Schönefeld/Schulzendorf. Nach wochenlangem eisernem Schweigen hat sich das Schönefelder Rathaus erstmals zu Thema Ultrafeinstaub am Standort des „Leuchtturmprojekts“, der gemeinsamen interkommunalen Grundschule in Schulzendorf und der Zwischenlösung, der Container-Schule in Waltersdorf, geäußert.
Rathaus winkt ab: Keine Gesundheitsgefährdung!
Christian Könning vom Bürgermeisterstab in Schönefeld wirft der Berichterstattung im Schulzendorfer vor, „eine Gesundheitsgefährdung an den künftigen Standorten Waltersdorf und Schulzendorf zu konstruieren.“ Er argumentiert: „In der Flughafenregion kommt es an keinem Ort zu Vorzeigewerten bei der Luftqualität. Es kommt aber auch nicht zu einer Gesundheitsgefährdung unserer Kinder an den vorgesehenen Standorten Waltersdorf und Schulzendorf.“

Container-Schule Waltersdorf- C.Könning: “Es kommt nicht zu einer Gesundheitsgefährdung unserer Kinder.” (Foto: mwBild)
Besonders pikant: In der eigenen Stellungnahme räumt Könning ein, dass der BER in Schönefeld und Schulzendorf im Langzeitmittel für bis zu 30 Prozent aller Ultrafeinpartikel (UFP) verantwortlich sein kann.
Und schließlich gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Ultrafeinstaub, verdeutlicht Könning. Soll heißen: Wo es keine Grenzwerte gibt, kann es auch keine Grenzwert Überschreitungen geben.
Das stimmt zwar, doch genau das ist Teil des Problems. Denn das Umweltbundesamt (UBA) erklärt selbst, dass die wissenschaftliche Datenlage zwar noch nicht für verbindliche Grenzwerte ausreicht, es aber zahlreiche Hinweise auf gesundheitliche Risiken gibt.
Was das UBA sagt
In seinem Bericht “Ultrafeine Partikel – Verursacher, Messung und Wirkungsbewertung” (Texte 126/2022) nimmt das UBA ausführlich Stellung zur Thematik. Im Umfeld von Flughäfen kann die Belastung durch Ultrafeine Partikel (UFP) „deutlich erhöht“ sein. UFP können besonders tief in die Lunge eindringen und sogar in den Blutkreislauf gelangen. Das UBA bleibt dabei wissenschaftlich zurückhaltend: Die gesundheitlichen Auswirkungen werden als relevant beschrieben und dauerhafte Exposition gegenüber erhöhten Luftschadstoffkonzentrationen sollten bei Kindern möglichst vermieden werden. Eine Empfehlung, wonach Schulen nicht in der Nähe von Großflughäfen gebaut werden sollen, gibt es nicht. Dennoch rät das UBA, Neubauten von Schulen und Kitas in unmittelbarer Flughafennähe sollten nach besonders sorgfältiger Prüfung erfolgen.
Und wie sah die Abwägung der Container Schule in Waltersdorf aus? Schönefelds Rathaussprecher Jörn Morisse: „Der Standort in Waltersdorf wurde gewählt, da dieser die Anforderungen an Baurecht und Größe erfüllt. „Eine Risikoabschätzung in Bezug auf eine potentielle UFP-Belastung ist im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens nicht erforderlich.“
Die unsichtbare Gefahr
Nach dem Vorsorgeprinzip sollten Kinder möglichst nicht dauerhaft hohen Konzentrationen ultrafeiner Partikel ausgesetzt sein, da gesundheitliche Risiken wissenschaftlich diskutiert und teilweise nachgewiesen sind. Grund: Kinder reagieren besonders empfindlich, denn ihr Organismus nimmt mehr Luft und damit Schadstoffe pro Kilogramm Körpergewicht auf, als der eines Erwachsenen.
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Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages legten 2024 nahe, dass Ultrafeinstaub toxisch ist, besonders relevant bei Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD oder Lungenkrebs.
Tatsache bleibt, dass beim Verbrennen von Kerosin massenhaft Ultrafeinstaub freigesetzt wird. Tatsache ist auch, dass beide Schulstandorte bei Westwind in der direkten Ultrafeinstaub Abgasfahne von Flugzeugen liegen. Und Tatsache ist auch, dass man den Effekt bis zu sieben Kilometer um den Flughafen BER herum deutlich messen könne, wie der Abteilungsleiter Luft beim UBA, Marcel Langner, im Mai 2025 in Berlin erklärte.
Ein paar hundert Meter von beiden Schulstandorten entfernt, werden an der nördlichen Rollbahn des BER regelmäßig Spitzenwerte von UFP gemessen. Am 15.Mai wurden ein maximaler Einstundenmittelwert von 86.150 ultrafeinen Partikeln pro Kubikzentimeter registriert. Das ist fast das Neunfache der von der WHO als erhöht eingestuften Konzentration von 10.000 Partikeln!
Wo Kita erlaubt ist kann auch Schule sein?
Könning rechtfertigt beide Projekte: „Die seit Jahren betriebene Johanniter-Kita Ritterschlag sowie Wohnbebauung am Ritterschlag in Größenordnung befinden sich ebenfalls am finalen Standort der Interkommunalen Grundschule in Schulzendorf. Wo wohnen und Kita erlaubt sind, sollte auch das „Zurschulegehen“ möglich sein.“
Nur weil überall schlechte Luft herrscht, heißt das nicht, dass man Kinder hineinsetzen sollte. Wo bleibt die Vorsorgeverpflichtung der Politiker? “, prangert Bürgerrechtler Reinhard Bolduan an.
Die Schönefelder Rathaus Argumentation erweckt den Eindruck, dass man sich in den Amtsstuben die berühmte Lebensmaxime von Pippi Langstrumpf aus Astrid Lindgrens Klassiker zu eigen gemacht hat: “Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.”

Zum Thema Container Schule Waltersdorf. Der Standort ist meiner Meinung nach nicht gut gewählt.
Eltern die Ihre Kinder zur Schule bringen, haben an der Kreuzung früh morgens keine Chance!
Verkehrsstau in höchster Potenz ist vorprogrammiert!