Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen ….

27. August 2011
Von

Schulzendorfs ältere Generation hatte eine Menge zu erzählen, als sie von der traditionellen Seniorenfahrt 2011 zurückkehrten.

Marlies Krägel von der Gemeindeverwaltung hatte alles bestens vorbereitet und den Gästen wieder Kultur vom „Feinsten“ geboten, wenn auch DDR-nostalgisch, aber das lag am „größten zusammenhängenden Flächendenkmal Europas“ – Eisenhüttenstadt. Schulzendorfs Senioren wandelten an diesem Tag auf den Spuren der Mosaikkunst von Elisabeth Jeske, Mosaizistin und Ehrenbürgerin der Gemeinde.

Ein Kunstwerk, wie das Mosaik an oder in Bauwerken  ist nicht wie ein Bild. Es entsteht die Idee eines Architekten, dann der Gedanke das Bauwerk mit einem Kunstwerk zu verschönern. Mit einem Bild, einer Skulptur oder eben einem Mosaik. Wird es das „Gemälde aus Steinchen“, dann braucht es meist einen Maler. Hier  entstand eine Symbiose zwischen dem Künstler Womacka, der Mosaikwerkstatt Jungebloedt und der Mosaizistin Elisabeth Jeske u.a. im Foyer des  Rathaus Stalinstadt zu bestaunen.

Eine Stadt, die ab 1950 erbaut und 1953 zur ersten sozialistischen Stadt erklärt wurde, praktisch wurde sie aus dem Boden gestampft. Das Prestigeprojekt der DDR-Führung.

Die Zahlen zeigen, dass das Konzept nicht mehr greift. Es sind zurzeit bereits 5.000 Wohneinheiten abgerissen, der Trend setzt sich fort. Ab 1961 ändert sich das Antlitz von Eisenhüttenstadt, viele Grünanlagen und Skulpturen lockern die Stadt auf.

Auf ihrer Suche nach Spuren von Elisabeth Jeske wurden Schulzendorfs Senioren fündig.

Im Theater, das 2010 rekonstruiert wurde und mit 711 Besucher fassen kann, sind riesige Säulen, die mit Mosaiken verkleidet sind, zu bewundern. Schulzendorfs Senioren erhielten im Theater, außerhalb der Reihe, eine Kostprobe des Klanges auf der Bühne. Ein Chormitglied beglückte mit seinem außergewöhnlichen Musikrepertoire.

Im Rathaus empfing uns im Foyer über der Eingangstreppe eine riesige Mosaikwand aus dem Jahr 1958 „Unser neues Leben“. Signiert von Walter Womacka, dem Stadtgestalter der Stalinstadt und Elisabeth Jeske.

Elisabeth Jeske hat ihre Handschrift auch im Krankenhaus hinterlassen. Ihre Mosaiken und der Brunnen laden zu Nachdenken ein.

Die zweite Etappe war eine Stippvisite zum EKO-Stahlwerk jetzt eine Holding „Acelor Mittel“. Vor der Wende arbeiteten dort rund 12.000 Mitarbeiter, heute sind es noch 2.800 und etwa 700, die im Outsourcing tätig sind. Eisenhüttenstadt bekommt ein zweites Standbein mit Europas größter und modernster Papierfabrik, die im Herbst eröffnen wird, so dass sich die Stadt auch als Wirtschaftstandort erholen wird.

Die Bürgermeisterin Dagmar Püschel (Die Linke) wirbt mit ganzer Kraft für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Stadt und den Erhalt des „ städtebaulichen Denkmals“. Die 1961 zwangseingemeindeten Ortschaften, wie Vogelsand und Fürstenberg, bereiten durch die Oderniederung und den damit verbundenen Hochwasserprobleme große Sorgen. Das kleine bereits 1250 gegründete  Örtchen Fürstenberg an der Oder war der nächste Halt. 1945 wurde die einzige Verbindungsbrücke zwischen Polen und Deutschland gesprengt. Die Fragmente der Brücke sind auf den Oderwiesen. Ein Gedenkstein weist auf die Toten in dem Fischerdörfchen hin.  Ebenfalls deutlich sichtbar riesige Berge von Restholz, die Überbleibsel des Oderhochwassers  von 1997 und 2010.

Schulzendorfs Senioren haben auf ihrer Entdeckungsreise eine Menge aus dem Leben und vom Schaffen der Mosaizistin Elisabeth Jeske erfahren. Nicht zuletzt haben Dr. Heidi Burmeister und Helmut Mencke, der die Werkstatt der Ehrenbürgerin ehrenamtlich weiterführt, mit ihren umfangreichen Recherchen dazu beigetragen, dass die Spurensuche so erfolgreich verlief.

(Fotos: Irene Robus)

 

 

 

 

 

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One Response to Wer eine Reise tut, der kann etwas erzählen ….

  1. Helmut Mencke
    9. September 2011 at 06:53

    “Was ich vom Mosaik weiss, weiss ich von Herrn Jungebloedt.” Diese Geste der Hinweisung auf ihren Lehrmeister ist uns überliefert. Wir sollten geneigt sein, sie als Mahnung an uns aufzufassen.

    “Vergesst mir meinen Heinrich nicht.” Nicht viel anders könnte sie gemeint sein, und wir werden unserer Ehrenbürgerin nicht gerecht, wenn wir ihren Aufruf an uns unbeachtet lassen.

    Das Werkzeichen der Firma “Heinrich Jungebloedt Mosaiken” als ein Signet Elisabeth Jeskes zu deuten ist etwas mehr als gewagt.

    Ich möchte daran erinnern, dass E. Jeske im Jahre 1958 eben ihre Ausbildung an der HDK beendete und im darauffolgenden Jahr die zum Handwerksmeister.

    Also, verehrte Ortschronisten, bleibt auf dem Teppich.

    Heinrich Jungebloedt wäre am 6. September 117 Jahre alt geworden.

    Helmut Mencke

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