Corona – Seuche: Wie gut sind wir wirklich vorbereitet?

17. März 2020
Von

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat deutsche Krankenhäuser aufgerufen, sich wegen der Ausbreitung der Corona Virus-Epidemie auf eine größere Zahl schwer erkrankter Patienten vorzubereiten.

Wie Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitsweisen an der TU Berlin erklärte, gibt es 27.000 Intensivbetten an deutschen Kliniken. Rund 80 Prozent davon sind belegt.

In Deutschland stehen den 1942 Krankenhäuser 497.000 Betten für die Allgemein- und Akutversorgung zur Verfügung. Das ist Spitze in Europa. (Foto: mwBild).

In Deutschland stehen den 1942 Krankenhäuser 497.000 Betten für die Allgemein- und Akutversorgung zur Verfügung. Das ist Spitze in Europa. (Foto: mwBild).

Der Landkreis Dahme – Spreewald sieht die Kliniken im Kreis hinsichtlich der Bettenkapazitäten, Notfallpläne und Zahl der Beatmungsgeräte gut vorbereitet.

Der Schulzendorfer wollte genau wissen, wie gut wir auf einen sprunghaften Anstieg der Infizierten gewappnet sind und fragte im Achenbach Klinikum in Königs Wusterhausen nach. Doch auf die Frage, über wie viele Beatmungsgeräte und Intensivbetten die Klinik derzeit verfügt und wie sie ausgelastet sind, gab es keine konkrete Antwort. Auch die Frage, ob 15 Corona Patienten alle auf einmal in der Intensivstation behandelt werden könnten, blieb unbeantwortet.

„Die genaue Anzahl von Intensiv- bzw. Isolationsbetten wird von der jeweils aktuellen Entwicklung abhängen und wird in Rücksprache mit den zuständigen Behörden bei Bedarf (Hervorhebung – die Red.) entschieden.“, erklärte Klinik Sprecherin Dr. Münch.

Hört sich nach „Just – in – time“ – Versorgung an. Doch die funktioniere im Gesundheitswesen nicht, sagt die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna: „Die Feuerwehr wird ja auch nicht nach Bränden bezahlt und schafft sich erst dann Feuerwehrautos an, sondern wir brauchen und finanzieren sie vorsorglich.“

Die Bundesärztekammer hält die Krankenhäuser in Deutschland nicht für ausreichend auf das Coronavirus vorbereitet. (Foto: mwBild)

Die Bundesärztekammer hält die Krankenhäuser in Deutschland nicht für ausreichend auf das Coronavirus vorbereitet. (Foto: mwBild)

Beim Corona – Gipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der 16 Bundesländer letzte Woche wurde beschlossen, zusätzliche Intensiv- und Beatmungskapazitäten zu schaffen. Für jedes Intensivbett, das zusätzlich provisorisch geschaffen und vorgehalten werde, sollen die Krankenhäuser einen Bonus erhalten.

Landkreissprecher Bernhard Schulz: „Das Landratsamt kann versichern, dass die Krankenhäuser bestmöglich vorbereitet sind. Die Kapazitäten der Intensivbetten können anhand der Lage angepasst werden. Gleiches gilt für das Personal, welches zum Einsatz kommen würde.“

Doch schaut man auf die lange Liste des medizinischen Personals, das die Klinik sucht, kommen Zweifel auf, ob beim noch bevorstehenden Höhepunkt der Seuche tatsächlich ausreichend intensivmedizinisch ausgebildete Mitarbeiter verfügbar sind.

Immerhin sehen sich Verwaltung und Achenbach Klinik in der Corona – Krise gut gerüstet. Doch allein Beteuerungen werden bei Bürgern diese Überzeugung nicht manifestieren. Dabei wäre das so wichtig.

7 Responses to Corona – Seuche: Wie gut sind wir wirklich vorbereitet?

  1. Peter Siegert
    Peter Siegert
    18. März 2020 at 08:31

    Der Geschäftsführer von Achenbach könnte so ticken. Die Bundesregierung hat ja alle Krankenhäuser aufgefordert, nicht notwendige Operationen zu verschieben, sondern sich stattdessen auf die Coronabehandlungen vorzubereiten. Achenbach würden damit auf das Jahr gesehen Millionen Euro verloren gehen. Also wird der Geschäftsführer so lange es geht nicht unbedingt erforderliche Operationen fortführen, damit die Bilanz nicht in die Schieflage gerät. Und eben bei „Bedarf“ (wie es die Pressesprecherin formulierte) gibt es Hüftschüsse und es wird dann auf der Intensivstation aufgerüstet. Vielleicht spekuliert die Klinik auch darauf, dass es in unserer Region nicht so schlimm mit Corona wird. Warum soll man dann viele neue und teure Betten/Beatmungsgeräte vorhalten? Die Dame vom Marburger Bund hat es auf den Punkt gebracht. Hier muss natürlich der Bund finanziell ran, er hat Milliarden erwirtschaftet. Die Stellungnahme vom Landkreis ist blamabel.

  2. Tiefflieger
    Tiefflieger
    18. März 2020 at 08:02

    @Grolle: Wenn man sich mit Corona infiziert, dann am besten in Deutschland,das ist unbestritten. In dem artikel geht es doch um etwas anderes, das Schweigen der Klinik und des Landkreises. Alles schimpft auf die Bürger, die in Panik sind. Warum sind sie in Panik? Weil Landkreis und Klinik eine katastrophale Informationspolitik machen. Kein Bürger erwartet doch, dass mit Fingerschnipsen plötzlich alles perfekt ist. Sorry, was der Landkreis von sich gibt sind Floskeln. Warum sagt die Klinik nicht, wir haben 20 Betten auf der Intensivstation, 14 sind belegt, wir kümmern uns, dass noch zusätzliche angeschafft werden. Dann würde es hier keine Debatte geben. Bleibt alle schön gesund!

  3. Irene
    18. März 2020 at 07:47

    Unsere Kliniken sind gerüstet!!! Wie??? Ich habe in meiner Familie leider Klinikerfahrung vor 1/1/2 Jahren.
    KW Achenbach: Mein Enkel 30, Schulter-Trümmerbruch – 1 Nacht auf dem Flur, 2 Nächte auf der Frauenstation
    Mann: KW Gallen OP/Herzschrittmacher implantiert – ständig fremde Gäste von Patienten im Zimmer – Desinfektionsgeräte nicht oder leer.
    Neukölln Klinikum: Mann war in der
    Notaufnahme (Schlaganfall) nicht registriert, Desinfektionsmaßahmen im Haus gleich 0, Besucher von früh bis spät auf dem Intensivzimmer.
    Hedwigshöhe: Pflegepersonal mehr als mau. Besucher stets und ständig im Zimmer. Desinfektion für Gäste =O
    Nur eine Klinik – Sana Lichtenberg kann ich lobend erwähnen. Besucher gibt es auf der IntensivStation nur nach vorheriger Anmeldung (1Person), Desinfektion bereits am Eingang im und vor den Zimmern. Personal ständig einsatzbereit.
    Anm: es handelte sich nur um Intensivbereiche in ganz normalem Krankenhausalltag von mindestens 14 Tagen Aufenthalt und es funktionierte nicht.

  4. Grolle
    17. März 2020 at 18:08

    Ich denke, wir jammern hier alle auf äußerst hohem Niveau! Wir in Deutschland haben eines der besten Gesundheitssysteme weltweit. Und auch die Anzahl Intensivbetten ist im Verhältnis pro Einwohner bei uns im Europavergleich deutlich größer. Aber natürlich: mehr geht immer, muss nur einer (höhere Steuerbelastung?) bezahlen…

  5. Oliver
    17. März 2020 at 13:05

    Das ist wieder typisch Politikerdeutsch: “Wir sind bestmöglich vorbereitet” Aber wie gut ist “bestmöglich” ?

    Damit haben wir eine Aussage die zu absolut nichts zu gebrauchen ist, aber keine Zahlen und wir brauchen uns nicht vorzumachen, daß man in Zeiten erhöhter Belastung die Kapazitäten mal einfach so verdoppeln kann, auch nicht mit Geld !

  6. BingeLaden
    BingeLaden
    17. März 2020 at 12:44

    Ad hoc, also nach Lage der Dinge, zu entscheiden, ob man Betten anschafft oder nicht, ist das Prinzip knallhart rechnender Unternehmer. Achenbach wird warscheinlich mit Hüft- Knienoperationen mehr verdienen, als mit der Versorgung von Menschen auf der ITS. Der Bund wird zwar finanziell unterstützen, doch ein Teil muss die Klinik selber tragen. Und die schafft nur das an, was unbedingt sein muss. Die Frau vom Marburger Bund hat völlig recht! Anstatt den Bürgern reinen Wein einzuschenken, was wirklich los ist, wird verschwiegen. Die meisten Bürger hätten Verständnis, wenn nicht gleich alles so ist, wie gewünscht. Die Heimlichtuerei ist unerträglich. Dass der Landkreis bei diesem Spiel mitmacht, enttäuscht mich.

  7. Dr. Dieter Füting
    17. März 2020 at 12:23

    Krisenzeiten machen sehr nachdenklich.

    In seinen ” Abhandlungen über die freiwillige Knechtschaft ” stellt E’tienne de La Boe’tie vor 470 Jahren Überlegungen an, die heute in Zeiten der Korona – und Klimakrise aktueller denn je sind: Politiker machen keinen glücklich. Lasst euch nicht mit Versprechungen einlullen. Bildung schützt vor einem Dasein als Schaf. Unterwerft euch nicht freiwillig.

    Jeder merkt in der Koronakrise, welche Menschen wirklich wichtig sind. Es sind die Verkäufer*innen, Krankenpfleger*innen, Ärzte, Wissenschaftler und Polizisten.
    Jeder sieht, dass es in der Klimakrise auf die Wissenschaftler, Biologen, Umweltschützer oder Landschaftsgestalter ankommt.

    Politiker in Stadt und Land, die sich immer so nach vorn drängen und meinen, so unendlich viel Recht zu haben, sind es nicht. Sie sind plötzlich ganz still. Keiner hört sie, niemand sieht sie.

    Doch diese Krisen werden die Gesellschaft grundlegend verändern müssen. Die Prioritäten werden neu geordnet werden müssen.
    Die Menschen müssen die Augen offen halten, sich zu Wort melden, lernen besser zu sein. Denn: Bildung schützt vor einem Dasein als Schaf.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Anzeige

Anzeige

Werbung