Invest – Projekt: Bauen mit Freifahrtschein

15. Juni 2017
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Dieses Großbau Vorhaben könnte für Aufruhr und Schulzendorf 21 sorgen: Das Berliner Immobilien Unternehmen eviantes GmbH will entlang der Fürstenberger Straße auf insgesamt 24 Hektar Land, bis zu 300 Häuser errichten. Eine Hauptverkehrsstraße von der Bergstraße zur Dahlewitzer Chaussee und eine Kita sollen gebaut werden. Mit der Kirche, die das Areal auf Erbzinsleihe abgeben will, ist man sich bereits einig. Im ersten Bauabschnitt sollen Flurstücke mit insgesamt 10.000 qm bebaut werden.

Für ein beschleunigtes Verfahren ohne Bürgerbeteiligung und Umweltprüfung sieht Andreas Körner keinen Grund. (Foto: mwBild)

Für ein beschleunigtes Verfahren ohne Bürgerbeteiligung und Umweltprüfung sieht Andreas Körner keinen Grund. (Foto: mwBild)

Doch um einen Bebauungsplan schnell zu erstellen, braucht eviantes Chef Hauff unbedingt den Segen des Gemeinderates. Er will die Neuregelung im Paragraph 13 b des Baugesetzbuches nutzen, die der Bundestag im März 2017 beschloss. Danach dürfen an bereits vorhandene Baugebiete zusätzlich bis zu 10 000 Quadratmeter im beschleunigten Verfahren als Baugebiet für Wohnzwecke ausgewiesen werden. Dazu gibt es einen Freifahrtschein: Das gesamte Verfahren läuft ohne Öffentlichkeitsbeteiligung und Prüfung der Umweltverträglichkeit.

Gemeinderat Andreas Körner (Bündnis 90/Grüne) zum Immobilien – Plan: „Ich sehe überhaupt keinen Grund für ein beschleunigtes Verfahren und schon gar nicht ohne Betrachtung von Umweltaspekten.“

Hauffs Ankündigung sorgt bei Anwohnern rund um die Fürstenberger Straße für blankes Entsetzen. Mit der ländlichen Idylle wäre es vorbei, für die geplante enge Bebauung sei die Infrastruktur nicht vorhanden, lauten Einwände. Zudem zweifeln Bewohner an der Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit der Umweltpolitik der Bundesregierung, weil das von ihr verabschiedete Verfahren ohne Betrachtung ökologischer Belange laufen soll. Zahlreiche geschützte Arten, wie Eidechsen, Ringelnattern und sogar der Pirol sind in der Gegend zu Hause, berichten übereinstimmend mehrere Anlieger. Die haben angesichts der Ereignisse beim Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Alarmglocken geläutet.

Ob tatsächlich alles im Eilzugtempo ablaufen wird, wie es sich Hans Jochen Hauff vorstellte, als er die Gemeinderäte im Ortsentwicklungsausschuss um Unterstützung für das Projekt bat, ist völlig offen. Von Begeisterung für sein Vorhaben war bei Abgeordneten jedenfalls kaum etwas zu spüren.

So soll das im Eiltempo durchgezogene Projekt aussehen.

So soll das im Eiltempo durchgezogene Projekt aussehen.

9 Responses to Invest – Projekt: Bauen mit Freifahrtschein

  1. Anwohner Otto - Krien - Str.
    19. Juni 2017 at 12:41

    anbei eine interessante Analyse des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Diese sollten sich unsere Kommunalpolitiker zu Gemüte ziehen. https://www.rbb-online.de/wirtschaft/beitrag/2017/06/wohnungsbau-brandenburg-oft-am-bedarf-vorbei.html

  2. Mutti Löwenzahn
    16. Juni 2017 at 16:23

    Wir bekommen doch schon bis 2023 200 Doppel- und Reihenhäuser auf dem Ritterschlag/ Ritterfleck.Das ist doch schon schlimm genug und dann das noch,demnächst bekommt Schulzendorf den Titel ‚ Stadt ‚!

  3. Bürger Zweiter Klasse
    16. Juni 2017 at 15:03

    und die 200 neuen Häuser am Ritterfleck macht nochmal ca. 200 Autos mehr.
    Die mal vor zig Jahren geplante Umgehungsstrasse des Altdorfs wird wohl auch nicht gebaut. damit kann man nun mal kein Geld verdienen.

    Aber nur mal so, das mit dem abgeholzten Wald, wo jetzt das Ortszentrum steht, hat auch keinen interessiert. Zumal das glaub ich Naturschutzgebiet war. Aber da klingelt ja die Kasse.

    Dann wirds auch Zeit mal echt über eine neue, größere Schule nachzudenken.
    Aber auch damit verdient man nix.
    Tja der Amtsschimmel steckt echt in der Klemme :-)

  4. Heutemalohne
    16. Juni 2017 at 13:40

    Ich kann dem nur zustimmen. Dazu kommt, dass die Anwohner die Straße bezahlt haben, die Kirche ist, wie die Eigentümer des Weißen Flecks, mit einem Bruchteil davon gekommen. Aussengebiete im Innengebiet hieß es wohl. Genau, nur dass auch zu diesem Zeitpunkt die geplante Bebauung bekannt war.
    Nach Hörensagen hat bereits damals der Landkreis signalisiert, dass es eine Zuwegung über die Dahlewitzer nicht geben wird, warum auch immer. Man kann dann nur hoffen, dass das nicht stimmt.
    Denn bei über 300 geplanten Häusern gehe ich mal von 300 – 600 Autos mehr aus, die dann über die Fürstenberger rauschen.
    Für das Altdorf wurde mal eine tägliche Belastung von 17.000 Fahrzeugen / Tag gemessen. Zzgl. der neuen Wohngebiete, evtl. Des Flughafens droht dann wohl definitiv der Kollaps.

  5. Eichberghoernchen
    16. Juni 2017 at 09:15

    Was mir stark zu denken gibt ist die bestehende Infrastruktur, die jetzt schon an Ihre Grenzen kommt.

    Nimmt man für die beiden neuen „Wohnparks“ einfach mal an, dass man insgesamt 450 Häuser mit im Schnitt 2,5 Bewohnern so hat man in kürzester Zeit ca. 1100-1200 neue Einwohner mit vermutlich 600-700 zusätzlichen PKWs die die Straßen belasten und diese schneller verschleißen lassen, mal ganz abgesehen von den ganzen Bau LKWs die vorher schon alles stark beanspruchen.

    Dann braucht es zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, eine größere Schule, vielleicht auch eine weiterführende Schule, mehr Busse um den ÖPNV zu decken usw.

    Mal abgesehen von den Mehreinnahmen für die Gemeinde, den evtl. neu entstehenden Arbeitsplätzen und die vermutlich steigenden Immobilienpreise in Gesamtschulzendorf sehe ich eher eine Verschlechterung der Gesamtsituation für alle. Sowohl für die jetzigen Schulzendorfer als auch für die eventuellen Neuschulzendorfer.

    Vielleicht sollten mal alle Gemeindevertreter und Würdenträger in sich gehen und sich selber Fragen ob man nicht mit dem zufrieden sein sollte was man hat.

    Wie heißt es so schön: Never change a running system.

    Und so richtig laufen tut es ja jetzt schon nicht.

  6. Peter Siegert
    Peter Siegert
    16. Juni 2017 at 08:18

    Natürlich kann man Menschen das Häuser bauen nicht verweigern. Und dass das immer Auswirkungen auf bestehende Wohngegenden hat, ist auch klar. Was mich unheimlich ärgert ist, dass solche Wohngebiete ausschließlich ertragsorientiert geplant werden. Am besten Gewinnspannen von 1.000 Prozent. Würden nicht auch 100 reichen? Ich bin erschrocken von den Vorstellungen auf dem Bild. Kein Park, keine allgemeinen Grünflächen, Beete , sondern Haus an Haus. Warum muss der gesamte Wald gefällt werden? Die Gemeindevertreter tragen eine besondere Verantwortung. Ob die allen immer voll bewusst ist, bezweifele ich.
    Das beste Beispiel ist der „Weiße Fleck“. Wie ich jetzt erfuhr, gab es in den 90iger Jahren eine „Schulzendorfer Entwicklungsgesellschaft“. Diese Gesellschaft hatte es sich zur Aufgabe gemacht, Wohnbebauung im Ort zu fördern Geschäftsführer der Gesellschaft waren Dr. Palenker und Herr Israel – Kraft. Im Beirat dieser Gesellschaft waren Gemeindevertreter von SPD, PDS und CDU.Da sind ganz bekannte Namen darunter. Rührt vielleicht aus dieser Zeit die sehr wohlwollende Behandlung der Investoren in der Illgenstraße? Hätten die Gemeindevertreter bei der Planung des Projekts nicht viel stärker die Interessen der Allgemeinheit in den Vordergrund stellen müssen? Ich meine ja.
    Schulzendorf soll eine Gartenstadt sein. Diesen Anspruch haben die Abgeordneten formuliert. Ich kann nur hoffen, dass ihnen klar ist, was eine Gartenstadt ist. Das auf dem Bild hat mit Gartenstadt nichts zu tun.
    Und ich kann nur hoffen, dass Herr Körner viel Unterstützung für seine Position erhält.Mir ist völlig unklar, wie in Zeiten, wo Politiker aller Parteien vollmundig über Demokratie und Bürgerbeteiligung reden, ein Verfahren verabschiedet wird, dass das Gegenteil bewirkt.

  7. André
    16. Juni 2017 at 06:23

    Das ist doch Wahnsinn!
    Da soll einfach ein ganzer Wald platt gemacht werden damit sich so
    ein paar Immobilienheinis wieder die Taschen voll packen können.
    Wenn ich könnte würde ich am liebsten den Wald selber pachten.

    Was für eine kranke Welt. :(

  8. Petra
    Petra
    15. Juni 2017 at 22:59

    Danke Herr Körner. Wer so ein Bauprojekt ohne Bürgerbeteiligung/Ümweltprüfung durchbringen will, der kann kein guter Nachbar sein. Der Berliner Immobilienhai hat sie wohl nicht mehr alle. Dass sich die Kirche zum Handlanger solcher Gaunermethoden macht, ist ungeheuerlich.

  9. Nobody
    15. Juni 2017 at 21:58

    Mein Geschichtslehrer, der von mir sehr geschätzte Herr Seidel, sagte immer: „Wir müssen hier die Klassenfrage stellen; Wem nutzt das?“

    Ausser Kommerz, sprich Rendite, sehe ich keinen Sinn….

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