Kreuzverhör: Johanniter – Vorstand – „Wir bezahlen unsere Mitarbeiter gut!“

30. Januar 2020
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Unter Abgeordneten ist im Zusammenhang mit dem geplanten Kitabau in der Herweghstraße die Diskussion über die Trägerschaft im Gange. Soll ein freier oder kommunaler Träger die Einrichtung betreiben? Bündnis 90/Die Grünen haben einen Antrag in den Gemeinderat eingebracht, der auf eine freie Trägerschaft abzielt.

Jetzt macht ein Gerücht die Runde, wonach Erzieher freier Träger bis zu 1.200 Euro weniger verdienen würden, als ihre Kollegen in kommunalen Einrichtungen. Es wurde von der Gemeinderätin und Kreistagsabgeordneten Claudia Mollenschott (Die Linke) losgetreten, die sich auch deswegen für eine kommunale Trägerschaft ausgesprochen hat.

Der Schulzendorfer hat sich an einen freien Träger gewandt, um aufzuklären, was an dem Gerücht dran ist. Wir sprachen mit Matthias Rudolf, Regionalvorstand der Johanniter – Unfall – Hilfe e.V., Regionalverband Südbrandenburg aus Cottbus (Johanniter).

Herr Rudolf, Kita Erzieher von freien Trägern sollen nach den Worten der Kreistagsabgeordneten Claudia Mollenschott bedeutend weniger verdienen als ihre Kollegen in kommunalen Einrichtungen. Trifft das für die Johanniter zu?

Johanniter Vorstand Matthias Rudolf.

Johanniter Vorstand Matthias Rudolf.

Matthias Rudolf: Wenn eine Lokalpolitikerin solche pauschalen Aussagen über freie Träger trifft, dann ist das für mich unfair und auch einfach falsch. Damit wird eine öffentliche Meinung geschürt, die jeglicher Grundlage entbehrt. Ich kann nicht für alle freien Träger sprechen, aber wenn Frau Mollenschott derartige Erkenntnisse hat, muss sie auch den oder die Träger klar benennen und nicht verallgemeinern.

Zu den Fakten. Erzieher kommunaler Einrichtungen werden nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) entlohnt. Nach der Entgelttabelle Sozialdienst und Erziehung werden Kita Erzieher in die Stufe S 8 a eingruppiert. Ab dem 1. März 2020 würde ein anerkannter Erzieher, der frisch ausgelernt in einer kommunalen Kita zu arbeiten beginnt, monatlich 2.829,77 Euro erhalten. Beginnt er bei den Johannitern, erhält er im ersten Beschäftigungsjahr monatlich 2.932,84 Euro. Das sind gut 100 Euro mehr.

Für die Erzieher der Johanniter gilt der TVöD nicht. Auf welcher Grundlage erfolgt dann die Entlohnung?

Matthias Rudolf: Unsere Erzieher werden nach den Arbeitsvertragsrichtlinien des Diakonischen Werkes Berlin – Brandenburg, Schlesische Oberlausitz e.V., Anlage Johanniter bezahlt. Danach zahlen wir 13 Monatsgehälter. Wir zahlen unseren Erziehern einen monatlichen Kinderzuschlag in Höhe von 90,57 Euro pro Kind, solange sie selber Kindergeld beziehen. Im TVöD gab es das früher auch – heute, meiner Kenntnis nach, nicht mehr. Wir bezahlen unsere Mitarbeiter für gute und hoch verantwortungsvolle Arbeit gut.

Gibt es betrieblichen Sozialleistungen, mit denen Sie Ihre Erzieher motivieren?

Matthias Rudolf: Ab dem fünften Jahr der Betriebszugehörigkeit erhalten unsere Erzieher eine betriebliche Altersversorgung, ohne dass sie dafür einen Zuschlag aus der eigenen Tasche leisten müssen. Wir zahlen auf Antrag vermögenswirksame Leistungen in Höhe von monatlich 6,65 Euro. Und schließlich erhalten unsere Mitarbeiter 29 Tage Urlaub. Angesichts dieser Tatsachen kann man nicht ansatzweise davon sprechen, dass Erzieher der Johanniter schlechter als ihre Kollegen in kommunalen Einrichtungen gestellt sind.

Johanniter - Chef: "Unsere Erzieher sind nicht schlechter als ihre Kollegen in kommunalen Einrichtungen gestellt."

Johanniter – Chef: “Unsere Erzieher sind nicht schlechter als ihre Kollegen in kommunalen Einrichtungen gestellt.”

Sind denn große Gehaltsunterschiede zwischen freien und kommunalen Trägern grundsätzlich denkbar?

Matthias Rudolf: Eigentlich dürfte und sollte das nicht vorkommen. Denn im Kitagesetz des Landes Brandenburg ist klar geregelt, dass die Kitafinanzierung eine Fehlbedarfsfinanzierung ist. Heißt auf gut Deutsch, wenn ein Kitaträger wirtschaftlich korrekt arbeitet und Geld nicht für unsinnige Dinge aus dem Fenster wirft, dann zahlen das Land Brandenburg (Personalkosten) sowie die Kommune diese entstehenden Gesamtkosten abzüglich der Elternbeiträge und dem Eigenanteil des Trägers. Es gibt eigentlich keinen Grund, seinen Mitarbeitern weniger Lohn zu zahlen, als das kommunale Träger tun. Gerade bei dem noch existierenden Mangel an pädagogischen Kräften würden deutlich schlechter gestellte Erzieher dem Träger weglaufen.

Das A und O in der Kinderbetreuung ist ein vertrauensvolles Verhältnis der Kinder und Eltern zu den Erziehern. Man würde keine Kontinuität erzielen, wenn Erzieher ständig wechseln würden, weil sie bei einem anderen Träger deutlich mehr verdienen. Die Johanniter halten sich mit kommunalen Trägern in der Frage der Entlohnung die Waage, wenn wir nicht, gerade bei frisch ausgelernten pädagogischen Fachkräften, sogar ein Stück besser sind.

Wie bewerten Sie die Stimmung unter Ihren Erzieher?

Matthias Rudolf: Ich möchte die Frage mit einem Beispiel aus unserer Kita in Schulzendorf beantworten. IKEA hat unsere Einrichtung angesprochen, ob sie einen Stand zum Knut – Fest betreibt. Unsere Erzieher haben das als tolle Aktion angesehen und freiwillig in ihrer Freizeit am Samstag in Waltersdorf Würste und Getränke an die Frau und den Mann gebracht. Bei einem schlechten Betriebsklima wäre das niemals zustande gekommen.

Bei Abgeordneten herrscht die Überzeugung, dass freie Träger die allgemein bekannten Personalprobleme bei Erziehern besser in den Griff bekommen, als kommunale. Woran liegt das?

Matthias Rudolf: Ich kann nicht sagen woran das liegt, ich kann es mir nur denken. Wir sind enorm hinterher, freigewordene Stellen durch Krankheit oder Schwangerschaft der Erzieher sofort neu zu besetzen. Wir nutzen intensiv die Möglichkeiten, die uns Social Media bietet. Uns liegen Initiativbewerbungen vor, die wir nicht immer sofort berücksichtigen können, wir verlieren sie aber nicht aus dem Blickfeld. Und schließlich hilft uns die Mundpropaganda unserer Erzieher.

Sind Sie derzeit auf der Suche nach Erziehern?

Matthias Rudolf: Derzeit ist es so, dass wir nicht zu wenig Pädagogen haben. Alle Erzieherstellen sind besetzt.

Wo sind denn freie Träger besser oder schlechter als kommunale?

Matthias Rudolf: In der Betreuung der Kinder darf es keine Unterschiede geben. Es muss sich ordentlich und fürsorglich mit den Kindern beschäftigt werden und eine gute Elternarbeit erfolgen. Freie Träger haben einen entscheidenden Vorteil. Sie sind in Entscheidungen viel flexibler und schneller. Wir müssen keine Mühlen einer Verwaltung durchlaufen. Wir haben mehr Möglichkeiten Projekte umzusetzen. Wir können Spendengelder für unsere Kitas einsammeln, steuerlich absetzbare Spendenquittungen ausstellen und dadurch außerhalb des Haushaltes wichtige Dinge für unsere Kinder beschaffen. Das ist Kommunen nicht möglich.

Mit den Fördermitteln der Bundesregierung wurde die Kita in Schulzendorf errichtet. (Foto: mwBild)

Mit den Fördermitteln der Bundesregierung wurde die Kita in Schulzendorf errichtet. (Foto: mwBild)

Kritiker der freien Träger behaupten, sie seien insbesondere bei den Verwaltungskosten teurer. Stimmt das?

Matthias Rudolf: Das ist eine Milchmädchenrechnung. Natürlich brauchen wir als freier Träger auch Geld, um die Verwaltungskosten zu decken. Unsere Fachbereichsleiter, die Mitarbeiterin der Abrechnung und auch ich als Geschäftsführer brauchen einen Euro. Diese Kosten fallen aber auch in einer Kommune an, wenn sie eine Kita betreibt. Die dortige Personalsachbearbeiterin, die zuständige Amtsleiterin, der Bürgermeister wenden Arbeitszeit für die Einrichtung auf und müssen auch bezahlt werden.

11 Responses to Kreuzverhör: Johanniter – Vorstand – „Wir bezahlen unsere Mitarbeiter gut!“

  1. Annie
    31. Januar 2020 at 20:00

    Jörg, Sie möchten also kein unabhängiges Diskussionsforum, sondern in einer von Ihnen gewünschten “roten oder grünen Linie” nur die eigene Meinung bestätigt wissen? Wenn Sie eine rote Linie vermissen, kaufen Sie sich einfach das “ND”.
    Es macht den Eindruck, dass die Linken aus ideologischer Gewohnheit reflexartig erstmal gegen eine freie Trägerschaft diskutieren.

  2. Frau Müller
    31. Januar 2020 at 18:58

    Na dann Feuer frei Jörg und Fakten auf den Tisch.

    Anderen vorzuwerfen das sie nur Müll schreiben, ohne selber verwertbare oder diskussionswürdige Aussagen oder Fakten zu liefern ist eine mehr als schwache Kür und mir persönlich vollkommen egal.

  3. Jörg
    31. Januar 2020 at 15:16

    @ Frau Müller Schade, was sie da von sich gehen. Ich kann Ihnen nur sagen, falls Sie Herr Reihard Bolduan meinen, dass dieser über kein Internet verfügt. Ihre andere These zeugt nur davon, dass die Müllhalde in Schulzendorf abgedeckt ist und die wahren Geschichten niemanden interessieren und nur von Müll ( er ) geschrieben wird. Es ist eigentlich sehr schade, dass im Schulzendorfer. de es keinen rote oder grüne Linie mehr gibt, und Fakten genauso weggeschwischt werden wie in einer MAZ-

  4. Bine
    Bine
    31. Januar 2020 at 10:27

    Fau Mollenschott sollte sich öffentlich für dieses unbewiesene Pauschalurteil, dass, wie man ließt, jeglicher Grundlage entbehrt, entschuldigen. Von einer Kreistagsabgeordneten hätte ich mehr Niveau erwartet.Danke Herr Johanniter und Danke Schulzendorfer für die Aufklärung. Ich erzähle es weiter.

  5. Frau Müller
    31. Januar 2020 at 06:23

    Das sagt der Richtige @Altanschließer…..
    Selber früher im ZK gesessen und heute solche Parolen raushauen.
    Früher die Leute verraten und verkauft und heute sich als Retter der Schulzendorfer aufspielen.

  6. Altanschließer
    30. Januar 2020 at 19:03

    Die Linken machen sich überflüssig, sie sind ein Auslaufmodell.

  7. Olli
    30. Januar 2020 at 16:56

    Frau Mollenschott, ich fordere Sie auf, Ihr Mandat niederzulegen! Politiker, die Gerüchte verbreiten sind untragbar.

  8. Schulzendorfer
    30. Januar 2020 at 16:39

    Das scheint das einzige Argument von Frau Mollenschott gegen eine freie Trägerschaft zu sein. Da wir nun immer mehr erfahren, dass dieses Argument wohl keines ist, frage ich mich, ob sie nun den wahren Grund ihrer Abneigung verrät.

  9. Frau Müller
    30. Januar 2020 at 16:23

    Weil Frau Mollenschott ihre Kinder längst erwachsen sind und damals zu einer Zeit einen Kitaplatz brauchten als es die vielleicht nicht so zahl- bzw. abwechslungsreich im Konzept gab. Außerdem, was spielt es für eine Rolle, wo ihre Kinder damals betreut wurden. Kann doch auch einfach sein, dass ihr das ganz einfach möglich war und sie es so wollte. Wer hat der kann…….und das geht niemanden etwas an!

    Auch denke ich nicht das sie bewußt falsche Zahlen von sich gibt, sondern nur die die sie selber erfragt hat. Wo da die Diskrepanz ist, wird sich sicher noch aufklären.
    Und es geht nicht darum per se freie Träger auszuschließen. Es ging wirklich nur darum keine Träger zu verpflichten die deutlich weniger bezahlen, als bei kommunalen Erziehern.
    Wenn die freien Träger die sich bewerben, auch ein ähnliches Lohnniveau wie die Komune haben, dann hat auch eine Frau Mollenschott sicher nichts dagegen.
    Entsprechend wurde inzwischen ja auch der Entwurf zur Beschlussvorlage angepasst und die Forderung nach einer min. Bezahlung auf Tarifniveau eingearbeitet. Insofern….alles gut.

    Auch gibt es Unterschiede im Bezug auf Voll und Teilzeit. Das fehlt leider noch im Artikel.
    Ein Grund warum die Stellen bei den Johanniter alle besetzt sind, kann auch daran liegen, dass sie eher Vollzeit anbieten. Das ist bei den Kommunalstellen in Schulzendorf nicht immer der Fall und zum Teil dadurch schon für man eine Erziehungsfachkraft unattraktiv bei der Stellenauswahl.

  10. Petra
    Petra
    30. Januar 2020 at 11:52

    Ich denke alle Erzieher, egal ob freier oder kommunaler Träger, geben sich die größte Mühe ihren Job gut zu machen. Mir stellt sich eine Frage, warum sind bei den Johanniter die Erzieherstellen alle besetzt und bei den kommunalen nicht? Unser Verwalter jammert rum kein Personal zu finden, da muss er doch was verkehrt machen. Oder ist es vielleicht doch nicht so toll bei unseren kommunalen Kitas? Und warum schickt Frau Mollenschott ihre Kinder nicht in kommunale Einrichtungen, wenn dort alles so toll ist? (Wenn die Aussage von @Zeuthener zutrifft)

  11. Zeuthener
    30. Januar 2020 at 09:11

    Die Linken bewegen sich auf unterstes Niveau zu. Ihnen geht es nicht um sachliche Entscheidungen im Interresse der Bürger, sondern um ideologische Fragen ihres Parteiprogramms. Wenn ich mich richtig erinnere, dann hat Frau Mollenschott in Zeuthen auf einem Wählerforum bestätigt, dass ihre Kinder keine kommunale sondern eine private Bildungseinrichtung besuchen oder besucht haben. Ich weiß es nicht mehr genau. Aber den freien Trägern Unlauterkeit gegenüber ihren Mitarbeitern vorwerfen ohne Beweise dafür zu liefern. Eine echte Vorzeigepolitikerin.

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