Schlosskonzerte: Gesamtkunstwerk der großen Gefühle

19. Februar 2018
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Königs Wusterhausen. Mit einer besonderen Konzertlesung mit der Pianistin Gerlint Böttcher und dem Schauspieler Hans-Jürgen Schatz wurde im ausverkauften Festsaal des Kavalierhauses Königs Wusterhausen die Rückkehr des restaurierten Gemäldes Kapitän von Rohr in die Offiziersgalerie des Schlosses gefeiert. Die Restaurierung wurde durch die Schlosskonzerte 2016 mit dem Erlös eines Benefizkonzerts unterstützt. Schlossleiterin Dr. Margrit Schulze verriet in einer speziellen Schlossführung mehr zur Geschichte und Herkunft des Gemäldes und eröffnete auch das Konzert, das in Kooperation mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg stattfand. Veranstalter war der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark in der Deutschen Gesellschaft e. V.

Es gibt von Franz Liszt mehrere Klavierzyklen unter dem Titel „Années Pèlerinage“ (Pilgerjahre). In ihrem Literaturkonzert widmeten sich die Konzertpianistin und Initiatorin der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen, Gerlint Böttcher, und Rezitator Hans-Jürgen Schatz dem ersten Band „Suisse“ (Schweiz).

Konzertpianistin Gerlint Böttcher und Rezitator Hans-Jürgen Schatz (Foto: Norbert Vogel)

Konzertpianistin Gerlint Böttcher und Rezitator Hans-Jürgen Schatz (Foto: Norbert Vogel)

Dort lebte Franz Liszt 1835/36 vorübergehend mit seiner Geliebten, der Gräfin Marie d’Agoult, in der Nähe von Genf. Die Landschaft wurde zum Sinnbild seiner Erinnerungen und großen Gefühle. Die Bilder der Natur riefen tiefste Empfindungen hervor, die Liszt versuchte, in den Tönen wiederzugeben. Im Wechsel mit Texten von Lord Byron, Friedrich Schiller und Etienne Pivert de Sénancour entstand ein faszinierender Dialog zwischen Klavier und Rezitation.

Hervorragend trug Schatz die Lyrik und Prosa vor – verlieh mit der Allmacht der Sprache dem Wort Ausdruck und ließ Bilder von Landschaften und Naturgewalten entstehen. Schatz machte den Unterschied zwischen Vorlesen und Vortragen überaus deutlich: Klar und deutlich sprach er jede einzelne Silbe, betonte, nuancierte, interpretierte. Indem er dazu dem gesprochenen Wort Raum gab, lehrte er uns, was Schönheit der Sprache im wahrsten Sinne des Wortes bedeutet.

Am Klavier nahm Böttcher die poetische Sprache auf und setzte die Landschaft in ein akustisches Bild um. Äußerst facettenreich war die äußere und innere Reise: So machten die klaren und lieblichen Töne im „Au lac de Wallenstadt“ (See von Wallenstadt) oder feinperlige, dahinplätschernde liquide Figurationen in „Au bord d’une source“ (Am Rande einer Quelle) ein idyllisches Gebirgspanorama ohne jegliche Bedrohung sichtbar.

Virtuos transportierte Böttcher mit kraftvollen Läufen und Akkorden die Dramatik im darauffolgenden „Orage“ (Sturm), gleichsam als Sinnbild für den Aufruhr der Gefühle, dem inneren Aufbegehren oder wie es im Text heißt: „…gleichst Du dem Sturm im Herzen…“. Im „Vallée d’Obermann“ (Tal des Obermann) befasste sich der Komponist mit der Frage des Seins. Was will ich? Was bin ich? Lassen sich wahre Emotionen in Worte fassen?

Böttcher nahm den psychologischen Diskurs, den inneren Kampf um die Emotionen, auf: Kraftvoll, doch überaus klar trug sie diese Passage vor. Dabei nahm sie sich die nötige Zeit für die vielfältigen und komplexen Tonwelten, um dieser inneren Auseinandersetzung gerecht zu werden. Wenige Worte von Schatz eröffneten daraufhin ein Spiel, „Eglogue“ (Hirtengesang), das befreit, locker, geradezu losgelöst vom emotionalen Kampf wirkte. Positiv und beschwingt ließ es sich vorübergehend nach vorne blicken.

Doch schon bald trübte sich die Stimmung wieder. In den folgenden Stücken, die mit „Les Cloches de Genève“ (Glocken von Genf) endeten, breitete sich eine düstere, sehnsuchtsvolle Heimwehstimmung aus.

Was bleibt, ist ein Nachklang, der die Zuschauer zutiefst bewegt, und die Synthese von Musik und Dichtung beschließt.

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