100 Tage im Amt – Die knallharte Nerlich-Bilanz

2. Januar 2023
Von

Wildaus Bürgermeister Frank Nerlich ist nun 100 Tage im Amt. Stadträte, ein Firmenchef und Der Schulzendorfer ziehen Bilanz.

Alles in allem legte Nerlich einen hoffnungsvollen Start hin. Thomas Flieger, Chef der Wildauer Baobab Healthcare GmbH: „Ich habe unseren neuen Bürgermeister, Frank Nerlich in seinen ersten 100 Tagen umtriebig und öffentlichkeitswirksam wahrgenommen. Diese Qualität begrüße ich ausdrücklich, weil er dadurch die Chance wahrnimmt, mit den Bürgerinnen und Bürgern in den verschiedensten Formaten in den Kontakt zu treten.“

990

.

Affront kurz nach Amtsantritt

Trotz der erfreulichen Resonanz, ein Anfängerfehler unterlief ihm dennoch. In der Ausgabe 10 des Wildauer Stadtboten warf er dem Investor des Dahme-Nordufers, der Bauwert AG, vor, dass die Stadt Wildau mit den vorliegenden Vertragsentwürfen und Vereinbarungen „über den Tisch gezogen“ wird. Woher sein Eindruck rührte, wollte Nerlich nicht beantworten. Das renommierte Unternehmen wies den Vorwurf zurück.

Transparenz kehrt zurück

„100 Tage sind zu kurz, um eine qualifizierte Einschätzung der Amtsführung von Frank Nerlich abzugeben, zumal er ja, auch nach eigenen Aussagen, ein Neuling im Amt ist. Als positive Entwicklung ist erkennbar, dass Herr Nerlich um Transparenz der Rathauspolitik bemüht ist, und im Gegensatz zu seiner Vorgängerin auch versucht, alle Fraktionen in die Stadtentwicklung einzubeziehen. Auch in der Stadtverwaltung scheint ein besseres Arbeitsklima zu herrschen.“, konstatiert der Fraktionschef der Linken im Stadtrat, Heinz Hillebrand.

Ähnlich sieht es Stadtrat Martin Stock (Fraktion CDU/FDP): „Mein erster Eindruck ist, dass er das, was er zugesagt hat, versucht umzusetzen: Ruhe ins System zu bringen und möglichst transparent und offen mit Entscheidungen der Verwaltung umzugehen. Ich jedenfalls habe bisher mehr Informationen erhalten, als in längeren Zeitspannen der Vergangenheit. Zudem ist er im Grunde immer erreichbar, wenn es um Rückfragen geht und diese werden sehr zeitnah beantwortet. Ich habe den Eindruck, dass die Beschäftigten des Rathauses mit der neuen Besetzung nicht unglücklich sind.“

Was über Nerlichs politische Zukunft entscheidet

„Ich lehne parteipolitische Machtspiele grundsätzlich ab.“, versicherte Frank Nerlich vor seiner Wahl. Wildauer setzten wohl auch deshalb bei der Bürgermeisterwahl das Kreuz hinter seinen Namen.

Die Öffentlichkeit erwartet von ihm Aufhellung nebulöser Vorgänge. Zum Beispiel zur „Wiener Reise“ vom Chef der Wildauer Wohnungsbaugesellschaft (WiWO), Sven Schulze, und Aufsichtsratsboss Scheiner.

 „Noch nicht erkennbar ist, ob Herr Nerlich bereit ist, sich mit den alten Seilschaften der Scheiner/Homuth Ära anzulegen und eine qualifizierte Aufarbeitung der Vergangenheit einzuleiten. Auf Dauer wird er daran zu messen sein, ob er als Hauptverwaltungsbeamter Führungsqualitäten entwickelt. Gerade in Wildau kann der Bürgermeister schwerlich Everybody‘s Darling sein.“, resümiert Hillebrand.

Auch Thomas Flieger erwartet eine schonungslose Aufdeckung: „Für die kommenden Monate wünsche ich mir von ihm einen offenen Diskurs und einen sach- und werteorientierten Streit um die besten Lösungen für Wildau sowie das von ihm versprochene transparente Aufklären verschiedener Missstände der letzten 3.5 Jahre. Dazu ist es erforderlich, dass er sich auch intensiv mit dem bislang agierenden Machtsystem bestehend aus SPD, CDU und FDP kritisch und konsequent auseinandersetzt.“

Dass im November 2022 gegründete Bürgerbündnis Wildau (BBW) kündigte an, Nerlich Wildauer sind sich einig, dass die Lösung dieser Herkulesaufgabe Nerlichs politisches Schicksal bestimmen wird.

Mehr Fingerspitzengefühl

Nicht besonders geschickt verhielt sich Nerlich einem kritisch verfassten Artikel gegenüber, der in einem Wildauer Nachrichtenportal veröffentlicht wurde. Im Stadtrat sprach er von einem „unwürdigen Akt“ und drohte: „Wir prüfen den Rechtsweg.“

Dabei ging es hauptsächlich wohl um die Verwendung des Wortes „Lakai“ im Beitrag. Gemessen am Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2017, dass die Äußerung eines Demonstranten, der einen Bundestagsabgeordneten als „Obergauleiter“ bezeichnete, eine zulässige Meinungsäußerung ist, dürfte die Verwendung von „Lakai“ unbedenklich und keine Schmähkritik sein.

Nerlichs Stil unterscheidet sich von dem seiner Vorgängerin, Angela Homuth. Die Last des Amtes ist ihm (noch) nicht anzusehen. Bei seinen Soloauftritten lächelt er wie im Wahlkampf. Durch seine Ansprüche, beispielsweise der, Dirigent zu sein, wird er mehr und mehr zum Getriebenen werden. Solange er für seine Politik Rückhalt bei den Wildauern hat, wird er das aushalten können.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Werbung

Anzeige

Anzeige

Anzeige