Zwölf Jahre Jazzsommer in der Patronatskirche

1. August 2018
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Das Dutzend ist voll! Zum 12. Mal fand der Jazzsommer in der Schulzendorfer Patronatskirche statt – und nie war er besser zusammen gestellt als in diesem Jahr! Dank der hervorragenden Organisation des leider im Januar 2017 verstorbenen Jazz-Autodidakten Ronald Mooshammer und seiner Kontakte zu Jazzmusikern entwickelte sich der Jazzsommer über zehn Jahre zu einem festen Termin für viele Anhänger dieser Stilrichtung. Den letztjährigen Jazzsommer hat der Enthusiast, dem der Förderverein der Patronatskirche sich tief verpflichtet fühlt, noch weitgehend auf den Weg gebracht.

Glücklicherweise ist es dem Förderverein gelungen, die Lücke, die Ronald Mooshammer hinterlassen hat, zu schließen. Als neuer Berater der Jazz-Konzerte hat sich Paul Schwingenschlögl (Trompete, Flügelhorn, Klavier und Komponist) zur Verfügung gestellt.

Den diesjährigen Auftakt gestalteten am 30. Juni die in Schulzendorf lebende Jessica Gall und ihre Band. Der Musikstil der Band, deren Lieder meist von Jessica Galls Ehemann und Pianisten Robert Matt produziert und arrangiert werden, ist nicht so leicht zu fassen, er reicht von Soul zu Pop und Folk bis hin zu Country-Tönen – gefällige Musik, die bei dem Publikum  Anklang fand. Sie selbst sagt über den Stil der Band, dass sie das Genre Jazz hinter sich gelassen habe, was aber sicher bei vielen aus dem Publikum gut ankam – treffend mag der Begriff „Country-Jazz“ sein.

Am darauffolgenden Samstag trat das 2005 entstandene Ulrich Gumpert-Quartett auf. Der Pianist und Komponist Ulrich Gumpert, 1945 geboren, gehörte schon zu DDR-Zeiten zu den hervorragendsten Vertretern des deutschen Free-Jazz, was er an diesem Abend mit seiner Band eindrucksvoll demonstrierte. Das  auch in ihrer Zusammenstellung überzeugende und frische Ensemble spielte mit  überraschender Leichtigkeit, rhythmischer Stärke und begeisternden Soli. Die vier Musiker – Ulrich Gumpert als Pianist, Henrik Walsdorf am Saxofon, der Bassist Jan Roder und Michael Griener am Schlagzeug – lebten den Jazz. Scheinbar kühl und intellektuell entlockten sie ihren Instrumenten expressive und energievolle Klänge. Das Publikum war begeistert.

Hangs Klangwelten / Foto: Dr. H. Burmeister

Hangs Klangwelten / Foto: Dr. H. Burmeister

Zum dritten Konzert wurde mit Spannung das Hang Caravan-Quartett mit dem neuen Berater des Jazz-Sommers Paul Schwingenschlögl (Trompete und Flügelhorn), Tivadar Nemesi (Hang), Adam Galan (Hang und Percussion)  und Alexander Skoczowsky (Percussion) erwartet. Das Hang besteht aus zwei miteinander verklebten Halbkugelsegmenten und wurde erst im Jahr 2000 in der Schweiz erfunden. Die Verwendung dieses esoterisch anmutenden Nischeninstruments basiert auf den Klängen des karibischen Steeldrums mit Einflüssen der indonesischen Gamelan-Musik über Glocke, Gong, Becken und Trommel und erzeugt harfenähnliche Klänge, die sich besonders zur meditativen Entspannung eignen. Wer hier allerdings sphärische Klänge erwartet hatte, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Die beiden Hang-Virtuosen in der international besetzten Gruppe boten ein fantastisches Klangspektrum mit den klaren Klängen der Trompete und den voluminösen Tönen des Flügelhorns, immer angetrieben  von den Wirbeln der Percussion-Rhythmen. Die beiden Hangs korrespondierten und überlagerten sich in einem Netz von wechselseitiger Synthese aus vielen Ideen. Auch eine „Kleine Wassermusik“ gehörte dazu, als P. Schwingenschögls Trompete, eingetaucht in eine Wasserschüssel, die Wasseroberfläche vibrieren ließ – ein begeisternder Abend voller Esprit und guter Laune.

Paul Schwingenschlögls Wassermusik / Foto: Dr. H. Burmeister

Paul Schwingenschlögls Wassermusik / Foto: Dr. H. Burmeister

Am 28. Juli fand der letzte Konzertabend statt. Zu Gast war die “Fuasi & the Latin Jazz Connection“ mit einem Feuerwerk an afro-kubanischen Rhythmen. Die musikalischen Funken, die die sechs Musiker versprühten, sprangen sofort auf das Publikum über. Diese Band hat einen einzigartigen Sound geschaffen mit Bezügen zum Blues, African Stil und Funk mit energiegeladener Tiefe. Fusai Abdul-Khaliq mit dem Saxofon und Christoph Sitz mit der Trompete ergänzten sich in teilweise wütenden Sound-Attacken mit sich steigender Vitalität, wie auch die anderen Musiker sich mit atemberaubender Intensität in das  Ensemble einbrachten. Mit Ovationen wurden die sechs Virtuosen verabschiedet.

Fuasi & the Latin Jazz Connection - Saxophon und Trompete im Wechsel / Foto: Dr. H. Burmeister

Fuasi & the Latin Jazz Connection –
Saxophon und Trompete im Wechsel / Foto: Dr. H. Burmeister

Dr. Herbert Burmeister verwies in seinen Schlussworten zu Recht auf die lange Tradition und den Erfolg des Schulzendorfer Jazzsommers, der selbstverständlich im nächsten Jahr mit Unterstützung von Paul Schwingenschlögl fortgeführt wird.

Begleitet wurde der Jazz-Sommer von der Ausstellung des Senziger Malers Horst W. König „Unterwegs“.

2 Responses to Zwölf Jahre Jazzsommer in der Patronatskirche

  1. Melly aus Zeuthen
    1. August 2018 at 17:18

    Beim Gall Konzert sind Besucher in der Pause gegangen.

  2. Jürgen Bloch, Kwh
    1. August 2018 at 11:17

    Kann mich der Wertung im Beitrag nur anschließen, ein hervorragendes Arrangement, von allen vier Veranstaltungen ragte für mich das Schlusskonzert heraus. Etwas zwiespältig fand ich den Auftritt von Frau Gall, er erinnerte mich eher an ein Countryfestival im Westernrestaurant Richtershorn, als an einen Jazzkonzert.Ich freue mich auf das nächste Jahr.

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