Was ist denn eigentlich zumutbar? – ein Kommentar von Gerlinde Sauer.

3. März 2011
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Seit mehreren Jahren wurde um ihn debattiert, gestritten und polemisiert, nun wird er kommen: der Gehweg an der Ernst Thälmann Straße zwischen der Freiligrath- und der Miersdorfer Straße. Schulzendorfs Gemeindevertretung beschloss in der letzten Woche seinen Bau. Viele Schulzendorfer, aber besonders die Eltern der Kita Freche Spatzen wird es freuen. Denn wer derzeit mit seinen Kindern per Pedes und dem Kinderwagen am Rand der Fahrbahn nach Hause unterwegs ist, muss viel Mut beweisen, wenn tonnenschwere LKW an einem vorbeirauschen.

Doch bis die Muttis mit ihren kleinen Kindern  völlig gefahrlos in ihre Kita gelangen und die radelnden Kulturinteressierten Veranstaltungen in der Patronatskirche in der Dunkelheit ohne Herzklopfen erreichen werden, wird es noch dauern. Denn die Gemeindekasse ist gähnend leer. Rund 250.00 Euro soll das so wichtige Projekt kosten. Für diese Summe wird die Gemeinde aufkommen. Denn eine Umlegung der Erstellungskosten auf die wenigen Anwohner entlang der Straße, wäre unzumutbar, so hieß es jedenfalls in der Schlussdebatte der Schulzendorfer Volksvertreter.

Doch ist der bald beginnende Straßenausbau für jeden Betroffenen zumutbar? Was ist schon unzumutbar und wo ist die Grenze zum Erträglichen? Wer legt sie eigentlich fest?

Was für die wenigen Anlieger der Ernst Thälmann Straße unzumutbar ist, wird für das Rentnerehepaar Gladow aus der Hennigsdorfer Straße gnadenlose Realität. Für beide war es ein Traum ihren Lebensabend, nach über 40 Jahren Arbeit, auf ihrem grünen Idyll zu genießen. Doch der ist ausgeträumt, denn die Besitzer eines Eckgrundstückes müssen ihr Anwesen verkaufen. Sie können die auf sie zukommenden Straßenbaukosten nicht aufbringen. Mit über 70 Jahren wird man schließlich bei deutschen Banken nicht mehr mit offenen Armen, Gummibärchen und bunten Prospekten empfangen.

Dass die Gladows ihre Koffer packen müssen ist für mich jedenfalls auch völlig unzumutbar!

3 Responses to Was ist denn eigentlich zumutbar? – ein Kommentar von Gerlinde Sauer.

  1. Irene + Klaus Burmeister
    13. März 2011 at 10:21

    Wir begrüßen nachdrücklich die Überlegungen von Gerlinde Sauer. Mit dem Versprechen, uns besonders für den Bau eines Rad- und Gehweges zwischen Freiligrath-Str. und Paötronatskrche einzusetzen, stellten wir uns der Kandidatur für die Kommunalwahl im Jahre 2008. Unsere Begründung war:
    – Radfahrer und Fußgänger (ob Alt oder Jung) können sich – besonders im Dunkeln – auf dieser hoch frequentierten Straße nur unter erheblichen Verkehrsängsten bewegen. – Dabei ging es im besonderen noch um die mobile Kinderberbetreuung “Freche Spatzen” (auf Grund Umzug heute weniger wichtig); vor alllem um die Interessenbefriedigung der Bürger unseres Ortes aber auch der anderer Nachbargemeinden für sicheren Schulweg, Besuch von Veranstaltungen in der Patronatskirche vor allem durch ältere Bürger; Weg für Bürger zwischen Altdorf bzw- Waltersdprf und Ortszentrum. Darüber hinaus wäre das auch im Interesse von Radtouristen eine dringend notwendige Lückenschließung zwischen den bereits vorhandenen Wegen in der Thälmann – und Miersdorfer Str. Leider konnten wir mit unseren Vorstellungen auf Grund der Finanznöte unserer Kommune keine Realisierung dieses Projektes bewirken. Wir sind jedoch der Meinung, dass er so schnell als mögllich installiert werden muss. Dabei glauben wir auch, dass das Verkehrsamt KW dabei Unterstützung geben würde.

  2. RWS
    4. März 2011 at 21:58

    Offensichtlich ist es unserem Bürgermeister Mücke und dessen Gemeindeverwaltung gelungen, durchtriebener als dessen Vorgängern, u.a. auch mittels entsprechenden Nebelbomben
    (z.B. http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11890275/62129/Markus-Muecke-ueber-Konsequenzen-Abschied-vom-Strassenbau-im.html)

    das Projekt mit kaum reduzierten Kosten für die Anlieger still und heimlich doch noch durchzusetzen und die Betroffenen in Sicherheit zu wiegen.
    Leider gibt es derzeit keine verbindlichen Informationen seitens der Gemeine (deren Internetauftritt ist auch eine Baustelle”), so dass offensichtlich alle im Dunkeln tappen.

    Derzeit gehen diese wichtigen Informationen offensichtlich auch an der im letzten Jahr stark interessierten Öffentlichkeit vorbei. Hier sollten unbedingt alle Möglichkeiten genutzt werden, die Menschen wieder zu interessieren und zu aktivieren.
    Ich hoffe, dass sich die betreffenden Bürgerinitiativen und Einzelpersönlichkeiten, die im letzten Jahr so aktiv waren und sich hier sehr verdient gemacht haben, schnell wieder zu Wort melden, bevor die zu erwartenden Bescheide nicht mehr anfechtbar sein werden.

    Bezüglich der konkreten Daten:

    Gibt es derzeit verlässliche Quellen, verwertbare Daten zu den geplanten Baumaßnahmen zu erhalten? Die letzten veröffentlichten Informationen der Gemeinde aus 2010 sind ja wohl überholt. RWS

  3. Irene Robus
    3. März 2011 at 08:33

    Sehr geehrte Frau Sauer, eine gute Anregung zur Diskussion.
    In der Gemeindekasse ist doch stes ein großes Loch, das ist nicht unbekannt. Hat sich schon einmal in der Gemeindevertretung gefragt wie das geändert werden kann? Wie wäre es hier einmal mit Vorschlägen.
    Doch müsste sich die Gemeinde evtl. künftig über Härtefälle bei den Bürgern im Ort Gedanken machen, oder gibt es evtl. Lösungen? . Aber doch erst wenn Kosten, die auf den Bürger zukommen und klar auf dem Tisch liegen. Denn siehe Anschlusskosten erst haben alle Bürger gerufen kein Geld und wenn man sich umhört, haben viele schon bezahlt (oder ist es nur Gerede um nicht deutlich zu machen, dass auch meine Kasse leer ist)!
    Für die Eltern der “Frechen Spatzen” dürfte der Weg etwas spät kommen. Die Einrichtung wird doch wohl mit der Eröffnung der Einrichtung in der Herweghstr. geschlossen werden? Würde dann das Grundstück nicht verkauft werden? Oder ist es kein Gemeindeeigentum? Oder das Geld schon verplant?
    Wie wäre es dann mit einer Strecke 30 nur verlängert von der Freiligrathstr. bis zur Dorfstr. – Es gibt doch in den übrigen Straßen auch keine Rad-/Fußwege bis auf Ausnahmen – Karl-Liebknecht-Str., Rosa-Luxemburg-Str !!, Ein Teilstück Ertnst-Thälmann-Str.. Warum muss hier eine so teuere Ausnahme gemacht werden? Zumal das Thema Straßenbau doch in Schulzendorf noch schmort und die Altanschließer ebenfalls noch teilweise ihre Rechnungen erwarten. Auch hier kommen doch noch Kosten auf die Gemeinde zu. Oder muß hier nicht an den Abwasserverband gezahlt werden?
    Fragen über Fragen!
    Allerdings regt mich dieses fehlende Stück auch auf, so ist es nicht.

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