Schulzendorf. Ausgerechnet das Prestigeprojekt von Schönefelds Bürgermeister Hentschel an der Miersdorfer Straße gerät kurz vor der entscheidenden Abstimmung ins Wanken. Im jüngsten Ortsentwicklungsausschuss sorgte Bauamtsleiterin Julia Kruse für einen Paukenschlag: Sie forderte die Gemeindevertreter offen dazu auf, dem vorliegenden Bebauungsplan Nr. 19 „Schulstandort Miersdorfer Straße“ nicht zuzustimmen.
Ein Vorgang, der beispiellos ist. Unter ihren Vorgängern Annedore von Hoch, Undine Nulle und Jörg Sonntag hat es eine derartige öffentliche Distanzierung von einem laufenden Planverfahren nie gegeben.
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Vermessungs-Panne mit Sprengkraft
Der Grund für Kruses Warnung hat es in sich: Nach ihren Angaben wurden die Flurstücksgrenzen in der Planzeichnung nicht korrekt ermittelt. Die Abweichung soll rund drei Meter betragen.
Was auf den ersten Blick nach einer Kleinigkeit klingt, könnte weitreichende Folgen haben. Denn bereits am morgigen Tag soll die Gemeindevertretung über die Baureife des von Schönefeld vorangetriebenen „Leuchtturmprojekts“ entscheiden, möglicherweise auf Grundlage fehlerhafter Daten. Ob es zu einer Abstimmung kommt, steht inzwischen in Frage.
Bürger-Einwände abgebügelt?
Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurden Behörden, Träger öffentlicher Belange und Bürger beteiligt. Zahlreiche Hinweise und Bedenken gingen ein.
Doch sämtliche Einwendungen der Bürger wurden mit pauschalen Begründungen und dem Hinweis „Keine Änderung der Planung“ zurückgewiesen. Nun stellt sich die Frage, ob die gleiche Sorgfalt auch bei anderen Prüfungen an den Tag gelegt wurde.
Gesundheitsrisiko durch Ultrafeinstaub ausgeblendet?
Besonders brisant erscheint ein weiterer Kritikpunkt: Im Bebauungsplan fehlt offenbar eine Betrachtung sogenannter Ultrafeiner Partikel (UFP).
Diese winzigen Schadstoffpartikel sind deutlich kleiner als klassischer Feinstaub und gelten nach aktuellem Forschungsstand als potenziell gesundheitsgefährdend. Sie können tief in die Atemwege eindringen und stehen im Verdacht, insbesondere Bronchien und Herz-Kreislauf-System zu belasten.
Das Umweltbundesamt veröffentlichte 2025 die Ergebnisse einer mehrjährigen Untersuchung rund um den Flughafen BER. Das zentrale Ergebnis: Der Einfluss des Flughafens auf die Konzentration von Ultrafeinstaub in der Umgebung ist nachweisbar. Die Belastung sei in Flughafennähe erhöht und nehme mit wachsender Entfernung ab.
Das UBA rät bei der Planung eines Schulstandorts in unmittelbarer Nähe eines Großflughafens gerade den Risikofaktor UFP zu berücksichtigen. Schließlich geht es um den vorsorgenden Gesundheitschutz von Kindern und Jugendlichen.
Mehr als 700 Seiten über ein Wochenende
Für zusätzlichen Unmut sorgt der Umgang mit den umfangreichen Planungsunterlagen. Mehr als 700 Seiten Dokumente und Abwägungsmaterialien zum Flächennutzungs- und Bebauungsplan mussten die Ausschussmitglieder innerhalb weniger Tage durcharbeiten.
Zwischen Bereitstellung der Unterlagen und Beratung lagen lediglich das Wochenende sowie der darauffolgende Montag.
Die Folgen zeigten sich bei der Abstimmung: Lediglich Tim Kolbe (SPD) stimmte den Abwägungen zum Flächennutzungsplan zu. Alle übrigen Ausschussmitglieder enthielten sich. Die Beratungen zum Bebauungsplan wurden schließlich sogar von der Tagesordnung genommen.
Wird das Projekt durchgepeitscht?
Angesichts der aufgetretenen Mängel wächst die Skepsis. Handelt es sich lediglich um handwerkliche Fehler oder um Anzeichen eines Verfahrens, das unter erheblichem Zeitdruck von der Politik vorangetrieben wird?
Die zentrale Frage lautet nun: Soll ein Projekt von dieser Tragweite trotz offener Fragen und möglicher Planungsfehler möglichst schnell beschlossen werden?
Die Gemeindevertretung steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung. Klar ist bereits jetzt: Das als „Leuchtturmprojekt“ angekündigte Vorhaben wirft mehr Schatten voraus, als seinen Befürwortern lieb sein dürfte.

Unfassbar! Wer war der Planer? Da gibt es doch bestimmt Regressansprüche?
Oder man macht einfach die 100 m-Bahn 3 Meter kürzer!
Soweit ich weiß, ist doch irgendwo in den Unterlagen auch ein Gutachten vorhanden, das den Ultrafeinstaub für nicht gefährdend betrachtet. Man sollte dran denken, spätestens dann, wenn die Flugbewegungen zunehmen. 2025 gab es 193.000 Flugbewegungen, zugelassen zum jetzigen Zeitpunkt für den BER sind aber 360.000 Flugbewegungen, die nach 2030 auch ausgeschöpft werden. Und dann nicht vergessen, die zunehmende Lärmbelastung unter der Hoffmannkurve, die ja jetzt durch die neuen Systeme nicht mehr so eng verläuft.