Russland – Konflikt: „Ich will helfen, Brücken zu schlagen.“

19. April 2018
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Dr. Robby Schlund, Jahrgang 1967, geboren in Gera, diente bei den DDR – Raketentruppen, ist Sportmediziner und sitzt für die AfD im Deutschen Bundestag. Schlund hat in Gera einen Kosakenverein gegründet, bereiste die Sowjetunion und Russland, hielt dort medizinische Vorträge und weiß, wie die Menschen im größten Land der Erde ticken. Mit großer Sorge verfolgen Deutsche das eisige Klima zwischen Europa und Russland, Welche Wege aus der Krise führen, darüber sprach Der Schulzendorfer mit ihm.

Angesichts der aktuellen Entwicklung in Syrien, wie nahe sind wir einem Krieg mit Russland?

Dr. Robby Schlund: Die NATO und Russland stehen sich nahezu Kopf an Kopf an seiner Grenze gegenüber und führen dort relativ „scharfe“ Übungen durch. Aus den Erfahrungen meiner Tätigkeit als Offizier auf Zeit in den Raketentruppen der Nationalen Volksarmee, schätze ich ein, dass die Situation, insbesondere in Syrien, einem Pulverfass entspricht. Auch wenn sich beide Blöcke absprechen, um direkte Konflikte zu vermeiden, ein Funke, ein Fehler bei der Zieleingabe einer Rakete, die dann ein falsches Ziel trifft und von keiner Seite toleriert werden könnte, genügt, um das Pulverfass zur Explosion zu bringen. Angesichts der aktuellen Entwicklung im Syrienkonflikt schätze ich die Kriegsgefahr als die größte seit dem Zweiten Weltkrieg ein.

AfD - Politiker Dr. Robby Schlund: "Menschen, die sich kennen, schlagen sich nicht." (Foto: mwBild)

AfD – Politiker Dr. Robby Schlund: “Menschen, die sich kennen, schlagen sich nicht.” (Foto: mwBild)

Was muss getan werden, um die Situation zu entspannen

Dr. Robby Schlund: Putin und Trump müssen sich auf Augenhöhe zusammensetzen und Pläne schmieden, wie das direkte Aufeinandertreffen der beiden Atommächte verhindert werden kann. In Europa kommt dabei besonders Deutschland eine Schlüsselstellung im Konflikt zu. Die Bundesregierung muss nicht nur eine neutrale Position, Deutschland muss eine führende Rolle bei der Vermittlung zwischen USA, NATO und Russland einnehmen. Sie muss eine Nichteinmischungspolitik verfolgen und nicht einen eklatanten Völkerrechtsbruch legitimieren. Damit meine ich die Behauptung, chemische Kampfstoffe in Syrien eingesetzt zu haben. Das ist nicht nur ein Völkerrechtsbruch, sondern vor allem auch  ein Kampfeinsatz gegen Syrien ohne UN – Mandat.

Besonders in Ostdeutschland stößt die Eiszeit in den Beziehungen zu Russland bei vielen Menschen auf Kritik. Welche Gründe gibt es dafür?

Dr. Robby Schlund: Mit der friedlichen Revolution wollten die Menschen 1989 Freiheiten erkämpfen. Vieles, aber nicht alles wurde erreicht. Wir wollten ein gutes Miteinander der Europäer, wo auch Russland seinen gleichberechtigten Platz hat. Was ist daraus geworden? Als Russland der Deutschen Einheit zustimmte hieß es, dass sich die NATO nicht in Richtung Osten erweitert. Schaut man heute auf die Weltkarte, stellt man fest, dass sie an der Grenze Russland angekommen ist. Rings um Russland blühten Konflikte auf, Jugoslawien, Georgien, Ukraine. Unruhen in der Bevölkerung führten zu Instabilität und überall hatte der Westen seine Hände im Spiel. Wir haben nicht das Recht uns direkt in solche Konflikte einzumischen, nur weil die dortigen demokratischen Verhältnisse nicht unseren Wertevorstellungen entsprechen. Genau gegen die Arroganz der Politelite sind die Ostdeutschen 1989 auf die Straße gegangen. Sie wollten damals nicht, dass sie durch Arroganz einer neuen Politelite ersetzt wird.

Sie sitzen für die AfD im Deutschen Bundestag. Welchen Beitrag leistet Ihre Partei, leisten Sie persönlich, um für Entspannung mit Russland zu sorgen?

Dr. Robby Schlund:  Die AfD ist zur Bundestagswahl angetreten, nicht um die Interessen der Politelite zu vertreten. Wir wollen uns für die Interessen der Arbeiter, der Bauern und des Mittelstandes stark machen. Letzterer ächzt besonders unter den Folgen der Sanktionspolitik gegenüber Russland. Gerade im Osten, der traditionell gute Handelsbeziehungen zu Russland unterhält, mussten landwirtschaftliche Betriebe im Raum Gera ihren Bestand an Milchkühen und ihre Investitionen wegen der Sanktionen zurückfahren. Wir meinen: Schluss mit den Sanktionen, sie lösen keine Konflikte, sondern verschärfen sie.

Wir wollen Kontakte mit Berufsverbänden, Behörden, Bildungseinrichtungen und gesellschaftlichen Institutionen auf- und bestehende ausbauen. Wir wollen Schüleraustausche, Konferenzen mit Wissenschaftlern und Ärzten organisieren. Menschen sollen zusammentreffen, sich gegenseitig verstehen und miteinander reden. Leute, die sich Freunde nennen, schlagen sich nicht. In Kürze reise ich nach Moskau. Ich will helfen, um genau an der Stelle Brücken zu schlagen.

Mit dem, was Russland in der letzten Zeit tat, Stichwort Krim, Donbass, Doping, Skripal, Syrien, tun sich viele Europäer sehr schwer. Wie böse ist Russland wirklich?

Dr. Robby Schlund: Russland ist wirklich kein böses Land. Die Menschen dort sind sehr freundlich und friedliebend. Nehmen wir den Fall Skripal, bevor ein Ergebnis der Untersuchung vorliegt, ist der Schuldige bereits gefunden: Russland. Bevor ein Ergebnis der Untersuchung im syrischen Giftgaseinsatz vorliegt, ist der Schuldige gefunden: Russland. Die Medien bedienen sich ihrer Macht und hämmern den Menschen das Bild vom bösen Russen ein, häufig fern ab von jeglicher Objektivität. Oder nehmen wir die Dopingfälle. L-Carnitin ist in den USA ein leistungssteigerndes Mittel, das nicht auf der Dopingliste steht. In Russland gibt es ein ähnliches Mittel, das allerdings  verboten ist. Wir Sportmediziner wollen das Thema Doping natürlich grundsätzlich diskutieren. Der Sportler ist dafür immer selbst verantwortlich.  Einen Staat in Gemeinschaftshaftung zu nehmen und für das Doping einzelner Sportler verantwortlich zu machen und zu demütigen halte ich für äußert bedenklich und inszeniert.

Sie sprachen die Medien an. Wie bewerten Sie die Darstellung Russlands in der Presse, dem Fernsehen?

Dr. Robby Schlund: Leider gibt es wenige Medien, die nicht an Russophobie erkrankt sind. Was in einigen Gazetten zu lesen ist, erinnert mich an klassische Kriegsrhetorik laut Taktik-Lehrbuch. Da wird die AfD angeprangert, weil sie sich gegen den Militäreinsatz in Syrien ausgesprochen hat, soviel zum Stichwort Meinungsfreiheit. Dass Menschen, die sich ausschließlich auf diese Medien stützen, an die Geschichte vom bösen Russen glauben, verstehe ich. Daher mein Rat: Sie sollten nach Russland reisen und sich selbst ein Bild verschaffen.

Sie waren oft in Russland, haben zuletzt die Präsidentenwahlen beobachtet. Was stört sie in Russland am meisten?

Dr. Robby Schlund: Ich fühle mich in Russland sicher und gut behandelt. Wo es mir manchmal in den Fingern kribbelt, es werden viele gute Ideen geboren. Mir dauert stellenweise die Umsetzung zu lange. Ich möchte Dinge immer schnell in Sack und Tüten bekommen. Gerade um Synergien zu erzeugen, sich gegenseitig zu fördern sind Gespräch auf Augenhöhe wichtig. Ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg.

7 Responses to Russland – Konflikt: „Ich will helfen, Brücken zu schlagen.“

  1. Peter Siegert
    Peter Siegert
    19. April 2018 at 17:45

    Ich empfinde großen Respekt dafür, dass sich der Politiker Reif dieser Auseinandersetzung hier stellt.

  2. Jonas Reif
    19. April 2018 at 17:43

    BinGeLaden, Sie haben vollkommen Recht. Ich bin Mitglied der Grünen. Und jedes Jahr spende ich ein Teil meiner Aufwandsentschädigungen aus der Gemeindevertretung (inzwischen mehrere tausend Euro und zig Stunden Freiwilligenarbeit), um unseren Ort lebenswerter zu machen: Osterglocken für den Siegertplatz, Alleebäume, ein großes Gewächshaus für den Schulgarten, usw.).
    Mir geht nur diese “Wasser predigen, Wein trinken”-Mentalität der AfD auf den Keks. Sie betonen ja immer wieder, dass sie sich für den Kleinen Mann einsetzen wollen… Dabei wollen sie laut Wahlprogramm ausgerechnet die schonen, die schon meisten haben: Abschaffung der Erbschaftssteuer, gegen eine Neueinführung der Vermögenssteuer… So wird man das soziale Gleichgewicht bestimmt nicht wieder herstellen.

  3. BingeLaden
    BingeLaden
    19. April 2018 at 16:48

    Herr Reif, nun dürfen Sie auch nicht verschweigen, dass Sie Mitglied der Grünen sind. Und auch die Grünen kassieren im Bundestag. Das ist eben so. Ich finde auch Ihre Betitelung von Herrn Schlund als Gutmensch unpassend.Ich kann nahezu alle Aussagen von Herrn Schlund im Interview unterschreiben, obwohl ich wegen der Anwesenheit von Nazis in der AfD, Abneigung gegen seine Partei empfinde. Die Krim ist Völkerrechtsbruch, aber Jugoslawien auch. Und wer für die Gifteinsätze in GB und Syrien verantwortlich ist, wird sich zeigen. Ich bestreite nicht, dass Russland keine Aktie am Konflikt in der Welt hat. Ich bestreite, dass es alleiniger Übeltäter ist, wie es oft dargestellt wird.

  4. Jonas Reif
    19. April 2018 at 15:15

    Hallo Ulf, sie haben vollkommen Recht. Beide Seiten sind nicht unschuldig. Als ich von “niemand hat Russland vorgeworfen, für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich zu sein” bezog ich mich auf die großen Deutschen Medien, die die Hauptverantwortung eindeutig bei Baschar-al-Assad sehen. Ich kenne zumindest keine Tageszeitung, kein Radio- oder Fernsehensender, der Putin als (Haupt-)Verantwortlichen benennt.

    Was mich so aufregt, ist diese Gutmenschen-Mentalität der AfD. Angeblich setzt man sich für den kleinen Bürger ein, und wenn man erst mal an den Futtertrögen ist, schlägt man sich den Bauch genauso voll. Mir ist zumindest keine AfD-Abgeordneter im Bundestag bekannt, der auf seine Diäten verzichtet oder zum Beispiel sagt, ich will nur den Durchschnittslohn eines Deutschen verdienen. Angeblich ist man gegen die Politelite, aber in Wahrheit ist man längst ein Teil des Systems. In Neukölln-Kreuzberg kann man gerade sehen, wie sie den Deutschen Steuerzahlen abzocken: Da spaltet man sich nach einem internen “Streit” mal eben in zwei Fraktionen auf (beide Seiten behaupten, sie wären die wahre AfD) und kassieren doppelt Fraktionsgelder… Abgesehen davon wollen die Bürger keine Politiker, die sich nur mit sich selber beschäftigen, sondern etwas für die Menschen tun.
    Oder eine Frauke Petry, die über die Landesliste in den Bundestags einzieht und kurz nach der Wahl feststellt, dass sie doch nicht zur AfD will (ohne aber ihr Mandat zurückzugeben oder auf Bezüge zu verzichten).
    Oder eine Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die laut Wikipedia in der Schweiz gemeldet ist und dort Steuern zahlt.
    Oder ein Brandenburger AfD-Landtagsabgeordneter, der wegen Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall verurteilt wird, aber dennoch nicht aus der Fraktion ausgeschlossen wird (so viel zum Thema “Law-and-Order”).
    Jaja, ich weiß, alles nur Einzelfälle…
    Für mich hat die AfD bereits jedes Vertrauen verspielt, und stand dabei noch nicht einmal in Regierungsverantwortung.

    Ich bin kein SPD-Mitglied oder Wähler, fand aber die Position, die Dietmar Woidtke beim LDS-Parteitag zu Russland dargelegt hat, sehr vernünftig.

  5. Bürger
    19. April 2018 at 15:03

    @ ULF also wer unseren Medien noch Glauben schenkt , hat irgendwie immer noch nicht den Knall gehört , ist jetzt nicht persönlich gemeint sondern Allgemein !!!

  6. Ulf
    Ulf
    19. April 2018 at 13:47

    “Niemand hat Russland vorgeworfen, für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich zu sein.”, stimmt nicht Herr Reif. “Die französische Regierung hat einen Geheimbericht über Syrien freigegeben, der Assads Giftgas-Strategie im Kampf gegen Rebellen-Gruppen enthüllt. Doch der Bericht geht noch weiter – und weist Russland eine klare Mitschuld an den Horror-Angriffen in Duma zu!” (Bild Zeitung)

    “…und die Staatsanwaltschaft keinen Grund sieht, Ermittlungen aufzunehmen, dann stimmt mit im Staat definitiv etwas nicht.” Der Focus schreibt etwas anderes Herr Reif. “Wie die russische Nachrichtenagentur “Tass”berichtete, soll der Tod des Journalisten untersucht werden. Es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen.” (Focus)

    In einem sind wir uns einig. In einem Konflikt ist eine Seite nie allein Schuld. ALso, sich zusammenraufen, nach vorn schauen, sich gegenseitig respektieren und keine oberlehrerhaften Manieren an den Tag legen. Bleibt nur zu hoffen, dass das Industriekapital, die Profiteure am Krieg, mitmacht.

  7. Jonas Reif
    19. April 2018 at 11:10

    Auch ich bin der Meinung, dass die angespannte poltische Weltlage nur im Dialog mit Russland gelöst werden kann, Deutschland eine wichtige Rolle dabei einnimmt und das Sanktionen an bestimmten Stellen eher Schaden als Nutzen. Leider lässt der Gutmensch Dr. Schlund hier aber auch eine eigentümliche Einseitigkeit bzw. Umdeutung von Tatsachen erkennen. Niemand hat Russland vorgeworfen, für den Giftgaseinsatz in Syrien verantwortlich zu sein.
    Und bei der poltischen Instabilität in Yugoslawien, der Ukrainie und Georgien hatte auch nicht nur der “Westen” seine Hände im Spiel, sondern auch Russland.
    Und ist es nicht das beste Zeichen von Meinungsfreiheit, wenn, wie von Herrn Dr. Schlund beschrieben, die AfD für eine Position kritisiert werden darf. Die AfD kristisiert ja selber auch. Oder ist Meinungsfreiheit nur dann gegeben, wenn die AfD kritisieren darf?
    Auch die Behauptung, für das Doping sei letzlich nur der Sportler selbst verantwortlich, muss jedem Jugendlichen, der zu DDR-Zeiten deratiges im Leistungssport miterlebt hat, aufstoßen. Ein derart umfangreiches Doping, wie es in den letzten Jahren bei russischen Sportlern nachgewiesen wurde, geht niemals nur von einzelnen Sportlern aus, sondern lässt klar ein System dahinter erkennen. Und wenn, wir vor ein paar Tagen, wieder einmal ein kritsischer Journalist (Maxim Borodin) “plötzlich vom Balkon” fällt und die Staatsanwaltschaft keinen Grund sieht, Ermittlungen aufzunehmen, dann stimmt mit im Staat definitiv etwas nicht. (Die Internationalte Gesellschaft für Menschenrechte geht übrigens davon aus, dass seit 1990 über 250 Journalisten in Russland ermordet wurden. Nur selten wurden die wahren Täter bestraft – nur soviel zum Thema Pressefreiheit).
    Ja, es war ein Fehler, dass man 1990 Russland einerseits versprochen hatte, dass die NATO nicht nach Osten erweitert wird und zugleich den nun freien Staaten vollkommene Souvereniät gewährt wurde. Denn mit letzterem war natürlich auch ein Bündnisbeitrittes möglich. Dennoch kann Russland sich nicht dauerhaft als ein Opfer darstellen, dem Unrecht zugefügt wurde. Nur wenn alle Seiten nach vorne blicken und stärken Zusammenarbeiten, kann es eine dauerhafte Lösung geben. Dafür braucht es auch einen klaren Fahrplan, wann welche Sanktion außer Kraft gesetzt werden kann. Vor allem sollte nicht das russische Volk der Leittragende sein.

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