Gemeinde Schönefeld macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt!

18. Mai 2026
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Schönefeld/Schulzendorf. Nach wochenlangem eisernem Schweigen hat sich das Schönefelder Rathaus erstmals zu Thema Ultrafeinstaub am Standort des „Leuchtturmprojekts“, der gemeinsamen interkommunalen Grundschule in Schulzendorf und der Zwischenlösung, der Container-Schule in Waltersdorf, geäußert.

Rathaus winkt ab: Keine Gesundheitsgefährdung!

Christian Könning vom Bürgermeisterstab in Schönefeld wirft der Berichterstattung im Schulzendorfer vor, „eine Gesundheitsgefährdung an den künftigen Standorten Waltersdorf und Schulzendorf zu konstruieren.“ Er argumentiert: „In der Flughafenregion kommt es an keinem Ort zu Vorzeigewerten bei der Luftqualität. Es kommt aber auch nicht zu einer Gesundheitsgefährdung unserer Kinder an den vorgesehenen Standorten Waltersdorf und Schulzendorf.“

C.Könning: "Es kommt nicht zu einer Gesundheitsgefährdung unserer Kinder." (Foto: mwBild)

Container-Schule Waltersdorf- C.Könning: “Es kommt nicht zu einer Gesundheitsgefährdung unserer Kinder.” (Foto: mwBild)

Besonders pikant: In der eigenen Stellungnahme räumt Könning ein, dass der BER in Schönefeld und Schulzendorf im Langzeitmittel für bis zu 30 Prozent aller Ultrafeinpartikel (UFP) verantwortlich sein kann.

Und schließlich gibt es keine gesetzlichen Grenzwerte für Ultrafeinstaub, verdeutlicht Könning. Soll heißen: Wo es keine Grenzwerte gibt, kann es auch keine Grenzwert Überschreitungen geben.

Das stimmt zwar, doch genau das ist Teil des Problems. Denn das Umweltbundesamt (UBA) erklärt selbst, dass die wissenschaftliche Datenlage zwar noch nicht für verbindliche Grenzwerte ausreicht, es aber zahlreiche Hinweise auf gesundheitliche Risiken gibt.

Was das UBA sagt

In seinem Bericht „Ultrafeinstaub – Quellen, Vorkommen, gesundheitliche Wirkungen“ (2019) bzw. ergänzenden Stellungnahmen zu Flughäfen heißt es: „Kinder und Jugendliche sollten nicht dauerhaft in Räumen lernen oder sich aufhalten, die sich in der direkten Umgebung von Flughäfen befinden, da dort die Exposition gegenüber Ultrafeinstaub besonders hoch sein kann.“

Neubauten von Schulen und Kitas in unmittelbarer Flughafennähe sollten nur nach besonders sorgfältiger Prüfung erfolgen, rät das UBA.

Und wie sah die Prüfung der Container Schule in Waltersdorf aus? Schönefelds Rathaussprecher Jörn Morisse: „Der Standort in Waltersdorf wurde gewählt, da dieser die Anforderungen an Baurecht und Größe erfüllt. „Eine Risikoabschätzung in Bezug auf eine potentielle UFP-Belastung ist im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens nicht erforderlich.“

Die unsichtbare Gefahr

Kinder sollten nicht dauerhaft in Umgebungen lernen oder spielen, in denen erhöhte UFP-Konzentrationen auftreten, heißt es sinngemäß in UBA-Untersuchungen zu Ultrafeinstaub und Gesundheit. Grund: Besonders empfindlich reagieren Kinder, denn ihr Organismus nimmt mehr Luft und damit Schadstoffe pro Kilogramm Körpergewicht auf, als der eines Erwachsenen.

Warum wird das Thema Ultrafeinstaub von Behörden ausgeblendet?

Warum wird das Thema Ultrafeinstaub von Behörden ausgeblendet?

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Die Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages legten 2024 nahe, dass Ultrafeinstaub toxisch ist, besonders relevant bei Atemwegserkrankungen wie Asthma, COPD oder Lungenkrebs.

Tatsache bleibt, dass beim Verbrennen von Kerosin massenhaft Ultrafeinstaub freigesetzt wird. Tatsache ist auch, dass beide Schulstandorte bei Westwind in der direkten Ultrafeinstaub Abgasfahne von Flugzeugen liegen. Und Tatsache ist auch, dass man den Effekt bis zu sieben Kilometer um den Flughafen BER herum deutlich messen könne, wie der Abteilungsleiter Luft beim UBA, Marcel Langner, im Mai 2025 in Berlin erklärte.

Ein paar hundert Meter von beiden Schulstandorten entfernt, werden an der nördlichen Rollbahn des BER regelmäßig Spitzenwerte von UFP gemessen. Am 15.Mai wurden 86.150 ultrafeinen Partikeln pro Kubikzentimeter registriert. Das ist fast das Neunfache der von der WHO als erhöht eingestuften Konzentration von 10.000 Partikeln!

Wo Kita erlaubt ist kann auch Schule sein?

Könning rechtfertigt beide Projekte: „Die seit Jahren betriebene Johanniter-Kita Ritterschlag sowie Wohnbebauung am Ritterschlag in Größenordnung befinden sich ebenfalls am finalen Standort der Interkommunalen Grundschule in Schulzendorf. Wo wohnen und Kita erlaubt sind, sollte auch das „Zurschulegehen“ möglich sein.“

Nur weil überall schlechte Luft herrscht, heißt das nicht, dass man Kinder hineinsetzen sollte. Wo bleibt die Vorsorgeverpflichtung der Politiker? “, prangert Bürgerrechtler Reinhard Bolduan an.

Die Schönefelder Rathaus Argumentation erweckt den Eindruck, dass man sich in  den Amtsstuben die berühmte Lebensmaxime von Pippi Langstrumpf aus Astrid Lindgrens Klassiker zu eigen gemacht hat: “Zwei mal drei macht vier, widewidewitt und drei macht neune, ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.”

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Aktueller UFP-Wert

+++ Ultrafeinstaub Konzentration am BER, Maximaler Einstundenmittelwert am 15.05. 86.150 Partikel/cm³ (Quelle: LUIS Brandenburg). Die WHO betrachtet einen Messwert von 10.000 Partikel/cm³ als „erhöhte Konzentration“. +++

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