Friedhofsgebühren – Wir haben den Check gemacht

15. August 2021
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Schulzendorf. Wenn morgen vom Gemeinderat die Friedhofsgebührensatzung von Bürgermeister Mücke (SPD-nominiert) durchgewinkt werden sollte, wird Sterben in Schulzendorf künftig teurer als in Zeuthen, Berlin, oder München.

Mückes Horrorgebühren basieren auf den Zeitanteilen der Friedhofsmitarbeiter für 44 Leistungsarten, wie beispielsweise Wege reinigen, Bänke streichen, Mähen. Größter Makel: Die Zeitanteile der neuen Friedhofsgebühren basieren auf veralteten Daten, nämlich aus dem Jahr 2018. In den Folgejahren wurden sie nicht mehr erfasst.

Der Schulzendorfer hat zwei der 44 Leistungsarten im Detail gecheckt und dazu die handschriftlichen Arbeitsnachweise der Mitarbeiter unter die Lupe genommen. Zum einen „Friedhofsarbeiten“ (Einsatznummer 0504), damit sind Wasserbehältnisse reinigen, Gießkannen warten, Wasser an- und abstellen, Vogeltränken befüllen gemeint. Zum anderen „Bauhof Organisation und Abrechnung“ (Einsatznummer 140124), womit u.a. Arbeitseinweisungen und das Führen der Arbeitsnachweisen erfasst werden.

Friedhofsgebühren

Ergebnis: Bei den „Friedhofsarbeiten“ rechnet Bürgermeister Mücke mit 266 Stunden. Der Schulzendorfer zählte  in den Arbeitsnachweisen lediglich 238,50 Stunden. Bei der Leistungsart „Bauhof Organisation und Abrechnung“ waren es 193 Stunden, das Rathaus setzt 245,25 Stunden an. Differenz: In beiden Fällen über 10 Prozent!

Den Arbeitsnachweisen zufolge haben die drei Friedhofsmitarbeiter im gesamten Jahr 2018 weder eine Frühstücks- noch eine Mittagspause eingelegt. In aller Regel begann sie um 7 Uhr mit der Arbeit, sie endete um 15.30 Uhr oder 16 Uhr. In den Arbeitsnachweisen schloss eine Leistungsart nahtlos an die andere an. Ein ganzes Jahr durchrackern ohne Pause? Plausibel klingt das nicht.

In 2018 waren alle Mitarbeiter insgesamt 439 Tage anwesend. Rechnet man pro Tag 45 Minuten Pausenzeiten für jeden an, dann sind das knapp 330 Stunden, die nicht in die Kalkulation hätten einfließen dürfen.

In die Gebührenordnung schlagen sich auch Personalkosten der Rathausmitarbeiter nieder. Schulzendorfs zuständige Mitarbeiterin benötigt für das Ausstellen einer Genehmigung zum Aufstellen von Grabsteinen oder Einfassungen 60 Minuten. Für jede Zeitstunde werden 49,03 Euro angesetzt. Heißt, dem Bürger kostet die Genehmigung 49,03 Euro.

In Zeuthen benötigt das Amt für dieselbe Arbeit nur 15 Minuten. Dort wird der Zeitstundenpreis mit 25 Euro angesetzt. Der Zeuthener zahlt für die Genehmigung lediglich 6,25 Euro.

Bleiben zwei Fragen: Warum arbeitet die Sachbearbeiterin in Schulzendorf, im Vergleich zu ihrem Zeuthener Kollegen, im Schneckentempo? Und warum müssen Bürger dafür tiefer in die Tasche greifen?

In der Öffentlichkeit hält sich hartnäckig die Meinung, das Amt habe die tatsächlich anfallenden Kosten bewusst „hochgerechnet“, um zu Lasten der Bewohner möglichst viel in die Gemeindeschatulle zu spülen.

Fazit unseres Checks: Einleuchtend ist Mückes Kalkulation nicht!

One Response to Friedhofsgebühren – Wir haben den Check gemacht

  1. KARO
    16. August 2021 at 21:14

    “Einleuchtend” nicht, aber erfolgversprechend für die Gemeindekasse. Wer ist schon in der Trauersituation in der Lage sich um Preiskalkulationen zu kümmern. Die Gemeindevertreter denken doch nur an ihr Sitzungsgeld außerdem für ihre Beerdigungskosten kommt doch später die Familie auf die Kosten tangieren sie selbst dann nicht mehr. Sie kümmern sich doch nicht mal um eine vernünftige Zuwegung von der Freiligrathstr. aus. Der BM schon gleich gar nicht. Seine Organisation der Gemeinde klappt doch so gut, dass er schon die gelben Säcke selbst ausgibt. ODER ist das die neue Bürgernähe????

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