Schulzendorf. Heute vor genau 100 Tagen trat Markus Witteck (CDU) das Amt des Bürgermeisters an. Nach einer Faustregel des Journalismus wird einem neuen politischen Amtsinhaber zugestanden, sich in dieser Zeit einzuarbeiten und erste Erfolge vorzuweisen. Dieses „Stillhalteabkommen“ zwischen Presse und Politik geht zurück auf den amerikanischen Präsidenten Roosevelt. Der Schulzendorfer sprach mit ihm:
Mit drei Worten: Wie waren Ihre ersten 100 Tage?
Markus Witteck: Interessant, arbeitsintensiv, herausfordernd.
Was möchten Sie den Schulzendorfern nach 100 Tagen sagen?
Markus Witteck: Ich möchte Ihnen sehr ungern mitteilen, dass sie noch geduldig sein müssen, bis es hier sichtbare Veränderungen gibt. Hier muss zunächst sehr intensiv an B-Plänen gearbeitet werden, welche teilweise schon sehr weit zurückreichen, jedoch für Schulzendorf enorme Belastungen nach sich ziehen würden. Vieles muss neu sortiert und geradegerückt werden, erst dann kann es weitergehen.
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Wie hat das Amt Ihren Alltag verändert und wie schaffen Sie den Ausgleich mit dem Privatleben?
Markus Witteck: Egal wo man ist, man ist immer ansprechbar, das ist auch gut und als Gemeindevertreter konnte man da schon Erfahrung sammeln. Da ich vorher im Schichtdienst gearbeitet habe, ist es für meine Familie nicht neu, wenn ich abends nicht zu Hause bin. Ansonsten werden die Freiräume aktiv genutzt.
Was haben Sie in der Zeit über Schulzendorf neu gelernt?
Markus Witteck: Die Menschen sind im Großen und Ganzen sehr zufrieden mit dem Ort. Es gibt sehr engagierte Vereine und somit auch Bürger, die sich hier im Ort einbringen.
Ich bin auch immer wieder überrascht, wenn Menschen neu hierherziehen, wie wenig sie sich mit dem Ort beschäftigt haben. Auf einmal ist hier Fluglärm oder es wird sich eingemauert, damit niemand in den Garten schauen kann.
Was war Ihr emotionalster Moment in den ersten 100 Tagen?
Markus Witteck: Die Verabschiedung bei meinen Kollegen in meiner alten Dienststelle. (Anmerkung Redaktion: Markus Witteck war füher in leitender Position bei der Berliner Polizei tätig)
Anders als früher herrscht im Gemeinderat eine sachliche Atmosphäre, es gibt andere Auffassungen bei Sachthemen, aber keinen unfairen Diskurs. Worauf führen Sie das zurück?
Markus Witteck: Die Gemeindevertretung entscheidet, wie es hier im Ort weitergeht, was sich verändern soll…ich als Bürgermeister habe da nur eine Stimme. Um jedoch sachgerecht entscheiden zu können, werden natürlich Informationen benötigt. Mein Ansinnen ist es, diese auch alle und ungefiltert zur Verfügung zu stellen und sachlich auf Fragen aller Gemeindevertreter zu antworten, denn nur gemeinsam kommen wir voran.
Gibt es Herausforderungen, die Sie unterschätzt haben?
Markus Witteck: Ja, ganz klar. Dass man von seinem Amtsvorgänger Altlasten übernimmt, ist nichts Neues und damit habe ich auch gerechnet. Dass hier jedoch so viele Bereiche betroffen sind und auch an Schlüsselfunktionen ein kompletter Personalwechsel stattgefunden hat und somit Lücken im Wissenstransfer vorliegen, macht die Sache nicht einfacher.
Wie gehen Sie mit den knappen Haushaltsmitteln um?
Markus Witteck: Im Rahmen der Haushaltsplanungen diskutieren wir hier offen über Möglichkeiten Einsparungen vorzunehmen. Dabei rücken natürlich gerade kostenintensive Bereiche in den Vordergrund. Somit schaue ich mir auch die Personalstruktur an, die Verwaltung muss arbeitsfähig sein, jedoch sollte es keinen Überhang geben. Auch Beschlüsse die mal gefasst wurden, sollten hinterfragt werden, so wie jetzt bei dem Bau der Kita in der Brückenstr./ Herweghstr. Aber selbst bei einer besseren Haushaltssituation gebietet es sich nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu handeln, da es ja alles Gelder sind, die die Bürger hier aufbringen.

Mücke Erbe: Dieser Schaden am Dachstuhl einer gemeindeeigenen Immobilie ist nicht über Nacht auf die Mieter eingestürzt. Witteck muss ihn nun beiseite räumen.
Wo soll Schulzendorf in vier oder fünf Jahren stehen?
Markus Witteck: Es muss erst einmal Ruhe in den Ort kommen, das Baugebiet muss zum Abschluss gebracht werden, um zu wissen, wie weit die soziale Infrastruktur noch angepasst werden muss. Dann sollte es auch endlich möglich sein, z.B. die Freiligrathstr. zu begradigen oder/und die Kopfsteinpflasterstraßen zu glätten, damit der Verkehr aus den Wohngebieten kommt. Die von vielen gewünschte Beleuchtung muss auch angegangen werden… Bei der aktuellen Situation würde ich jedoch sagen, wenn wir hier noch handlungsfähig sind und nicht in der Haushaltssicherung stehen, wäre das auch ein Ziel.
Woran sollen Bürger messen, ob Ihre Amtszeit erfolgreich ist?
Markus Witteck: Ich bin mit einem Wahlprogramm gestartet, wo verschiedene Themenbereiche abgedeckt sind. Wenn es gelingt, diese Sachen auch in die Umsetzung zu bekommen, dann kann der Bürger selbst entscheiden, ob es erfolgreich war oder nicht.

Lange drang regelmäßig Regenwasser in das Schulgebäude. Die Probleme am Dach der Grundschule waren Ex-Bürgermeister Mücke seit einem Jahrzehnt bekannt.
Lesen Sie am Donnerstag und Freitag: Was Bürger, Lokalpolitiker und Der Schulzendorfer zu Wittecks Start sagen.

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