Termin verschwitzt: Schulzendorfer Arztpraxis verlangt Ausfallhonorar

3. Januar 2020
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Wer hat nicht schon mal einen Termin beim Arzt verschwitzt!

Einem Patient ging es im Dezember jedenfalls so. Tage später flatterte ihm eine Rechnung der Schulzendorfer Arztpraxis ins Haus. Sie verlangte ein Ausfallhonorar von rund 110 Euro!

Arzt

Darf ein Arzt so eine Rechnung stellen? Grundsätzlich ja! Allerdings muss er den Patient vorher darüber in Kenntnis setzen, zum Beispiel im Behandlungsvertrag oder durch einen Aushang in der Praxis.

So urteilte das Landgericht Osnabruück (Az.: 2 S 446/07), dass ein Patient das Ausfallhonorar eines Zahnarztes nicht tragen muss. Der Arzt hätte vor der Behandlung eine Ausfallvereinbarung treffen müssen, tat es jedoch nicht.

Ob Patienten Ausfallhonorare zahlen müssen, das sehen Gerichte unterschiedlich. Fakt ist: Der Arzt muss den wirtschaftlichen Schaden nachweisen! Problematisch dürfte das in Praxen sein, wo Patienten auch ohne Termin behandelt werden. So könnte der Mediziner einen Patienten, der ohne Anmeldung erschien, einschieben.

Kann der Arzt in dieser Zeit Verwaltungs- und Abrechnungstätigkeiten vornehmen, muss er diese Zeit in Abzug bringen. Grundsätzlich gilt: Das Ausfallhonorar darf nicht höher sein, als die Vergütung, die bei Abhaltung der Sitzung angefallen wäre.

Die Absagefrist in Arztpraxen beträgt in der Regel 24 Stunden, bei therapeutischen Behandlungen 48 Stunden.

Das AG Heilbronn (Az: 2 C 1964/94) und das AG Stuttgart (Az: 10 C 14161/94) befanden, dass der Patient den Behandlungsvertrag jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen kann. Diese Kündigung muss nicht schriftlich erfolgen. Sie kann auch durch ein konkludentes Verhalten, nämlich das Nichterscheinen zum Termin, erfolgen.

Was viele nicht wissen: Patienten dürfen bei zu langen Wartezeiten, (länger als eine halbe Stunde) Schadensersatz einfordern. Die konkrete Höhe des Schadens muss jedoch nachgewiesen werden. Der Anspruch besteht allerdings nur dann, wenn die Wartezeit auf mangelnde Organisation zurückzuführen ist. Er gilt nicht, wenn die Verzögerung auf Grund eines zu behandelnden Notfalls eingetreten ist.

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4 Responses to Termin verschwitzt: Schulzendorfer Arztpraxis verlangt Ausfallhonorar

  1. B. Hartenstein
    4. Januar 2020 at 17:38

    Es ist immer eine Frage des gegenseitigen Respekt. Anscheinend scheint dieses Wort ein Fremdwort – wahrscheinlich chinesisch oder Klingonisch – geworden zu sein.
    Schade !

  2. Olli
    3. Januar 2020 at 22:18

    @Interessierter Bürger, Du diskutierst am Thema vorbei. Es geht nicht darum, dass man einen Termin nicht halten kann. Es geht darum, dass einem der Termin völlig untergegangen ist. Den Arzt, der solche Abzockermethoden anwendet, den würde ich nie wieder aufsuchen.

  3. Interessierter Bürger
    3. Januar 2020 at 18:37

    Ich finde es gar nicht so ungerechtfertigt. Die heutige Mentalität ist leider so, dass sich jeder nur der nächste ist. Wenn ich einen Termin mache und ich ihn nicht halten kann, dann ist es nicht zu viel verlangt, abzusagen. Wäre es andersherum, der Arzt sagt mir an der Rezeption, sorry, heute nicht, wäre das Geschrei auch wieder groß. Die Höhe des Ausfallhonorars erscheint mir allerdings zu hoch. Ein 25,-€ Denkzettel wäre angebracht. Das wäre auch sicherlich keine Bereicherung.

  4. Petra
    Petra
    3. Januar 2020 at 18:17

    Sauerei, kriegen den Hals nicht voll.

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