Schlosskonzerte Königs Wusterhausen: Impressionistische Musik aus Frankreich

25. September 2018
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Eine französische Reise durch die vielfältigen Aspekte der Musik und der Komponisten des Impressionismus präsentierte das duo suono an Flöte und Klavier in einem unübertroffenen Konzert am Samstagabend im Kavalierhaus von Schloss Königs Wusterhausen.

Königs Wusterhausen. Für das Publikum in den ausverkauften Kavalierhäusern der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen fing das duo suono mit Myriam Ghani an der Flöte und Viktor Soos am Klavier den Zauber eines Sommernachmittages, die Ästhetik antiker Mythen, das Groteske einer Zwergengeschichte – ein umfassendes Potpourri großer Emotionen und Stimmungen – ein.

Im Konzert mit duo suono im Kavalierhaus des Schlosses Königs Wusterhausen erlebte das Publikum eindrucksvolle Impressionen aus Frankreich in der Musik. Foto: Norbert Vogel.

Im Konzert mit duo suono im Kavalierhaus des Schlosses Königs Wusterhausen erlebte das Publikum eindrucksvolle Impressionen aus Frankreich in der Musik.
Foto: Norbert Vogel.

Das in sich überaus schlüssige Programm des jungen Künstlerduos startete mit der „Fantasie op. 79 für Flöte und Klavier“ des großen Lyrikers Gabriel Faurè. Natürlich widmeten sich die beiden jungen Ausnahmekünstler im ersten Teil des Abends auch der berühmten Flötensonate von Francis Poulenc, zunächst mit zwei kleinen Improvisationen am Klavier, die sich in der Sonate für Flöte und Klavier wiederfinden. Mit einer überzeugenden Interpretation des Flötenklassikers stellten Ghani und Soos ihr vollendetes Zusammenspiel gekonnt unter Beweis, indem sie sich jeweils viel Raum und Zeit gaben, harmonisch korrespondierten und geradezu flexibel vom dominierenden Part in die begleitende Nebenrolle wechselten. Ob es der melancholische Duktus im Hauptthema oder dessen beherztes Gegenthema im ersten Satz waren, die langsamen Kantilenen des ruhigen Folgesatzes oder gar das fulminante Ende im dritten Satz, ihr Vortrag in der Flötensonate lebte von einer anschaulichen Körpersprache und einer authentischen Leidenschaft.

Wie bereits im ersten Konzertteil widmeten sich Ghani und Soos in der zweiten Hälfte des Konzertabends noch einmal dem großen französischen Impressionisten Claude Debussy. Für „Prélude à l’apres-midi d’un faune“ lieferte Stéphane Mallarmé mit seinem Gedicht die entscheidenden Impulse. Das sinnliche Erlebnis eines Fauns, der an einem arkadischen Sommertag aus seinem Nachmittagsschlaf erwacht, wurde in eindrucksvoller Weise musikalisch zelebriert. Die Gefühlswelt des Fauns wurde überaus emotional und ergreifend ins Musikalische übersetzt. Ebenso erlebten die Zuhörer auch eine betörende Vertonung der „Syrinx“: In dem kleinen Flötensolo, das im Übrigen für den Eintritt in die musikalische Moderne steht, schwang von Beginn an die Traurigkeit des tragischen Ausganges mit.

Mit „Scarbo“ aus „Gaspard de la nuit, Trois poèmes pour piano“ von Maurice Ravel lenkte Soos am Klavier die Aufmerksamkeit der Zuhörer anschließend in die düstere und unheimliche Welt der Zaubergestalten. Aloysius Bertrant liefert die Textvorlage über die groteske Zwergengestalt, die um Mitternacht, wenn der Silbermond am Nachthimmel glänzt, Pirouetten drehend und gehässig lachend von der Zimmerdecke herabpurzelt. Dabei bediente sich Ravel der gesamten Klaviatur: von leise bis laut, leichte Läufe und gravitätische Akkorde, schnelle und langsame Passagen. Nicht nur der Kobold, der seinen Schabernack treibt, auch der Pianist am Konzertflügel geriet zunächst in Rage, bis sich plötzlich alles in einer Ruhe oder einer unheimlichen Stille auflöste, wie der Zwerg, der „schließlich gleich einer erlöschenden Wachskerze in sich zusammenfällt“.

Die Vielfalt der unterschiedlichsten Stimmungen vereinte das duo suono in der „Sonate 94 D-Dur für Flöte und Klavier“ von Sergej Prokofjew. Vordergründig wirkt die Sonate heiter und strahlend in ihrer D-Dur Tonart, doch versprüht sie in ihrer Heiterkeit etwas Tragisches oder auch ein nachdenkliches Moment. Prokofjew war im zweiten Weltkrieg nach Perm ins Uralvorland evakuiert worden. Die wahrhaften und frohen Klangbilder legen Zeugnis ab von einer unbeschwerten Daseinsfreude in einer idyllischen Landschaft, die der Komponist an den Ufern der Kama in dieser Zeit genießen durfte und tänzerisch-melodische Auszüge, die an berühmte Ballettsujets erinnern, treten wiederholt in dieser Komposition auf. Doch auch das Zerstörerische und gewaltige Erbeben des Zweiten Weltkrieges blieb nicht unbeachtet und überwältigte nicht zuletzt auch das Publikum der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen.

Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite: http://schlosskonzertekoenigswusterhausen.de/.

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