Wunder können nach 100 Tagen nicht eingetreten sein. Wer das von Schulzendorfs neuen Bürgermeister Markus Witteck erwartet hatte, verkennt das Leben. Er hat aber bereits das umgesetzt, was ein Leichtes war: eine Stilwende! Statt Besserwisserei, Oberlehrerhaftigkeit, Geheimniskrämerei und Gängelei sind ins Rathaus Sachlichkeit, Transparenz und respektvoller Umgang im Gemeinderat eingezogen.
Frank Metelka (AfD) konstatiert: Ich spüre den Willen von Markus Witteck Veränderungen herbeizuführen. Beim Vorbringen von Kritik war ich von seinem Amtsvorgänger gewohnt, hämisch angegrinst zu werden. Das ist heute völlig anders. Der Dialog erfolgt auf Augenhöhe. Mir macht es viel Spaß mit ihm zusammenzuarbeiten.“
Die Fraktionschefin des Bürgerbündnisses Ramona Brühl lobt Witteck, man schätzt sich einander. Brühl sagte: „Er scheut sich nicht, auch unbequeme Wahrheiten,
wie die angespannte Haushaltslage oder rechtliche Hürden bei Bauprojekten, offen anzusprechen und zu erklären. Er hat meine Erwartungen an einen dynamischen Neustart nicht nur erfüllt, sondern übertroffen. Er agiert nicht als bloßer Verwalter des Status quo, sondern als strategischer Gestalter mit klarem Kompass.
Kritiker werfen Witteck vor, er habe Positionen, die er als Gemeinderat vertrat nach Amtsantritt, über Bord geworfen. Eines darf nicht vergessen werden: Witteck füllt heute eine andere Rolle aus. Er ist nicht mehr Gemeindevertreter, er führt einen Verwaltungsapparat an, dessen Interessenslage eine andere sein kann, als die der politischen Fraktionen in der Gemeindevertretung.
Interessant wird sein, wie sich die CDU/FDP-Fraktion künftig verhält. Wird sie in den Opportunismus abgleiten und rein zweckmäßige, aber prinzipienlose Entscheidungen fällen, die Bürgermeister Witteck in seinem Handeln keine Hürden aufbauen?
„Es ist gut, dass Markus Witteck begonnen hat, den nicht benötigten Ballast von Beschlüssen, die nicht mehr umsetzbar oder veraltet sind, zu entrümpeln.“, konstatiert Reinhard Bolduan. Der Bürgerrechtler weiter: „In Gesprächen mit ihm habe ich kein Desinteresse gespürt und musste mir auch nicht gebetsmühlenartig anhören, was alles nicht geht. Ob Herr Witteck es vollbringen kann, dass es kein „Weiter so, wie bisher“ geben wird, dass muss er noch beweisen.“
Für den FDP-Kreistagsabgeordneten und Gemeinderat Denis Gottwald hat Witteck einen gelungenen Start hingelegt, er sieht „positive Signale“. „Die Stimmung in der
Verwaltung erscheint mir deutlich entspannter. Ich nehme die zugewandte und menschliche Art von Markus Witteck wahr. Ein „von oben herab“ kann ich nicht feststellen, eher das Gegenteil. Er zeigt sich als Gesprächspartner auf Augenhöhe, erzeugt somit Vertrauen und Akzeptanz von Entscheidungsprozessen für Mitarbeitende.“
Gottwald hofft, dass bessere Arbeitsklima im Rathaus könne zu einem gesteigerten Bewerberaufkommen auf freie Stellen im Amt führen
Ehrenamtlerin und Finanzexpertin Petra Prochaska spricht von einem schweren Erbe, das Markus Witteck angetreten hat. Sein größtes Problem: „Er muss all die Dinge erst einmal auf die Agenda nehmen, die in den letzten Jahren dermaßen vernachlässigt worden sind. Angefangen beim defekten Schuldach und den kommunal bewirtschafteten Wohnungen. In den letzten 16 Jahren sind Aktionen, Ideen, Wünsche und Notwendigkeiten für unseren Ort meist unter dem Motto „…könnten wir – machen wir aber nicht!… in die Schubladen des Rathauses gesteckt worden.“
Prochaska erinnert an die Beleuchtung August-Bebel-Straße, die Kita Brückenstraße, das im Sand verlaufene Geh- und Radwegkonzept und den sicheren Schulweg in der Walther-Rathenau-Straße. „Ich wünsche ihm die Kraft, den Elan und die Ausdauer die riesigen, in der Vergangenheit vernachlässigten Aufgaben in Angriff zu nehmen und zum Abschluss zu bringen.“, so die Bewohnerin.
Akademiker Tim Kolbe, Mitglied der SPD-Fraktion, wollte sich zu 100 Tage Markus Witteck nicht äußern.
Das schreiben Leser