Bei den Schlosskonzerten Königs Wusterhausen verwandelte das Violinduo The Twiolins Opernouvertüren, Arien und Evergreens in Kammermusik voller Witz und Wucht.
Königs Wusterhausen. Von Arien und Intrigen erzählte das Konzert der Schlosskonzerte im Großen Saal der Fachhochschule für Finanzen. Marie-Luise Dingler und Marta Danilkovich, gemeinsam The Twiolins, hatten ein Programm mitgebracht, das Leidenschaft, Machtspiele und große Gefühle in nur zwei Violinen bündelte.

Marie-Luise Dingler und Marta Danilkovich, verzauberten das Publikum im Großen Saal des Schlosses Königs Wusterhausen.
Foto: René Staebler
Rossinis Ouvertüre zu „La gazza ladra“ eröffnete den Abend mit jagenden Geigenläufen: zwei Instrumente, die klangen wie ein ganzes Orchester. Vivaldis „Frühling“ war wie ein Erwachen in vielen Farben, mal drängend, mal von leiser Zartheit, bis sich am Ende alles zu einem großen Bogen fügte. In Saint-Saëns’ „Der Schwan“ kam die Musik wiederum zur Ruhe. Getragen und elegant glitt die Melodie dahin, und wo sonst das Cello singt, übernahm eine Oktavvioline: der gravitätische Schwan, der sich zum Schlaf niederlegt.
Dann kehrte die Oper zurück. Mit der Ouvertüre und der Cavatina des Figaro aus dem „Barbier von Sevilla“ zeigten die Geigerinnen Sinn für Humor und Tempo, ehe Vincenzo Bellinis „Casta Diva“ aus „Norma“ den Ton wechselte und die spirituelle Andacht und Zerrissenheit der Königin widerspiegelte. Besonders hervorzuheben war das imitierte Flötensolo im Flageolett, hoch, klar und fast ätherisch. Marta Danilkovich hatte es arrangiert, Marie-Luise Dingler setzte es hervorragend um. Die lange Kantilene, getragen und innig, ließ die menschliche Stimme vergessen: Die Violinen sangen.
Mozarts Ouvertüre zu ließ den Schalk des Dieners spüren, den dieser mit seinem Herrn treibt: beschwingt, abwechslungsreich und voller Überraschungen.
Nach der Pause erklärten die Musikerinnen, „Funiculì, Funiculà“ sei anlässlich einer Zahnradbahn auf den Vesuv entstanden. Das Stück spiegelte Tourismus, Höhenrausch und neapolitanische Heiterkeit. Rossinis „Wilhelm Tell“ folgte mit Fanfaren, Stimmungswechseln, Märschen und Triumphgefühl. Dann wechselte die Tonalität: Bachs Toccata und Fuge in d-Moll sowie „Erbarme dich“ aus der Matthäus Passion klangen erhaben, kraftvoll, im Unisono. Die Violinen standen einer Orgel, die ein Kircheninneres füllt, in nichts nach. Die Arie aus der Matthäus-Passion transportierte Zerknirschung und Reue sehr emotional, für viele ein Höhepunkt des Programms.
Wieder heiter wurde es mit der Ouvertüre zur „Fledermaus“: beschwingt, frei, mit Walzer, Akzenten durch Pausen und den Klangfarben Wiens. Ein neuer Bruch führte in die Moderne, mit „New York, New York“ als Hymne auf die Stadt, die niemals schläft, und dem temporeichen, leicht verruchten „Minor Swing“, der an französische Bars denken ließ. Ruhig endete der Abend mit „Time to Say Goodbye“.
Charmant moderierten die beiden Musikerinnen durch den Abend, getreu dem Motto, dass Freude größer wird, wenn man sie teilt. Sie beherrschten ihre Instrumente perfekt, waren präzise aufeinander abgestimmt und das Programm war eine tolle Mischung, in der für jeden etwas dabei war. Mit Erfindungsreichtum, Leidenschaft und feinen Nuancen im Zusammenspiel hatten The Twiolins ein unterhaltsames, anspruchsvolles Programm zum Leben erweckt – ein Abend, der zeigte, wie viel Orchester in zwei Violinen steckt.
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