Schulzendorf. Kaum ein Gebäude sorgt in Schulzendorf seit Jahren für so viel Streit, Ratlosigkeit und politische Versäumnisse wie das alte Gemeindeamt. Jetzt bringt die Fraktion Gemeinsam für Schulzendorf (GfS) die Debatte erneut auf die Tagesordnung mit dem Vorschlag, das Gebäude zu erhalten und Maßnahmen gegen einen möglichen Abriss einzuleiten.
Die Chronik verpasster Chancen
2010 ermittelte ein Gutachter einen Verkehrswert von 447.000 Euro. Gleichzeitig wurden erhebliche Mängel festgestellt: Allein am Dach bestand ein Reparaturstau von rund 40.000 Euro. Hinzu kamen hohe Sanierungskosten wegen des mangelhaften Wärmeschutzes. Schon damals sprach vieles gegen eine Nutzung durch Vereine oder Jugendliche.
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2012 forderte der damalige CDU-Gemeindevertreter Guido Thieke vom Rathaus ein „gut durchdachtes Konzept“ für die Zukunft der Immobilie. Doch ein solches Konzept blieb aus. Ex-Bürgermeister Mücke lieferte auch in den folgenden Jahren keine tragfähige Lösung. Stattdessen floss Jahr für Jahr Geld in Betriebskosten eines weitgehend ungenutzten Gebäudes.
2013 schlug Bernd Puhle vom Bürgerbündnis Alarm. Er kritisierte die laufenden Ausgaben für das alte Rathaus als Verschwendung von Steuergeld.
2020 entwickelte ausgerechnet eine für das Rathaus tätige Hausverwaltung ein Nutzungskonzept. Die Idee: Auf rund 360 Quadratmetern sollten sechs Wohneinheiten entstehen. Die geschätzten Umbaukosten lagen bei etwa 300.000 Euro. Dafür wurden jährliche Mieteinnahmen von rund 32.000 Euro in Aussicht gestellt.
Auch dieser Plan verschwand in der Schublade.
2023 brachte die CDU einen weiteren Vorschlag ins Spiel. Eine gemeindeeigene Gesellschaft sollte gegründet werden, um Wohnungsbauprojekte zu entwickeln, unter anderem auf dem Grundstück des alten Gemeindeamtes.
Doch statt konkreter Entscheidungen folgte erneut Stillstand.
Für Aufsehen sorgte schließlich 2025 eine Kostenschätzung aus dem Rathaus. Ohne valide Daten zu veröffentlichen warf Bauamtsleiterin Julia Kruse Instandsetzungskosten von rund 1,6 Millionen Euro in den Raum und das ohne umfassende energetische Modernisierung. Eine Zahl ins Blaue hinein?
Jahre des Stillstands
Das Ergebnis nach mehr als einem Jahrzehnt Diskussionen: leere Versprechungen, nicht umgesetzte Konzepte und laufende Kosten für eine Immobilie ohne Zukunftsperspektive. Die politische Verantwortung dafür sehen Kritiker vor allem bei Ex-Bürgermeister Mücke.
Vor diesem Hintergrund erscheint auch die Empfehlung der Zeuthener Rechnungsprüfer, Mücke für seine Haushaltsführung im Jahr 2022 zu entlasten, zumindest diskussionswürdig.
Der Haken am GfS-Vorschlag
So nachvollziehbar der Wunsch nach Erhalt des Gebäudes auch sein mag, die Festlegung gegen einen Abriss könnte verfrüht sein.
Denn bislang fehlt die entscheidende Grundlage für eine seriöse Entscheidung: Wofür soll das Gebäude künftig überhaupt genutzt werden? Welche Kosten entstehen bei einer Sanierung? Und wäre ein Abriss mit anschließendem Neubau möglicherweise wirtschaftlicher?
Der Ludwigsfelder Planer und Statiker Wolfgang Mischke äußert erhebliche Zweifel an einer Sanierung. Auf Anfrage erklärt er:
„Es ist wirtschaftlich fraglich, ein uraltes Gebäude, das mehr als zehn Jahre leer steht, fit auf die heute geltenden Bestimmungen des Wärme-, Schall- und Brandschutzes sowie des Heizungsgesetzes machen zu wollen. Zumal mit weiteren Schäden, beispielsweise Hausschwamm in den Holzbalkendecken, gerechnet werden muss.“ Sein Fazit ist eindeutig: Ohne gründliche Untersuchungen und belastbare Zahlen lasse sich keine der möglichen Handlungsoptionen seriös bevorzugen.
Damit steht Schulzendorf erneut vor derselben Frage wie schon seit Jahren: Retten, sanieren, abreißen oder neu bauen? Die Antwort darauf ist bis heute offen.

Herr Schulze, danke — das ist aufschlussreich. Der Tenor „sowas brauchen wir hier nicht” gegenüber der „Waldorf”-Schule klingt ähnlich vertraut wie die Antwort des ehemaligen Bürgermeisters auf die Frage, inwieweit er als Verantwortlicher des Trägers seinen Mitarbeitern die Möglichkeit zur regelmäßigen Supervision einräumt.
Und wenn der Eigentümer des ehemaligen Plus-Geländes in der Waldsiedlung tatsächlich ein Angebot für einen Schulbau gemacht hat, das nie ernsthaft geprüft wurde, ist „Es ließ sich kein anderer Platz finden” keine Feststellung — sondern eine Schutzbehauptung. Dann stellt sich nur die Frage, ob das Angebot bereits vor der Unterzeichnung der Verträge im Raum stand.
Zwei Fragen gehören jetzt als Anfrage der Gemeindevertretung an die Verwaltung: Wer hat wann entschieden, die Heizung abzustellen? Und was kostet dieses Gebäude die Gemeinde tatsächlich pro Jahr — vollständig aufgeschlüsselt, seit 2010?
Dass wir das hier in einem Kommentarthread diskutieren und keine ernstzunehmende öffentliche Debatte stattgefunden hat, sagt alles über den Grad der Verdrossenheit — auch im Kleinen. Der eigentlich wichtige Teil gehört vor die Bürger. Wenn das gelingt, wird es lebhafter in den Sitzungen.
Herr Wichlitzky, gucken Sie doch mal in die Protokolle, wer so alles gegen die Waldorfschule gestimmt hat. Auch das wird man dort finden und es macht Vieles klar. Ich muss nicht nachschauen, denn ich erinnere mich lebhaft, durfte ich als Sachkundiger Einwohner dem Spektakel ja beiwohnen. Die haben sich damals allerdings auch wirklich schlecht verkauft, das muss ich sagen. Dennoch hätten sie eine Chance verdient. Hinterher ist man sicherlich immer schlauer. Aber der Tenor ‘sowas’ brauchen wir hier nicht, hat mich damals schon nachdenklich gestimmt. Und weil man Dinkel-Dörte zum Teufel gejagt hat, Jahre später aber erkennen musste, dass sie kommt, egal wie sehr man blockiert, musste wohl schnell ‘irgend ne Schule’ her. Das mal dazu, wenn auch hier themenfremd. Aber am Ende greift eben sehr viel ineinander und deshalb ist themenbezogener Populismus im Ort auch so ärgerlich. Bei der Kritik an der Kritik gegen den Standort und die Machart der Grundschule Schönefeld, hätte sowas nämlich auch zur Wahrheit gehört. Ebenso wie die Info, dass der Besitzer des ehemaligen Plus-Feldes dieses auch angeboten habe zum Zwecke eines Schulbaus, wie kürzlich bekannt wurde. So viel zum Thema ‘es ließ sich kein anderer Platz finden’. Es wurde überhaupt nicht vorabgewogen und es wurden auch keine Alternativen geprüft. Das ist ein Skandal und ginge es nach mir, würde das immernoch rechtlich abgeprüft gehören, denn ich bin mir sicher, dass das so nicht legitim ist. Aber das soll dann der Gemeindevertreter nachholen, der diesen ganzen Wahnsinn an den Pranger stellt. So herum ziehen einige Bewohner das Ganze dann auf. Und schreiben den Irrsinn als Marionetten eines faulen Kompromisses fort. Anders kann ich das nicht sehen. Und zum Thema: wer den Abriss auf Raten angeordnet oder zumindest toleriert hat, findet sich natürlich öffentlich in den Unterlagen. Aber interessiert wie so vieles eh keine Sau. Und muss man halt auch noch suchen. Oder sich erinnern. Ich erinnere mich sehr gut! Und uns interessiert das Gebäude auch, solange es keine Ruine ist. Deshalb jetzt hier diese Beschlussvorlage.
Herr Schulze, in weiten Teilen stimme ich zu. Werthalt vor Festlegung ist vernünftig — und ehrlicher als mancher Beschluss, der bisher zu diesem Gebäude gefasst wurde.
Der Vorwurf des „Abrisses auf Raten” verdient allerdings Präzision. Wer hat wann entschieden, die Heizung abzustellen? Insbesondere vor dem Hintergrund der erfolgten Sanierung ohne weitere Nutzung. Das steht irgendwo in einem Protokoll oder einer Verwaltungsverfügung. Diese Frage gehört beantwortet — öffentlich.
Am Rande: Die Waldorfschule, die heute in Wildau ansässig ist, hätte hier ein naheliegendes Zuhause gefunden. Aber dafür hätte jemand die Tür aufmachen müssen.
Seit 2010 Leerstand!
Die KI hilft:”Die Kosten des Alten Rathauses werden intern über das kommunale Buchungssystem (als sogenannte Kostenstelle) erfasst, aber im öffentlich ausliegenden Haushaltsplan mit anderen Liegenschaften saldiert. Eine transparente, exakte Summe der Bewirtschaftungskosten wird im Gemeinderat meist nur über gezielte politische Anfragen (Kleine Anfragen) der Fraktionen an den Bürgermeister offengelegt.Für Einsichten in die genaue interne Aufschlüsselung der Bewirtschaftungswerte ist das Gemeindemanagement / Fachbereich Liegenschaften der direkte Ansprechpartner.Möchten Sie wissen, wie Sie eine formelle Anfrage nach dem Akteneinsichts- und Informationszugangsgesetz (AIG) an die Gemeinde stellen, um die genauen internen Kostenstellen-Buchungen zu erhalten?”
Es ist hier wie bei vielen anderen Themen auch: Gemeinsam für Schulzendorf hat von den Wählern zwei Mandate erhalten, um die Gemeinde mitzugestalten und um Schaden von ihr abzuwenden. Letzteres betrachte ich persönlich besonders momentan (leider) als die wichtigere Aufgabe. Danke an der Stelle an die Verantwortlichen, die bis heute an all diesem Irrsinn festhalten und ihre Kritiker noch belehren wollen. Man konnte das außerdem alles nicht ahnen oder wissen. Man kennt das.
Nach Jahrzehnten Leerstand, zahlreichen nie umgesetzten Konzepten und immer neuen Kostenschätzungen halte auch ich es für unverantwortlich, heute bereits Festlegungen in die eine oder andere Richtung zu treffen, ohne belastbare Zahlen und ein konkretes Nutzungskonzept zu besitzen. Darum geht es hier aber auch gar nicht.
Die entscheidende Frage lautet vor einer Vollsanierung (die wir nicht ad hoc fordern) natürlich: Wofür soll das Gebäude künftig überhaupt genutzt werden? Erst wenn diese Frage beantwortet ist und belastbare Zahlen zu Sanierung, Abriss und möglichem Neubau vorliegen, kann eine verantwortungsvolle Entscheidung getroffen werden. Aber muss ich das ernsthaft erklären und erläutern? Na anscheinend ja. Mein Fehler…
Ich halte es jedenfalls nicht für verantwortbar, Optionen vorschnell auszuschließen, solange die wirtschaftlichen und baulichen Rahmenbedingungen nicht seriös geprüft wurden. Genau das machen wir in Schulzendorf immer. Genau das halte ich für eine Ursache der Lage in der wir uns an allen Fronten befinden. Es wird so unangenehm lange mit wichtigen Entscheidungen gewartet, bis man von der Realität überrascht wird und dann regelmäßig vor der Wahl aus Pest und Cholera steht. Und dieser Zustand wird dann noch zusätzlich mit Scheinwissen befeuert um Entscheidungen in bestimmte Richtungen zu lenken. Und wer da lenkt habe ich noch nicht heraus gefunden, aber das werde ich!
Es ist jedenfalls mindestens genauso unverantwortbar Gemeindeeigentum aufgrund Untätigkeit verrotten zu lassen. Und genau davon weg (ja, auch um Zeit zu gewinnen) zielt unser Vorschlag:
Erhaltung von Werten. Wertherhalt!
Dieses Haus ist (noch) ein Wert. Wenn wir noch zehn Jahre warten und weiter nichts tun, wahrscheinlich nicht mehr. Vor zehn Jahren war es gerade saniert worden. Trotzdem kein Interesse etwas damit zu machen. Schon seltsam. Kürzlich durfte man nun erfahren, dass seit Jahren nichtmal mehr die Heizung läuft in dem Haus. Was ist das bitte? Abriss auf Raten. Sicher kein Zufall, aber dann soll man es benennen!
Wir sind jedenfalls den Bürgern verpflichtet, sorgsam mit Steuergeld umzugehen. Das bedeutet manchmal, Entscheidungen erst dann zu treffen, wenn die notwendigen Fakten auf dem Tisch liegen. Aber es bedeutet eben auch, mit den vorgefundenen Umständen ins Gericht zu gehen, bevor es vollständig zu spät ist. Und das versuchen wir. Wenn es nicht gefällt, dann wird der Vorschlag eben abgewählt. Aber einfach gar nichts zu tun, Werte verfallen zu lassen und sich dann noch allen Ernstes darauf zu berufen, dass es ja keinen Plan dafür gibt, das kann irgendwie nicht wirklich wahr sein in meiner Welt. Ist es aber anscheinend in Schulzendorf. Dann ist es so! Wir können nur vorschlagen, was wir als den richtigen Weg betrachten. Und das machen wir.
Schulzendorf verwaltet seit über einem Jahrzehnt eine Immobilie, für die es keine Nutzungsidee, kein belastbares Sanierungskonzept und keinen politischen Konsens gibt — aber immer pünktlich Betriebskosten.
Niemand hat bisher öffentlich zusammengerechnet, was Strom, Heizung, Versicherung und Minimalunterhalt seit 2010 gekostet haben. Diese Zahl existiert irgendwo im Haushalt — sie wurde nur nie als das benannt, was sie ist: bereits versenktes Steuergeld ohne Gegenwert. Die 1,6 Millionen Euro Instandsetzungskosten, die Bauamtsleiterin Kruse 2025 nannte, kommen also nicht statt dieser Kosten. Sie kommen *zusätzlich*.
Der GfS-Antrag, erst einmal den Abriss zu verhindern, klingt nach Bewahrung. Ist aber das Gegenteil von Entscheidung. Denn ohne die Vorfrage — Wohnraum? Vereinsnutzung? Bürgerzentrum? — ist ein Erhaltungsbeschluss nur weiterer teurer Aufschub.
Bemerkenswert: Guido Thieke forderte 2012 als CDU-Gemeindevertreter ein „gut durchdachtes Konzept”. Heute ist er GV-Vorsitzender. Das Konzept fehlt noch immer.
Wer ernsthaft fragt, wie die Gemeinde eine Schule finanzieren soll, sollte zunächst erklären, was seit 2010 mit dem Geld passiert ist, das still und lautlos in ein leeres Gebäude geflossen ist. Vielleicht wäre Bildung — auch in Haushaltsfragen — ein guter Anfang.