„Regierender Bürgermeister von Berlin würde ich jedenfalls nicht werden wollen!“

4. Mai 2009
Von

Frank Welskop, Jahrgang 1956, geboren in Berlin, verheiratet und Vater von 3 Kindern, zwei Söhne (davon 1 Pflegesohn) und eine Tochter, parteilos, wird sich für die Linkspartei um das Amt des Schulzendorfer Bürgermeisters bewerben. Er absolvierte eine Ausbildung zum Flugzeugmechaniker bei der INTERFLUG und arbeitete dort bis 1980. Bis 1986 studierte er in Leipzig, anschließend promovierte er zu einem umweltwissenschaftlichen Thema. Danach arbeitete er an der Akademie der Wissenschaften der DDR, am Institut für Geografie und Geoökologie. Nach der Wende im Jahr 1989 war Frank Welskop am Aufbau verschiedener Umweltverbände, unter anderem bei der GRÜNE LIGA Berlin und der Studiengesellschaft Brandenburg-Berlin gegen den Großflughafen, beteiligt, wo er auch jeweils viele Jahre als stellvertretender Vorsitzender arbeitete. Mit ihm sprach www.schulzendorfer.de

Herr Dr. Welskop, Sie bewerben sich für die Schulzendorfer Linkspartei um das Amt des Bürgermeisters. Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen?

Ich sage es ganz provokant! Ohne mein Engagement im Kampf gegen den künftigen Flughafen Berlin Brandenburg International (BBI) seit 1990 wäre ich nie auf die Idee gekommen als Bürgermeister von Schulzendorf zu kandidieren. Zuerst behandelte ich das BBI -Thema in meinen vielen Publikationen vor allem umwelt- und verkehrspolitisch. Allmählich wurde mir jedoch immer klarer, dass das in erster Linie ein kommunalpolitisches Thema ist: für die dicht besiedelten Kommunen in der Einflugschneise ist die dauerhafte Verlärmung unter dem Fluglärmteppich ein immenser Schaden. Bei dem weiteren BBI -Engagement muss es deshalb nun besonders um einen fairen Interessensausgleich zwischen den betroffenen Anliegergemeinden und den Betreibern des BBI gehen. Und um den ambitionierten, fachlich fundierten Kampf zur Durchsetzung des weitgehenden Nachtflugverbots. Falls ich Bürgermeister von Schulzendorf werde, wäre der BBI für mich eine strategische Aufgabe, der ich durch mein fachliches Know – How ein sehr gutes Profil und Schärfe geben kann! Im übrigen ist der BBI für Berlin als Schuldenmetropole Deutschlands natürlich auch ein kommunalpolitisches Thema im Sinne der dadurch noch dramatischeren Verschuldung.

Thema BBI, dazu haben Sie ein Buch geschrieben, das in Kürze erscheinen wird. Worum geht es darin?

Noch weiß ich nicht wann es erscheint, aber es wird erscheinen. Hoffentlich in Kürze. Der Ausgangspunkt für mein Buch Anfang vorigen Jahres war letztendlich meine Empörung über die eklatante Ungerechtigkeit, die durch das Projekt BBI verursacht wird. Was passiert hier eigentlich in unserer Region? Wir erleben es täglich und hautnah. Da ist z.B. kein Geld für Schulen da, sie verkommen. Da wird gestreikt, weil die Tarifverhandlungen wieder einmal gescheitert sind. Durch die Weltwirtschaftskrise haben plötzlich unsere Politiker ihr Herz für Kinder entdeckt, so dass ein bisschen Geld in die maroden Schulen gesteckt wird. Aber ansonsten wird gespart bis es knirscht, weil angeblich kein Geld da sei. Und auf der anderen Seite wird für Milliarden Euro ein nicht funktionierendes Luftschloss an der Grenze zu Berlin in Beton und in die Stadt gegossen. Der künftig nicht rentabel arbeitende BBI wird bis zum bitteren Ende mit Steuergeldern gebaut! Koste es, was es wolle! Und um diesen apodiktischen Nachweis, dass Steuergelder für einen nicht rentabel funktionierenden BBI vernichtet werden, der nicht einmal aus eigener Kraft seine Kreditschulden erwirtschaften können wird, geht es dann auch in meinem Buch.

Wie waren die ersten Reaktionen auf Ihre Kandidatur?

Viele Menschen aus Eichwalde und aus Schulzendorf, die mich aus meiner Kindergarten – und Schulzeit kennen, haben mich angesprochen und mich in meiner Absicht unterstützt. Vor kurzem besuchte ich eine Veranstaltung über Eric Satie in der Patronatskirche, da sprachen mich viele Besucher an und meinten, dass sie meine Kandidatur toll finden würden. Das hat mich natürlich gefreut und stimmt mich optimistisch. Übrigens meinte mein Sohn, der noch in Eichwalde zur Grundschule geht, „schön dass Du nicht in Eichwalde kandidierst, aber Schulzendorf, das ist O.K.”

Welche kommunalpolitischen Erfahrungen haben Sie?

Ich habe sieben Jahre in der Landesentwicklungsgesellschaft für Städtebau, Wohnen und Verkehr des Landes Brandenburg gearbeitet, wo ich u.a. auch Kommunen beraten habe. Ich war als parteiloser Politikberater von 2002 bis 2006 im Berliner Abgeordnetenhaus für die Linkspartei tätig. Sie hatte mich wegen meines Expertenwissens in die Fraktion eingestellt, allerdings als sie noch gegen den BBI war. Dann hat sie ja ihre Meinung zum BBI konsequent um 180 Grad gedreht. Dort habe ich dann im Ausschuss für „Stadtentwicklung und Umweltschutz” gearbeitet und durfte durch diese „Wende” nur für einige Zeit im Ausschuss für „Bauen, Wohnen und Verkehr” tätig sein. Und natürlich kenne ich dadurch auch die parlamentarischen Abläufe in der Kommune Berlin, auch wenn in Schulzendorf einiges anders ist als in Berlin.

Ist es ein Traumjob Bürgermeister von Schulzendorf zu sein?

Es ist etwas Neues und ich freue mich darauf. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen zusammen. Es wäre eine Vielfalt von verschiedenen neuen Aufgaben, die auf mich zukommen würden: und das ist spannend. Sowohl im Berliner Abgeordnetenhaus als auch in meiner Tätigkeit in der Landesentwicklungsplanung habe ich diesbezüglich viele Erfahrungen gesammelt und die Arbeit hat mir dort auch viel Spaß bereitet. Bürgermeister in Schulzendorf zu werden, das ist eine neue Qualität, eine höhere Ebene der Herausforderung, auf die ich mich wirklich freue. Und insofern ist es auch ein Traumjob, wenn man etwas für die Schulzendorf und die Region bewegen kann. Auf alle Fälle ist es jedoch mehr als nur ein Job. Regierender Bürgermeister von Berlin würde ich jedenfalls nicht werden wollen!

Der jetzige Bürgermeister Dr. Burmeister ist in Schulzendorf und über die Gemeindegrenzen hinaus sehr populär, das haben die Wahlergebnisse belegt. Er hat in der Gemeinde viel bewegt. Eine hohe Hürde?

Dr. Burmeister hat die Latte ziemlich hoch gelegt, ich will sie nicht reißen, aber auch nicht unter ihr durchrennen. Ich sehe dieses Amt als echte Herausforderung. Aber ich kann sehr gut mit Menschen umgehen und bin in der Lage mich auch auf schwierige Situationen einzustellen. Oder Menschen, Bürger zusammenbringen, um Lösungen herbeizuführen, zu organisieren, zu managen. Mir ist es lieber solch einen Vorgänger zu haben als Jemanden, der den Karren in den Dreck gefahren hat. Dann hätte man wirklich ein Problem, wenn beispielsweise die Verwaltung kaputt gespielt wurde. Ich werde also mit dieser Herausforderung wachsen und werde dabei auch meine eigenen Qualitäten einbringen.

Was wollen sie denn besser machen als er?

Ich will erst einmal so gut werden wie er, er ist der Maßstab. Aber es werden sich auch die Schwerpunkte verlagern, neue Aufgaben werden hinzukommen. Viele Baumaßnahmen, wie der Straßenbau, der Bau des Rathauses, des Ortszentrums werden dann in absehbarer Zeit weit gehend abgeschlossen sein und müssen mit Leben erfüllt werden. Durch die Verlagerung der Schwerpunkte geht es dann auch darum, mein Engagement in Vereinen, im Kulturverein, in der SG-Schulzendorf einzubringen, was mir durch meine Erfahrungen in und mit Vereinen, Vorstandstätigkeiten sowie Erfahrungen als aktiver Sportler sehr gut liegen wird.

Welche Akzente wollen Sie in Schulzendorf setzen?

Ich werde natürlich weiter den Kampf gegen die Auswirkungen des Flughafens BBI forcieren und mich dabei für die Interessen der Schulzendorfer einsetzen. Wir können nicht nur die Lasten der so genannten „Jobmaschine” tragen. Das neue Ortszentrum muss zum Leben erweckt werden. Es geht ja nicht nur darum, dass es gebaut wird, sondern auch darum, dass das Zusammenleben der Schulzendorfer in diesem Zentrum organisiert werden muss. Und besonders wichtig ist mir wie gesagt das Vereinsleben. Es ist ja bekannt, dass die Gelder immer knapper werden, also muss man mehr Engagement zeigen und versuchen Gelder zu akquirieren.

Sollten Sie gewählt werden, was werden Ihre ersten Amtshandlungen sein?

Als Erstes wäre es für mich ganz wichtig viele Menschen in Schulzendorf anzusprechen, kennen zulernen, die Vereine, die Grundschule, die Kindergärten, das Seniorenheim und natürlich auch die Verwaltung.

Was schätzen Sie an Schulzendorf besonders, wo ist Ihr Lieblingsort ?

Ich finde die Patronatskirche und ihr Umfeld sehr schön. Würde man die Sanierung des Schlosses mit einer Nutzung als Hotel noch hinbekommen, dann wäre dieses Ensemble für Schulzendorf ein großer Gewinn. Aber das hängt von den Investoren und der Zukunft unserer Region ab, die letztendlich durch den BBI geprägt sein wird. In der letzten Zeit hatte ich viele Gespräche mit Schulzendorfern z.b. beim Fußball. Es ist alles sehr unkompliziert und ich fühle mich dabei sehr wohl.

Mit welchem Blick schauen Sie in die nächsten Monate?

Derzeit sind wir auf dem Weg in eine tief greifende Krise. Es ist ja nicht mit einer Rettung von Opel getan! Denn in dem Moment wo man Opel rettet, eröffnet man eigentlich neue Probleme. Warum? Weil andere Unternehmen, die Probleme haben, auch gerettet werden wollen. Andererseits handelt es sich auch um vom Markt zu bereinigende Überkapazitäten, wenn kein Investor für die Übernahme bereit steht. Und wenn der BBI nicht privatisierbar ist, dann ist er für mich auch eine künftige Überkapazität, auf dem auch noch subventionierte Billigflieger rumfliegen. Und nicht zu vergessen, und das ist der Blick über die kommenden Jahre: wir haben auch noch eine Klimakrise, die man nicht verdrängen oder ignorieren kann. Und die sollte man keinesfalls aus dem Auge verlieren.

Können Sie ein IKEA Regal zusammenschrauben?

Ja, klar! Ich arbeite viel handwerklich, falls ich Zeit habe. Meine ganzen Bücherregale zu Hause habe ich selber gebaut. Das sind aber Unikate und nicht Produkte von IKEA. Ich arbeite sehr gern mit Holz.

Welche Musik hören sie gern ?

Jazz, ich mache übrigens auch selbst Jazzmusik, spiele Folk auf dem Akkordeon. Ansonsten höre ich sehr gerne Bach: Orgelmusik und das wohltemperierte Klavier. Letzteres eignet sich für mich sehr gut, beim Schreiben von Texten oder meines Buches.

Wer wird Deutscher Fußballmeister ?

Schade, dass es nicht Bremen wird, weil mein Sohn Werderfan ist. Ich drücke ihm dann immer die Daumen. Aber es könnte dieses Jahr sogar Hertha werden. Allerdings bin ich kein Fan von dieser Mannschaft.

2 Responses to „Regierender Bürgermeister von Berlin würde ich jedenfalls nicht werden wollen!“

  1. 28. Juni 2013 at 19:39

    „Regierender Bürgermeister von Berlin würde ich jedenfalls nicht werden wollen!“ | Der Schulzendorfer

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