Schlosskonzerte: Bilderreicher Klangzauber

5. September 2022
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Königs Wusterhausen. Mit dem Titel „Klangzauber“ offerierte die Pianistin und künstlerische Leiterin der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen, Gerlint Böttcher, gemeinsam mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter dem langjährigen Gastdirigenten Aurélien Bello ein Programm mit Raritäten und Präziosen der Musik und versetzte die Zuhörer in romantische Sphären, die viel Raum für Phantasie zuließen.

Zuvor versetzte Knut Sabelus, einer der Hauptsponsoren der Schlosskonzerte Königs Wusterhausen, in seiner Eröffnungsrede die Gäste mit Versen aus Erich Kästners Lyrik in eine besondere Stimmung und führte Ihnen klassische Bilder eines Augusttags vor Augen. Er riet, die großen Themen des Alltages beiseite zu schieben und die Musik zu genießen. Das fielt nicht schwer.

Einen Höhepunkt bildete Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 g-Moll op. 25 in der historischen Fassung mit Streichorchester von Paul Graf von Waldersee. Die Komposition von Mendelssohn Bartholdy weist viele Besonderheiten auf, wie der fulminante Beginn des Klavierspiels nach einem knappen Auftakt des Orchesters, kraftvolle, rasante Passagen, die sich mit feinsinnigen, zarten Tönen einen Dialog liefern, oder ineinander verzahnte Sätze. Durch die Moll-Tonart haftet dem virtuosen Werk mitunter eine Melancholie an, sie verleiht ihm aber Tiefgang und versetzte sicher die Gäste in Traumwelten.

Klangzauber in der Kreuzkirche mit Gerlint Böttcher am Klavier und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Aurélien Bello. Foto: Peter Adamik.

Klangzauber in der Kreuzkirche mit Gerlint Böttcher am Klavier und dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim unter der Leitung von Aurélien Bello.
Foto: Peter Adamik.

Voller Hingabe war wieder einmal das Klavierspiel von Böttcher, die mit einem wohltemperierten Anschlag am Klavier der Komposition ein gewisses Etwas verlieh, jeder Nuance mit viel Gespür gerecht wurde und technisch brillierte. Eine Besucherin bezeichnete das Spiel als „feinperlig, fein, verzaubernd“. Das Zusammenspiel mit dem Kammerorchester wirkte nach den vielen gemeinsamen Auftritten wie aus einem Guss und vertraut, was sich nicht zuletzt auch in herzlichen Gesten der Pianistin mit den Musikerinnen und Musikern und dem Dirigenten spiegelte.

Ein Besucher sprach von einem „Herbstrauschen“, das die Sinfonietta op. 52 von Albert Roussel bei ihm auslöste. Besuchende schätzten, dass auch wenig bekannte Werke auf dem Programm standen. Das reife Werk von Roussel erinnerte in seiner Tonsprache sehr an Hindemith, war aber äußerst lohnenswert und bildete einen perfekten musikalischen Rahmen mit Antonín Dvo?áks Serenade E-Dur op. 22, die das Südwestdeutsche Kammerorchester im zweiten Teil darbot. In dieser klangschönen Komposition floß man als Zuhörer mit den eingängigen Melodien dahin, wurde von kraftvollen Episoden mitgerissen und versank geradezu in den langsamen Sätzen. Das Kammerorchester setzte mit großer Raffinesse und exzellenter Technik die verschiedenen Klangwelten flexibel und präzise bis ins letzte Detail um.

Nicht zuletzt wirkte der Beginn der Schlosskonzerte wie ein traditionelles Familienfest. Man traf sich – manchmal nach langer (Corona)-Pause, tauschte sich aus, freute sich über das Wiedersehen mit Gästen, Sponsoren und Musikern. Das Publikum unterhielt sich bei einem Glas Wein untereinander und mit den Mitgliedern des Orchesters. Wie immer wirkte das Ambiente und Miteinander vertraut.

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