“Bauturbo”– wird Schulzendorfs Klimaschutzwald zum Bauland?

25. August 2026
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Sieben Häuser, 14 Wohnungen und dafür soll ein geschütztes Waldstück weichen. Jetzt steht die Gemeindevertretung vor einer heiklen Entscheidung.

Was 2017 noch als klare Sache galt, könnte plötzlich wieder auf der Tagesordnung stehen: Bauen am Helgolandplatz! Damals hatten Linke und die Körner-Fraktion den Vorstoß eines Immobilienunternehmers abgelehnt, auf der als Wald ausgewiesenen Fläche sechs Einfamilienhäuser zu errichten. Die Botschaft war eindeutig: Der Wald soll bleiben.

Neun Jahre später bekommt die Geschichte eine neue Wendung. Und diesmal soll der sogenannte „Bauturbo“ den Weg frei machen.

Waldstück am Helgolandplatz (Foto: mwBild)

Waldstück am Helgolandplatz (Foto: mwBild)

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14 Wohnungen mitten im Wald?

Nach dem jetzt vorliegenden Beschlussvorschlag soll die Gemeindevertretung einer Bauvoranfrage zustimmen. Geplant sind sieben Wohnhäuser mit jeweils zwei Wohneinheiten, verteilt auf die Helgolandstraße 69, 71 und 73 sowie die Miersdorfer Straße 62, 64 und 66.

Der Clou: Das Areal ist im Flächennutzungsplan als Wald dargestellt. Nach der Vorlage befindet sich die Fläche baurechtlich im „Außenbereich im Innenbereich“. Der neue sogenannte Bauturbo könnte es ermöglichen, in bestimmten Fällen von den bisherigen Regeln abzuweichen. Dafür ist in Schulzendorf die Zustimmung der Gemeindevertretung erforderlich.

Und genau hier beginnt der politische Zoff.

„Bauturbo“ gegen Klimaschutzwald?

Denn die zuständige Forstbehörde sieht die Sache offenbar deutlich kritischer als die Befürworter des Bauprojekts.

Jedes einzelne Flurstück erfüllt demnach vollständig die Voraussetzungen für Wald. Insgesamt geht es um rund 0,68 Hektar zusammenhängende Waldfläche. Noch brisanter: Die Fläche ist als „Lokaler Klimaschutzwald“ kartiert. Zusätzlich gilt sie als „Kleine Waldfläche im waldarmen Gebiet“.

Das klingt nicht gerade nach einer gewöhnlichen Baulücke.

Der einstige Frontmann der Zeuthener Grünen und heutige Professor an der Fachhochschule Erfurt in der Fakultät für Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst Jomas Reif zu dem Bauplänen: “Waldflächen, auch kleine, sind im aktuellen Klimawandel die besten Schutzvorrichtungen gegen dessen Auswirkungen: Hitze und Stürme. Es war von unseren Ahnen weitsichtig, kleine Waldflächen in Siedlungsbereichen zu belassen. Sie tragen wesentlich zur Lebensqualität in unseren Orten bei. Eine Bebauung würde einen unwiederbringlichen Verlust bedeuten.”

Forstbehörde: Waldumwandlung könnte ausgeschlossen sein

Besonders brisant wird es bei der Frage, ob der Wald überhaupt in Bauland verwandelt werden darf.

Die Forstbehörde verweist darauf, dass eine Waldumwandlung zu versagen sein kann, wenn der Erhalt des Waldes überwiegend im öffentlichen Interesse liegt. Bei den festgestellten Waldfunktionen sei das Ermessen zudem eingeschränkt. Können die negativen Auswirkungen nicht ausgeglichen werden, seien Eingriffe aus waldrechtlicher Sicht ausgeschlossen. Eine Ersatzaufforstung an anderer Stelle könne die konkrete Klimaschutzfunktion dieses Waldes nicht ersetzen.

Und dann folgt eine wichtige Ansage: Der „Bauturbo“ soll das Waldrecht offenbar nicht aushebeln.

Die Vorlage zitiert die Forstbehörde mit der Einschätzung, dass das Waldrechtsverfahren durch den neuen Baurechtsweg unberührt bleibt. Der „Bauturbo“ verändere die Bewertung der festgestellten Waldfunktionen nicht. Bauvorhaben im Außenbereich und Wald mit hochwertigen Waldfunktionen seien aus forstlicher Sicht durch den „Bauturbo“ nicht privilegiert.

Schon 2017 war Schluss!

Das Pikante an der aktuellen Debatte: Die Gemeinde hat sich mit genau diesem Areal bereits vor Jahren beschäftigt.

2017 wollte der damalige Investor sechs Einfamilienhäuser bauen. Dafür hätte der Flächennutzungsplan geändert werden müssen. Die damaligen Gegner argumentierten mit dem bereits erheblichen Verlust von Baumbestand durch den Bauboom in der Gemeinde. Die Linke schloss sich der Ablehnung an.

Jetzt stehen sogar sieben Häuser mit 14 Wohnungen im Raum.

Damit stellt sich eine simple Frage: Soll eine politische Entscheidung von 2017 nun durch einen neuen gesetzlichen Hebel faktisch ins Gegenteil verkehrt werden?

NABU schlägt Alarm

Auch der NABU Dahmeland lehnt das Vorhaben ab.

Matthias Rackwitz, Vorsitzender des Regionalverbandes Dahmeland e.V., erinnert daran, dass die Gemeindevertretung dem Wald bereits 2017 den Rücken gestärkt habe. Die spätere Einstufung als lokaler Klimaschutzwald und als kleine Waldfläche in einem waldarmen Gebiet habe den Schutzstatus zusätzlich untermauert.

Seine Botschaft an die Gemeindevertreter ist unmissverständlich: Der sogenannte Bauturbo müsse nicht angewendet werden, erst recht nicht dort, wo anerkannte und nicht gleichwertig ersetzbare Waldfunktionen verloren gingen. Der NABU fordert deshalb, den Beschlussvorschlag abzulehnen und den Helgolandplatz-Wald zu erhalten.

14 Wohnungen gegen 0,68 Hektar Klimaschutzwald, das dürfte eine der spannendsten und emotionalsten Entscheidungen der nächsten Gemeindevertretersitzung werden. Und vielleicht wird am Ende die entscheidende Frage gar nicht lauten, ob man bauen kann. Sondern: Will Schulzendorf dort überhaupt bauen?

One Response to “Bauturbo”– wird Schulzendorfs Klimaschutzwald zum Bauland?

  1. Obelix
    26. August 2026 at 02:39

    „Gier ist eine Sünde, sagt die Kirche. Gleichzeitig soll hier in Schulzendorf ein kleiner Klimaschutzwald für sieben Häuser geopfert werden. Der Wald macht aus CO2 Sauerstoff, während der Beton für diese Häuser massenhaft CO2 produziert. Wenn die Gier siegen sollte, ist mein Vorschlag: Anstelle des Waldes kommt ein riesiges Windrad mit einem Solarpark darunter. Die Klimahysteriker, die das hier so toll finden, sollen ihre Häuser bitte direkt dort anschließen und sich komplett vom allgemeinen Stromnetz abkoppeln. Ihre Fahrzeuge dürfen dann nur noch mit diesem Strom fahren und ihre Lebensmittel müssten ebenfalls ohne Diesel und andere fossile Energieträger angeliefert werden. Sollten die Befürworter außerdem dreimal im Jahr in den Urlaub fliegen, dann bitte auch nur mit Strom.“

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