, das nicht in die gewünschte politische Fahrrinne passt, wird erklärt, dass er ohnehin nichts zu melden habe und am Ende andere Stellen entscheiden.

    Ist die Gemeindevertretung ein ernstzunehmendes demokratisches Gremium – dann muss sie auch ernsthaft gestalten dürfen. Oder sie ist eben nur dafür da, bereits vorgegebene Entscheidungen abzunicken. Diese Demokratie nach Bedarf überzeugt mich jedenfalls nicht. Ich entscheide neuerdings über Bauanträge, aber darf keine Zebrastreifen anlegen lassen. Ich entscheide über Vorflächen, aber darf eine Schule nicht stoppen, die uns Kopf und Kragen kostet und die eben nicht von Dinkel Dörte and friends, allein getragen wird, sondern von allen Schulzendorfern – auch denen die gerade selbst noch in diese Schule gehen.

    Also entweder entwickeln wir diese Demokratiesimulation wieder hin zu echter Planungshoheit und echter kommunaler Selbstverwaltung, oder wir bewerfen uns weiter gegenseitig mit Schuldzuweisungen, während die eigentlichen Entscheidungen längst woanders getroffen werden.

    Ich war schon als Elternvertreter ganz großer Fan von Windeldebatten im Kita-Ausschuss, um sich selbst davon abzulenken, dass man eigentlich bei wesentlichen Entscheidungen nichts zu melden hat und nur in systematisch installierter Minderheit mitstimmen darf wenn es mal wirklich drauf an käme. Und da wundert sich dann noch irgendwer über Politikverdrossenheit von Otto Normal (bleifrei).

  11. Jeffrey Wichlitzky
    20. Juni 2026 at 20:22

    Ich korrigiere mich: Die Trassenführung findet sich sehr wohl in den Protokollen — ich hatte schlicht nicht gründlich genug geschaut. Im FNP steht die Umgehung des Altdorfes seit Jahren drin. März 2017, OEA: Bauleiter Sonntag erklärt sie für „seit Jahren vorgehalten”, kündigt Haushaltsmittel für 2018 an. Juni 2017, eigener TOP, Schönefeld ist dabei, Anschluss an eine östliche Ortsumfahrung Waltersdorfs wird besprochen.

    Und dann? Stille. Kein Beschluss, kein Auftrag, kein Geld. Fast zehn Jahre später taucht das Thema als Kommentar im Schulzendorfer auf.

    Die Idee ist gut. Der Ort, sie einzubringen, wäre die Gemeindevertretung gewesen.

  12. Jeffrey Wichlitzky
    20. Juni 2026 at 09:20

    Der Hinweis auf die Trassenführung von Herrn Schulze ist inhaltlich nicht uninteressant. Er wäre als Antrag in der Gemeindevertretung noch interessanter gewesen. Wurde er je gestellt? Zumindest meiner Recherche in den öffentlich einsehbaren Protokollen findet sich kein Hinweis dazu.

    Aber der Lastenrad-Satz verdient eine direkte Antwort.

    „Dinkel-Dörte bringt ens Ida-Louise und Rasmus-Johannes im Lastenrad” — das ist kein Humor, das ist ein Milieubild. Es markiert bestimmte Familien als fremd, lächerlich, nicht wirklich zugehörig. Und es kommt von jemandem, dessen politische Heimat sich gern als weltoffen und fortschrittlich versteht.

    Ida-Louise und Rasmus-Johannes haben dasselbe Recht auf einen sicheren Schulweg wie alle anderen Kinder in diesem Ort. Und ihre Eltern haben dasselbe Recht auf Respekt. Um das Bild trotzdem weiterzuspinnen: Genau diese Eltern sind es erfahrungsgemäß, die sich aktiv um die Bildung ihrer Kinder kümmern — und die eine Schule tragen.

    Zu Petra P.: Die Frage, warum das Gebiet der Waldsiedlung nicht früher für eine eigenständige Schulzendorfer Schule geprüft wurde, ist berechtigt — und verdient eine ehrliche Antwort. Schulzendorf hat eine Grundschule — sie ist nur zu klein. Dass das so ist, ist nicht passiert, weil irgendjemand von außen das so wollte — sondern weil die Gemeinde die absehbaren Engpässe in der sozialen Infrastruktur jahrelang ignoriert hat. Kein Antrag, kein Konzept, keine Kooperation — bis es zu spät war. Die IKGS ist nicht der Schnellschuss. Der Schnellschuss war das jahrelange Nichtstun, das am Ende nur noch eine Option übrig ließ. Wer das Schulproblem verschlafen hat, ist keine rhetorische Frage. Es ist eine, die sich mit einem Blick in die Sitzungsprotokolle der letzten zehn Jahre beantworten lässt. Und sie stellt sich bis heute: Niemand geht ernsthaft auf die Suche nach verlässlichen Zahlen für Schulzendorf. Alle öffentlichen Debatten stützen sich auf allgemeine Hochrechnungen, auf Statistiken für Bundesländer oder Gemeinden ähnlicher Größe — aber nicht auf das, was hier vor Ort tatsächlich Tatsachen schafft. Realistische Bedarfsplanung sieht anders aus.

  13. Peter Siegert
    17. Juni 2026 at 13:00

    Es stehen doch keine Wahlen vor der Tür. Blanker Populismus! Anstelle einer sachlichen Debatte werden Ängste angesprochen und Lösungen präsentiert, die gar nicht existieren.

  14. Petra P.
    17. Juni 2026 at 12:01

    Mein Großvater hat schon gesagt: “Erst besinnen, dann beginnen! ” Einfach auf den Punkt gebracht. Die Standortentscheidung für die Schönefelder Schule in Schulzendorf war eben nicht nur finanziell ein Schnellschuss, sondern noch darüber hinaus nicht durchdacht. Das wird sich in den nächsten Jahren zeigen.
    Jetzt wird über das Gebiet der Waldsiedlung gesprochen. Warum ist dies nicht viel eher passiert und zwar für eine eigenständige Schulzendorfer Schule.
    Übrigens, ich sehe zum obigen Artikel kein Konsens. Was ist daran verwerflich, sich um die Sicherheit unserer Schulkinder Sorgen zu machen und dies zur Diskussion zu stellen? Fest steht, auch die Übergangslösung zur Interimsvariante birgt verkehrstechnische Risiken.
    Und wer hat das Schulproblem seit Jahren verschlafen?

  15. 17. Juni 2026 at 00:55

    Hat jetzt nichts mit der Zuwegung zur sowieso viel zu teuren (temporären) Container-Penne zu tun, aber ich hatte mich direkt gefragt, wieso man die Anfahrt für die neue Schule nicht eigentlich von Waltersdorf kommend rechts am Altdorf entlangführt. Dann steht man ja sozusagen direkt an der Rettungswache, ohne die Miersdorfer zu frequentieren, was vielleicht zumindest den Verkehr an der Kita-Kreuzung entlasten würde.
    Sind ja schon ein paar Hundert Schönefelder Kinder, die bald täglich in unseren Ort gekippt werden und wieder abgeholt werden müssen. Ich bin mal gespannt, ob die drei Fürsprecher und ihre Schergen das immer noch so feiern, wenn sie hoffentlich selbst dann täglich dort 30 Minuten im Stau stehen. So was gab’s schon mal in den 90ern an dieser Stelle. Das war nur mittelschön für die Berlin Pendler.

    Besonders die round about 150 Schulzendorfer Schüler*innen und außen dürfen sich ja vermutlich auf ein verkehrspädagogisches Zusatzprogramm freuen. Außer natürlich Dinkel-Dörte bringt ens Ida-Louise und Rasmus-Johannes im Lastenrad. Dann wird alles gut – und vielleicht muss sich Waltersdorf den zusätzlichen Verkehr nicht auch noch von zwei Seiten antun.

  16. Tiefbau
    16. Juni 2026 at 17:40

    Schade, oder einen sachlichen Beitrag schreiben !
    Ich hatte mit Manfred Wendorf vor Jahren gesprochen – Antwort des ehemaligen GABAU Chefs – “mit mir hat keiner gesprochen”. Heißt auch, das Eigentümesrecht wurde von der Gemeinde immer sehr ernst genommen.

    Das Audi für diese Stelle war auch nicht einfach, denn auch der Gegenverkehr war zu beachten. Es ist an dieser Stelle einfach kein Gehweg oder Radweg vorhanden. Andere Trassenführungen wurden nur von Gemeindevertreter diskutiert.

    Zahlen – Lächerlich – 6 Unfälle, sind 6 Unfälle zu viel. Wer hier herunterstabelt wird bei einem tödlichen Unfall nichts gewußt haben – oder ! Die Aussage ist nichts wert, weil GV – langfristig denken und die Behörde nur nackte Zahlen vorlegt.

    Aber : Die Diskussion ist deshalb merkwürdig, weil die Ortsumgebung Alt Schulzendorf diskutiert wird.

    Ich finde es gut, dass Frau Boy die Diskussion wieder anstößt. Sie weiß sicherlich, dass es eine Kreisstraße ist und bisher kein leistungsfähiger Weg zu einer Schule besteht.

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